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Wenn’s mal wieder länger dauert - Das deutsche Trauma von der Studiendauer

- Deutsche Studenten und ihr emsiges Treiben - eine Geschichte voller Missverständnisse. Photo: pixelio.de
Deutschlands Studenten zählen zu den ältesten Europas, wenn nicht gar der Welt. Kaum kommen sie nach vielen Jahren von der Uni, sehnen sie sich schon nach der Rente - so lautet jedenfalls ein gängiges Vorurteil, welches von der medialen Öffentlichkeit, wie auch beifallshungrigen Politikern regelmäßig bedient wird.
Nicht umsonst ist gerade die Ausmerzung der oft mit dem „Bummelstudenten“ gleichgesetzten Spezies des Langzeitstudierenden ein, in deutschen Augen, positiver Effekt des laufenden Bolognaprozesses. Denn letztendlich befinden sich deutsche Universitäten mit ihren Studenten im Kontext der globalen Wissensgesellschaft in einem Konkurrenzkampf um die Qualität der Ausbildung – einem zunehmend wichtigen Standortfaktor moderner Ökonomien.
Doch scheinen die hiesigen Absolventen im internationalen Vergleich hinterherzuhinken. Während ein britischer oder amerikanischer Student statistisch nur drei bis vier Jahre zum Erstabschluss braucht, benötigt ein deutscher Kommilitone hierzu 6,8 Jahre und ist am Ende zwischen 28 und 29 Jahre alt. Doch woher kommen diese Unterschiede? Sind deutsche Studenten wirklich fauler als ihre internationalen Kollegen ?
Der Langzeitstudent – ein deutsches Unikum?
Er scheint ein ziemlich deutsches Phänomen, vergleichbar etwa dem ‚Waldssterben’ zu sein, unser Langzeitstudent. Doch vielleicht auch Resultat einer anscheinend hierzulande verbreiteten Mentalität des chronischen Statistiken-Vergleichens mit dem unvermeidlich folgenden genüsslichen Jammern. In den Wörterbüchern anderer Sprachen sucht man eine adäquate Bezeichnung vergebens, die englischen ‚long term students’ oder ‚professional students’ kommen nicht unbedingt der verbreiteten Vorstellung eines sich “morgens um 13 Uhr” aus dem Bett quälenden fünfunddreißigjährigen Langhaarigen gleich. Dagegen ist der deutsche Langzeitstudent in erster Linie ein gesetzliches Konstrukt, das sich an einer Überschreitung der seit den siebziger Jahren unveränderten, zumeist neunsemestrigen Regelstudiendauer um vier oder fünf Semester orientiert.
Hier zählt allerdings nur die Fachstudiendauer, nicht der Gesamtaufenthalt an einer Hochschule, der sich ja auch in die Länge ziehen kann. Jedoch findet sich eine derartige Regelung in der internationalen Hochschullandschaft nicht, entsprechend sind regelmäßige Statistiken über die reale Studiendauer wie auch Überschreitungen der Regelstudienzeit im Ausland eher rar gesät - und damit gibt es dort zumindest statistisch keine Langzeitstudenten. Die meisten Vergleichsstudien zur alljährlich errechneten Fach- und Gesamtstudiendauer deutscher Absolventen können demnach meist nur auf die offiziell genannte Regelstudiendauer nationaler Abschlüsse zurückgreifen – ein klassischer Vergleich von Äpfel und Birnen.
Unterschiedliche Strukturen
Hinzu kommen noch die bislang großen internationalen Unterschiede in der Studienstruktur wie auch dem Alter der Studienanfänger. So hat zwar ein Bachelor in den USA zumindest offiziell nach etwa vier Jahren seinen Abschluss in der Tasche, doch müsste hier der Master hinzu gerechnet werden, um auch qualitativ mit dem deutschen Diplom oder Magister vergleichbar zu sein. Heraus käme eine in etwa gleich lange universitäre Verweildauer von etwa sechs Jahren – zumindest offiziell.
Auf der anderen Seite des Atlantiks oder des Rheins liegt das Abschlussalter jedoch um Jahre niedriger, allerdings ist auch hier nicht Faulheit der Grund, sondern zu berücksichtigen, dass in Deutschland die Hochschulreife in der Regel ein Jahr später als im Ausland erworben wird und männliche Studierende in der Regel zwischen dem Erwerb der Hochschulreife und der Aufnahme des Studiums ein weiteres Jahr für den Wehr-/Zivildienst aufwenden. Auch eine oft dem Studium vorgezogene Berufsausbildung treibt das Alter der Studenten in die Höhe.
Im internationalen Ranking im Spitzenfeld
Und als wäre das schon nicht genug, unterscheiden sich im internationalen Bereich die Studienangebote drastisch. So trifft man dann wirklich etwa in Finnland oder Spanien auf den Terminus “Langzeitstudium”, doch hiermit werden die Fächer bezeichnet, die eben länger angesetzt sind, als die eines Kurzzeitstudiums.
An dessen Stelle tritt in Deutschland zumeist die berufliche Ausbildung. Dies hat natürlich wiederum Auswirkungen auf die “böse Studiendauer” – denn, die im Ausland seltenen Statistiken zur Gesamtstudiendauer berücksichtigen natürlich alle Studienarten. So nimmt es nicht Wunder, dass die deutsche Gesamtstudiendauer im internationalen Ranking im Spitzenfeld zu finden ist.
Allerdings sei hier nochmals auf die strukturellen Unterschiede der Studiensysteme, gerade im Fall der zweistufigen Studiengänge verwiesen. Die Studie Eurostudent Report 2005 untermauert dies eindrucksvoll. Hier befindet sich Deutschland in Sachen Dauer und Abschlussalter zwar im internationalem Spitzenfeld, doch in trauter Gesellschaft etwa mit Finnland, Österreich und anderen. Von einer wahren Spitzenposition kann keine Rede sein.
Aber zurück zu unseren Langzeitstudenten. Es mag in der, am Humboldtschen Bildungssystem orientierten mitteleuropäischen Hochschullandschaft durchaus mehr Studenten jenseits des 14. oder 15. Semesters geben als im verschulten angelsächsischen System, fehlende Statistiken machen einen Vergleich jedoch unmöglich. Doch von Öffentlichkeit gehetzt und sozial diskreditiert wird der vermeintlich typisch deutsche Langzeitstudent wohl bald auf der Roten Liste erscheinen, zudem ist der Bologna-Prozess zum finalen Schuss angetreten. Ob dieser jedoch wirklich einen beschleunigenden Einfluss auf die Studiendauer hat, ist nach einer Studie des HIS zur Studiendauer in zweistufigen Studiengängen umstritten.
Allerdings - dass wie etwa bei der Formel I oder anderen Wettkämpfen der Schnellste auch gleich der Beste ist, muss in Sachen Studium und Bildung nicht unbedingt Gültigkeit haben.
So sind Persönlichkeitsbildung und fundierter Wissenserwerb nicht von Jedermann in Rekordzeit zu bewerkstelligen. Gut Ding will manchmal eben doch Weile haben, nicht umsonst hat auch so mancher deutsche Spitzenmanager, wie etwa Allianzchef Michael Diekmann ein etwas längeres Studium genossen.
Der deutsche Langzeitstudent – vielleicht werden wir ihn eines Tages schmerzlich vermissen.











Franz
Nichts gegen Langzeitstudenten. Ist jedermanns eigene Sache. Nur warum sollen die Steuerzahler und damit wir alle für solche Spielereien aufkommen? Studiengebühren sind ein guter Weg, um dem einen Riegel vorzuschieben. Zwar ist die Einführung von Studiengebühren in Deutschland vollkommen falsch angegangen worden - man kann keine Studiengebühren ohne funktionierendes Stipendiensystem einführen - aber die momentanen €500 sind halt ein Kompromiß. Bildung gibt es nicht kostenlos. Und wer aus Gründen seines persönlichen Lebensstils eben 20 Semester studieren möchte, soll das tun und es dann auch selbst bezahlen.
Franz
paule
Studiengebühren sind der Einstieg in eine Privatfinanzierung der Bildung. So wie beispielsweise die zentrale Bilddatenerfassung bei der Ausweiserstellung nur ein Vorläufer war um die Totalüberwachung war. Jetzt wo alle ihr Konterfei der (privaten !) Bundesdruckerei anvertraut haben läßts Schäuble krachen. Diese Salamitaktik gleich bei welchem Thema generiert eine Politikbürokratie die normale Bürger nur noch anwidert.
Also halten wir fest, Bildung gibt es mittelfristig gemäß den Richtlinien der Bertelsmannstuiftung, dem heimlichen aber sehr effektiven Ziimmermann dieses Landes, nur noch gegen cash. Zweite Finanzierungsebene werden Unternehmerstiftungen sein. Innovative Grundlagenforschung wird dann wie schon in vielen Bereichen heute in den Ländern stattfinden, deren Hochschulen sich nicht den kurzfristigen Ineteressen von Wirtschaft und hochverschuldetet Absolventen unterordnen müssen.
Und trotz des schlecht geredeten deutschen Studiums sind die deutschen Bummelstudenten im Ausland sehr beliebt. Übrigens am meisten begehrt waren die Diplomanten. Aber die gibt es ja nun fast nicht mehr.
Eine Gefahr weniger für die milliardenschweren Bildungskonzerne, denen das deutsche Hochschulsystem schon seit Jahren eine unliebsame Konkurrenz war.
Und raten sie mal wer schon fertige Konzepte für private deutsche Schulen und Hochschulen hat - richtig Bertelsmann. Man lässt es dort noch ruhig angehen, denn erstmal stehen die kommunalen Verwaltungen auf der Übernahmeliste der Bielefelder.
Wer glaubt die fest verankerte demokratische Kontrolle in solchen Konstrukten wirds schon richten, der hat noch nicht erlebt wie Verwaltungen “Sachzwänge” generieren, die Politiker zu Marionetten der Verwaltungschefs machen. In den Unis haben die CDU-Chefs offiziell schon den Stab an die Wirtschaft übergeben - das sind Leute wie Hartz, Ackermann, Esser etc.
Beim Wort Sachzwänge fällt einem natürlich auch immer die grauenhaft “sachliche” Politik der letzten 20 Jahre ein.
Damian
@ FRANZ
Kann ich nur zustimmen! Falls man als Berufstätiger sich weiterbilden möchte, muß man dafür zahlen und nebenbei hat man dann noch einen 8-9 Stunden Job ;o)
Ich finde das 500€ pro Semester nicht zu viel sind, d.h. man spart sich eine Party oder man muß auch nicht jeden Tag im Cafe frühstücken oder der Kaffee aus der Senseo-Maschine schmeckt auch, muß nicht 2-mal täglich ein “to go” von Starbucks sein.
Ich kann dieses Gejammer von (deutschen) Studenten nicht mehr hören. Ich kenne auch das Studentenleben im Ausland und da geht es den jammernden deutschen Studenten noch richtig gut!
Übrigens, wann geht ihr denn zur Uni? In Köln waren die Straßencafeplätze seit heute 10 Uhr besetzt, tja ich geh jetzt zuerst ein Kaffee trinken, falls ich noch einen Platz finden zwischen den frühstückenden Studenten!
Mit 40 das Studium beenden, dann erst mal vom Stress erholen, so 4 Jahre. Dann eine Orientierungsphase von 4 Jahren, dann 2 Jahre arbeiten und sich frühverenten lassen.
Franz
Geärgert hat mich auch ein wenig die Formulierung “verschulten angelsächsischen System”. Dieses “System” ist praktisch identisch mit unseren Fachhochschulen. Und es ist unbestritten, daß im echten Leben ein Abgänger von einer Fachhochschule gegenüber einem Abgänger von der Uni mit gleichem Abschluß die weitaus besseren Karten hat. Und “schuld” an der Beliebtheit von Fachhochschulschülern hat neben der praxisorientierteren Ausbildung an einer FH vor allem die so kritisierte “Verschulung”. Der Unterricht an einer FH ist verbindlich, gymnasiumsähnlich strukturiert und persönlicher. An einer Uni ist es egal, ob man zu einer Vorlesung geht oder nicht, solange man irgendwie seine Scheine zusammenbekommt. An einer FH wird so etwas nicht passieren.
Natürlich können nicht alle Studiengänge an einer FH gelehrt werden. Aber viele. Und da haben dann nicht nur die späteren Arbeitgeber eine eindeutige Präferenz. Und Langzeitstudenten (egal ob mit langen oder kurzen Haaren) wird man an einer FH vergeblich suchen.
Ich ziehe deshalb die “verschulten” Systeme im In- und Ausland eindeutig so mancher deutschen Uni vor.
Franz
M.Buettner
@Damian
Ich weiss ja nicht wieviel bei euch in Köln ein Kaffee bei Starbucks kostet, jedenfalls hier in München ab 4 Euro aufwärts und hier sehe ich fast keine Studenten die sich ihren Kaffee to go beim Starbucks abholen. Könnte vermutlich daran liegen das sie sich den nicht leisten können? Und dieses Dummgeschwätze von sogenannten Langzeitstudenten kann ich sowieso nicht mehr hören. So ein Schwachsinn. Gut Ding will Weile haben und dieses Abgezocke mit Studiengebühren ist sowieso ein bürokratischer Irrsinn. Dieses Bürokratieungeheuer kostet den Steuerzahler mehr als es einbringt. Aber soweit denken ja die meisten eh nicht, solange die B…zeitung schreibt das es zuviele Langzeitstudenten hier gibt, dann ist das ja so. Und das man damit die ganzen Errungenschaften aufgibt, die man sich ehemals erstritten hat, macht ja nix, nach mir die Sinnflut.
Franz
Zitat:
“Und das man damit die ganzen Errungenschaften aufgibt, die man sich ehemals erstritten hat,”
Was denn genau? Das Bildung schienbar umsonst ist - im doppelten Sinn vielleicht auch noch? Wohl kaum. Ich persönlich halte von Studiengebühren nichts, solange nicht ein anständiges Stipendiensystem etabliert ist. Aber die jetzigen maximal €500 pro Semester sind im internationalen Vergleich wohl kaum als Studiengebühr zu bezeichnen. Dafür ist es viel zu wenig.
Der Staat, und damit wir alle, bezahlen die Schulbildung eines jeden Kindes. Auch da gibt es kein Gefühl für die Kosten. Nein, keine Sorge, ich will nicht den Schulbesuch vom Geldbeutel der Eltern abhängig machen. Aber ein Schulgutschein wäre eine gute Lösung. Alle Eltern bekommen vom Staat einen Schulgutschein in einer festen Höhe, die sich an den Kosten für den Platz an einer staatlichen Schule orientiert. Diesen Gutschein können dann Eltern in den Schulen ihrer Wahl - egal ob staatlich oder privat - einlösen. Das bringt echte Wahlfreiheit, verdeutlicht die Kosten und macht das Bildungssystem flexibel und anpassungsfähig. Genau dieselbe Idee hatte Präsident Bush in den USA. Die Demokraten verhinderten es seinerzeit mit einer massiven Gegenkampagne. Gewisse Gruppen waren schon immer gegen die Freiheit der Eltern, die Erziehung und Bildung für ihre Kinder selbst zu wählen, denn einen sachlichen Grund konnten die Demokraten seinerzeit nicht vorbringen.
Ebenso gibt es keinen Grund, warum ein Kassenpatient nicht seinen Arzt bezahlt, eine Rechnung bekommt und diese bei seiner Kasse einreichen sollte. Das würde gleich mehrere Probleme auf einmal lösen.
Und ebenso gibt es keinen Grund, ein anständig aufgezogenes Studiengebührensystem zu etablieren - dann aber richtig und gut vorbereitet, nicht solche Schnellschüsse wie jetzt. Man könnte beispielsweise die Gutscheinidee auch auf Hochschulen ausdehnen und so Wettbewerb und Entscheidungsfreiheit für beide Seiten schaffen. Ja, man könnte viele Dinge tun.
Da aber die Bedenkenträger in Deutschland die Macht haben und das Volk vom allumsorgenden Sozialstaat dermaßen eingelullt ist, daß es aufgehört hat, ein eigenes Leben zu führen und dafür auch verantwortlich zu sein, werden das wohl alles kühne Ideen bleiben. Sprechen wir nicht drüber, es könnte uns zum nachdenken anregen.
Franz
Hermann
Die Sache mit dem Langzeitstudium ist wohl doch etwas komplizierter als dargestellt.
1. In Deutschland gibt es kein ordentliches Stipendiensystem, weshalb viele Studenten arbeiten müssen.
2. Das größte Problem ist die Verbeamtung von Professoren, die sich häufig - nicht immer - wie kleine Könige aufführen und sich einen Dreck um die Studenten scheren. Gleichzeitig halten sie als Dank für ihre lebenslange Jobgarantie wiederholt die gleichen Seminare, um sich möglichst die Arbeit zu ersparen.
Lösung: Allenfalls die Garantie für Professoren lebenslang ein Einkommen von 1200 Euro zu bekommen und sonst nur Leistungsaufschläge.
3. Professoren und Dozenten, die was bewegen wollen, werden von der Monsterbürokratie der Univerwaltung ausgebremst. Wir brauchen einen Unimanager(team) (keine BWL-Absolventen), der/das alle Kompetenzen hat für die Weiterentwicklung und neue Ansätze an den Unis.
4. Das Verhältnis von Dozent zu Studenten ist wegen der Sparorgien absolut miserabel. Wenn Seminare mit 60-100 Studenten in Kulturwissenschaften stattfinden ist kein normaler Studienablauf mehr gewährleistet. Die Motivation aller wird durch solche Seminare zerstört. In anderen Ländern gibt es solche Verhältnisse nicht weil,
5. der Zugang der Abiturienten an die Unis strikter gehandhabt wird. Es wird dort erst einmal die Eignung für das Studium geprüft. Bildung bei den Menschen erzeugt man nicht, indem 60 Prozent durch das Abi geschleust werden und dann davon 80 Prozent in die Unis gepfercht werden.
Franz
Ich kann Hermann in seinen Ausführungen nur voll beipflichten.
Franz
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