Bloggerelite, Re:publica und ein Hype

Einige selbsternannte Bloggerkönige haben es ganz schlau gemacht. Man ziehe in Berlin-Mitte ein Event auf, lasse in seinem kleinen Netzwerk alle Kontakte spielen – auch die zu den etablierten Medien, aus denen die vielen “A-Blogger” kommen und feiere sich selbst kräftig. Nur Wowereit hätte noch gefehlt. Und schon berichten auch

zeitsch.jpgEinige selbsternannte Bloggerkönige haben es ganz schlau gemacht. Man ziehe in Berlin-Mitte ein Event auf, lasse in seinem kleinen Netzwerk alle Kontakte spielen – auch die zu den etablierten Medien, aus denen die vielen “A-Blogger” kommen und feiere sich selbst kräftig. Nur Wowereit hätte noch gefehlt. Und schon berichten auch die “alten Medienanstalten” über die kommende “aufklärerische, avantgardistische Medien – und Meinungselite”.

Blogs werden von alten “aufgesaugt”

Dabei übersehen die Herren gelegentlich, dass die grauen Medienmacher doch ziemlich gerissen sind und gerade einen Teil der besten Blogger aufkaufen, worauf in der NZZ hingewiesen wird. Zudem hält sich dieser im Netzwerk der Blogger selbst genährte Hype nur solange, bis es in den Blogs mehr Neuankömmlinge gibt als Aussteiger. Wie alle neuen Medien werden letztendlich auch die Blogs von den alten “aufgesaugt” und integriert. Die zwei oder drei reinen Blogs, die sich am Leben erhalten, werden weder die Medienlandschaft, noch die angeschlagene Demokratie, noch die korrupten Netzwerke in der Wirtschaften und bei den Gewerkschaften retten – eine Hoffnung, die häufig unterschwellig mit Blogs verbunden wird.

Lieber in die Bibliothek

Der Mehrzahl der Blogger fehlt es schlicht an Allgemeinbildung, wenn man das mal so äußern darf. Oder anders ausgedrückt: Große Klappe und nichts dahinter. Würden diese sich bei den großen Zeitungen dieses Landes um ein Volontariat bewerben, hätten die wenigsten eine Chance. Es reicht eben nicht, alles, was neu ist, im Internet auszuprobieren, sich dann auf die Schnelle darüber was Mäßiges aus den Fingern zu saugen, oder sich nur im Netzwerk gegenseitig zu verlinken um den Anschein einer sinnigen Diskussion zu erwecken, der übrigens kaum ein Leser folgen mag. Das geht woanders viel bequemer. Will man die Debatte um die Äußerungen Oettingers bei der Beerdigung Filbingers nachvollziehen, ist die Zeitungsabteilung einer öffentlichen Bibliothek noch die beste Adresse, qualtitativ und auch den Zeitaufwand betreffend.

Es wäre zu wünschen, dass bei der re:publica etwas Konstruktives zustande kommt, zum Beispiel in Form von neuen Projekten, außer der Selbstbeweihräucherung einer kleinen Szene.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Jetzt gab es ein paar negative Kritiken zum Thema Alpha- Blogger und “Aneignung” des Webs in RE und schon erscheint ein eigener kritischer Beitrag. Das läßt schmunzeln.

    Immerhin sind wir schon soweit, jetzt von Elite- Bloggern und nicht mehr von Alpha- Bloggern zu lesen, das lässt hoffen.

    Ernsthaft: Die Bloggerscene ist ein bunt gemischter Haufen von Menschen, wie sie uns täglich auf der Straße begegnen. Da begegnet uns der Nerd genauso selbstverständlich, wie der Experte in einem beliebigen Fachgebiet. Es gibt Blogs, die einen zunächst einmal die Augen zukneifen lassen, ob der schrillen Gestaltung und andere, die einen absolut professionellen Eindruck vermitteln. Da schreibt der “Stotterer” genauso wie der Lyriker, der sich einer geschliffenen Sprache bedient. Und alle, ALLE, haben ihre Fans.

    Was aber das wichtigste ist: Alle haben ihre Daseinsberechtigung!

    Da ist es müßig, von Elitebloggern zu schreiben, von Alpha- Bloggern sowieso. Müßig deshalb, weil es eine Eigenheit der Demokratie (und vor allem einer Liberalen, was ich bei der Gesamtheit der Netzbenutzer einfach mal voraussetze) ist, Meinungen zu tolerieren. Die Meinungsfreiheit ist nicht nur im deutschen Grundgesetz geschützt, sondern gilt nahezu überall als Grundlage demokratischen Handelns.

    Daher halte ich diesen ganzen Alpha- Blogger-, Republika-, Elite- Bloger- Hype für einen untauglichen Versuch, wirtschaftliche Interessen zu kaschieren. Das tut auch diesem Anliegen nicht gut.

    Sauberer und auch sachdienlicher wäre es, zu sagen: “Leute, hört her, wir wollen ein Geschäft machen und möchten mit einer Gruppe von Blogs Geld verdienen. Wer mit einsteigen mag, soll dies tun.” Das wäre eine ordentliche Ansage, auf die sich aufbauen ließe. Dann wären nur noch Kriterien festzulegen, nach denen die Auswahl der Beteiligten erfolgt und alle könnten damit leben.

    So aber, wie das hier läuft, sieht es entweder sehr amateurhaft aus, was sicher keine gute Visitenkarte ist; oder aber nach methodischer Verschleierung, was noch weniger attraktiv ist.

    Alle Beteiligten an dieser Chose haben doch etwas zu bieten, warum denn dann nicht das Rückgrat, auch dazu zu stehen?

    : XiongShui