Der Klimawandel beherrscht die Schlagzeilen. Auf Druck der USA, Chinas und Russlands musste der Wortlaut des neuesten IPCC- Berichts abgemildert werden, die düster klingenden Kernaussagen ließen sich so freilich nicht wegwischen. Hierzulande haut Klaus Töpfer auf die Pauke. Die Deutschen würden einen zu verschwenderischen Lebensstil pflegen. Und in Großbritannien, wie wird da Klimapolitik gemacht?
Dort geht die Diskussion über mögliche politische Maßnahmen gegen die Erderwärmung weiter. Das wissenschaftliche Fundament, das der Weltklimarat seit einigen Jahren immer weiter ausbaut, darüber hinaus durch den populären Stern-Report zementiert wurde, bezweifelt auf der Insel jedenfalls kaum jemand. Im Gegensatz zu einigen Zeitgenossen in Übersee, aber auch in Deutschland. Schon vor einigen Wochen hatte die britische Regierung daher beschlossen, die CO2-Emissionen bis zum Jahr 2050 um 60 Prozent gegenüber 1990 drosseln zu wollen. Damit ging man über die innerhalb der EU festgesetzten Grenzen noch einmal locker hinweg. Bis 2050 wollten die Europäer in toto noch nicht denken, vorerst sollen es bis 2020 20 Prozent weniger Kohlendioxid sein.
80 Prozent weniger CO2
Die Regierungsmannschaft um Premierminister Tony Blair und Schatzkanzler Gordon Brown setzte mit ihrem Vorhaben jedenfalls eine vielerorts bestaunte und begrüßte Vorgabe. Nahezu konkurenzlos ist das Labour-Team damit im internationalen Vergleich, im rein britischen Duell ist hingegen harte Konkurrenz zu erwarten. Denn jetzt sind die oppositionellen Tories wieder am Zug. Eine vom Tory-Vorsitzenden David Cameron eingesetzte Arbeitsgruppe kam zu dem Ergebnis, das die Partei die Messlatte noch höher legen solle. 80 Prozent weniger CO2 bis 2050 – damit könne man dem Klimawandel effektiv entgegentreten und sich selbst ein neues, progressives, modernes Image überstülpen. Nur durch drastische Maßnahmen sei es möglich, den globalen Temperaturanstieg über die nächsten 40 Jahre unter der magischen Grenze von 2 Grad Celsius zu halten. Labour hat die vom großen Rivalen anvisierte Marke bereits als utopisch gebrandmarkt. Verständlich, wenn man bedenkt, dass die Treibhausgasemissionen in Großbritannien im vergangenen Jahr den höchsten Stand seit 1997 erreichten.
“Wir machen uns keine Illusionen über die politische Herausforderung, die dahinter steckt. Auch was ein internationales Abkommen bezüglich der CO2-Begrenzung betrifft. Nichtsdestotrotz muss die Politik wissenschaftlichen Erkenntnissen Taten folgen lassen, nicht andersherum”, so Nick Hurd, konservativer Parlamentsabgeordneter und Vorsitzender der Arbeitsgruppe “The Quality of Life”. Die politische Herausforderung ist in der Tat enorm. Wie die Gleichung 80 Prozent weniger CO2 = weiterhin brummende Ökonomie aufgehen soll, das müssen die Tories dem Wahlvolk erst noch erklären. Möglich, dass sich das ehrgeizige Ziel als Bumerang erweist. Dennoch: Die Tories verharren nicht in der Defensive, sondern greifen mit voller Breitseite an. Die Unterstützung diverser Umwelt- und christlicher Gruppen haben sie schon, darunter die des WWF, Christian Aid und Tearfund. Am Ende auch die der Bevölkerung?
(S.W.)
Photo Quelle/ Copyright: UCL Conservative Society, cc creative commons Attribution-NonCommercial-NonDerivs 2.0 (via flickr)
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