Die Gefangennahme von 15 britischen Soldaten am Shat el Arab, dem Mündungsfluss von Euphrat und Tigris, hat die britisch-iranischen Beziehungen in eine schwere Krise gestürzt. Insbesondere zeigt sich hier, dass die britische Marine einen wirkungsvollen Schutz ihrer Soldaten offenbar nicht gewährleisten kann bzw. überhaupt keinen ernsthaften Versuch hierzu unternommen hat.
Die Soldaten waren auf Schlauchbooten zu Inspektionen von Schiffen wegen verbotener Schmuggelwaren unterwegs. Der mangelnde Schutz der britischen Soldaten kann zweierlei bedeuten: Entweder man ging das Risiko eines Grenzzwischenfalls mit dem Iran bewusst ein oder man versuchte, einen militärischen Zwischenfall unter allen Umständen zu vermeiden. Ersteres könnte als bewusste Provokation gedeutet werden. Der Iran ist bemüht, diese Sicht der Weltöffentlichkeit zu vermitteln, indem er auf rasche Geständnisse der britischen Soldaten verweist.
Letzteres würde bedeuten, dass die Drohungen der Briten und Amerikaner, mit militärischen Mitteln gegen den Iran vorzugehen, keineswegs ernst gemeint ist. Man könnte also im Sinne Maos von Papiertigern sprechen, die zwar eine Drohkulisse aufgebaut haben, aber keinesfalls ernsthaft an einem militärischen Konflikt interessiert sind. Welche Gründe könnten hierfür geltend gemacht werden?
Das Saudische Öl und die Bedrohung durch den Iran
Die saudische Hafenstadt Al Jubayl am Ufer des Persischen- bzw. Arabischen Golfs – die Bezeichnungen sind zwischen Iran und Saudi Arabien umstritten – eignet sich besonders für terroristische Angriffe. So jedenfalls äußerte sich unlängst Robert Baer, ein Kenner der Region, der für die CIA jahrlang dort tätig war. Kleine Motorboote könnten vom Iran aus den Golf innerhalb von rund vier Stunden überqueren, um die dortigen Ölverladeanlagen Sealand oder die Plattform Nummer 4 in Ras Tanura schwer zu beschädigen. Auch wesentliche Teile der in Abkaik befindlichen riesigen Ölraffinerien wären erreichbar. Insbesondere könnten hier Stabilisierungstürme oder die Pumpstation zu den Ölfeldern zerstört werden. (Vgl. hierzu Robert Baer (2004), Die Saudi-Connection, Wie Amerika seine Seele verkaufte, Bertelmann Verlag, Gütersloh. S. 13-23. Der Autor zitiert dabei aus einer Risikostudie, die für die US-Regierung über mögliche Folgen eines solchen Anschlag erstellt worden ist.)
Es bedürfte hierzu also nur einer Gruppe zu allem entschlossener Männer mit ausreichenden Mengen von Plastiksprengstoff, um die Ölversorgung der Welt empfindlich in Mitleidenschaft zu ziehen. Eine Studie des IMF über die daraus resultierenden wirtschaftlichen Folgen kommt zu dramatischen Zahlen hinsichtlich des dadurch induzierten Ölpreisschocks, falls die saudischen Öllieferungen für längere Zeit unterbrochen wären. Genaue Preisschätzungen sind schwierig, aber es werden in diesem Zusammenhang Werte bis zu 144 US Dollar je Barrel für möglich gehalten.
Treffen diese Überlegungen zu, dann benötigt der Iran keine Atombombe oder auch Raketenwaffen, um zu einer massiven Bedrohung der weltweiten Ölversorgung in der Lage zu sein. Die Lage der saudischen Ölfelder und Förderanlagen am Golf sind völlig ausreichend, um mit geringfügigen Mitteln einen maximalen Schaden anzurichten.
Die amerikanische Zurückhaltung mit einer Iran-Intervention
Die derzeitige Zurückhaltung der USA, eine weitere militärische Intervention gegen den Iran insbesondere zur Zerstörung der Nuklearanlagen zu unternehmen, wird so verständlicher. Es ist wohl weniger die militärische Leistungsfähigkeit der iranischen Streitkräfte, die sich kaum erfolgreicher gegen massive amerikanische Luftüberlegenheit behaupten könnten, sondern die massive Gefährdung der Weltölversorgung, die aufgrund der geographischen Gegebenheiten am Golf ein solches Vorgehen so zwiespältig macht. Es mag ja sein, dass Militärstrategen Pläne für eine Zerstörung der iranischen Atomanlagen ausgearbeitet haben, aber es ist sehr viel schwieriger die saudische Ölindustrie gegen Terroranschläge aus dem Iran abzusichern.
Diese Option könnte Mahmud Ahmadinedschad dem saudischen Könighaus bei seinem letzten Besuch nochmals eindrücklich vor Augen geführt haben. Neben der Beschwörung der pan-islamischen Einheit von Sunniten und Schiiten wäre diese versteckte Drohung sehr viel wirkungsvoller als alle anderen Argumente. Die brennenden Ölfelder im Irak aus dem ersten Irak-Krieg konnten nur deshalb keinen dramatischen Effekt auf die Weltölversorgung ausüben, weil die Saudis den Ölhahn weit aufdrehten und die Lieferausfälle überkompensierten. Dies wäre bei einem solchen Szenario nicht mehr der Fall.
Mahmud Ahmadinedschads Spiel mit dem Feuer
Die fortlaufenden Provokationen des Irans unter der Führung von Mahmud Ahmadinedschad werden verständlicher, wenn man bei ihm das Kalkül unterstellt, dass ein Angriff auf den Iran sich aus den Gründen einer weltweiten Krise der Ölversorgung bei einem Ausfall der Saudischen Ölanlagen bei rationalen Akteuren von selbst verbietet. Mithin würden auch die jetzt beschlossenen weiteren Sanktionen sowie weitere militärische Drohgebärden der USA unglaubwürdig sein, da sie über keine befriedigende Lösung für das Ölversorgungsproblem verfügen. Saudi-Arabien wird auch alle Heben in Bewegung setzten, um solch ein Ereignis, dass ihre Macht im Land untergraben würde, zu verhindern.
Zu Bedenken ist darüber hinaus noch, dass insbesondere im Osten auf den saudischen Ölfeldern die Mehrheit der Bevölkerung schiitischen Glaubens ist, und daher weder dem Sunnisten geschweige denn den Wahabiten wohlgesonnen sind. Eine Krise dort könnte nach Auffassung der Iraner sogar ähnlich wie im Irak einen Machtwechsel im Zuge eines terroristischen Umfelds, wie es den Irak bereits seit rund 5 Jahren seit dem Einmarsch der USA und seiner Verbündeten plagt, herbeiführen. Damit würden die wichtigsten Ölversorgungsländer Iran, Irak und Saudi-Arabien plötzlich unter den Einfluss radikaler schiitischer Führer gelangen. Wahrlich ein aus Sicht des Westens ein Horrorszenario.
Es könnte daher durchaus Ziel und Zweck der Provokation des Westens sein, ihn zu einem ähnlich fatalen Schritt wie im Irak zu verführen, um am Ende als Sieger und Herrscher auch über die saudischen Ölquellen daraus hervorzugehen. An Vorbildern – man denke an Saddam Husseins Besetzung von Kuweit – fehlt es nicht.
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Also ich weiss zwar nicht wo die Redaktion Geo gelernt hat aber das ist der Persische Golf nicht irgendwas mit arab. Perische Golf. Und wie Irak und England behaupten das Iran die 15 Spione in Irakischen Gewässern verhaftet hat wiederspricht sich . Wenn die Iraner tatsächlich die Engländer in Irakischen Gewässern verhaftet haben sollen heisst es das die Iraner auch in Irakischen Gewässern waren das wäre ein Kriegsgrund für die Amis das würden sie niemals zu lassen….