Französische Post will riesige Elektroauto-Flotte

Ohne Fortbewegungsmittel wäre die Post nicht die Post. Auch die französische nicht. Um ihre Briefe, Päckchen und Pakete innerhalb der “Grande Nation” zu verteilen, greift “La Poste” auf insgesamt 60.000 Autos, 30.000 Fahrräder, 25 Flugzeuge und drei Züge der Marke TGV zurück. Dass besonders Autos und Flugzeuge Energie und Sprit

158324816_aabc7b64ed.jpgOhne Fortbewegungsmittel wäre die Post nicht die Post. Auch die französische nicht. Um ihre Briefe, Päckchen und Pakete innerhalb der “Grande Nation” zu verteilen, greift “La Poste” auf insgesamt 60.000 Autos, 30.000 Fahrräder, 25 Flugzeuge und drei Züge der Marke TGV zurück. Dass besonders Autos und Flugzeuge Energie und Sprit benötigen, Lärm, Dreck und Treibhausgase erzeugen, muss an dieser Stelle wohl nicht extra erwähnt werden. Nun aber soll der Fuhrpark um eine umweltschonende Alternative erweitert werden. Innerhalb weniger Jahre sollen im Namen der Post 10.000 Elektroautos über Frankreichs Straßen rollen.

Am Dienstag hatte Post-Präsident Jean-Paul Bailly das Vorhaben publik gemacht, über eine europaweite Ausschreibung sollen bis Mitte des Jahres 2008 500 Elektroautos in den Besitz seines Unternehmens übergehen. Bei einem erfolgreichen Verlauf des Experiments soll die Elektro-Flotte dann innerhalb von fünf Jahren auf 10.000 Fahrzeuge anwachsen. Ein Selbstläufer wird dies aber nicht. Schon 1996 hatte man ein ähnliches Projekt nach kurzer Zeit eingestampft, da jede Batterieaufladung der 100 Peugeot-Wagen nur für je 30 Kilometer ausgereicht hatte.

Abwägen der Kosten

Seit zwei Jahren testet die Post jetzt mit Lithium-Ionen-Akkus bestückte Elektroautos des Typs Cleanova II, an deren Konzeption die Dassault-Tochter Société des Véhicules Electriques sowie der Karosseriefabrikant Heuliez beteiligt waren. Die Ergebnisse sind vielversprechend, 130 Kilometer am Stück seien mit dem Auto möglich, was in etwa den bei der Post üblichen Tagestouren entspräche.

Zunächst stehen dabei die großen Ballungsräume des Landes im Fokus des postalischen Interesses. “Wir rüsten erstmal die 15 größten Agglomerationen mit Elektroautos aus”, sagte Raymond Redding, Geschäftsführender Direktor in der Sparte Post. “Durch den Einsatz von Elektroautos sparen wir vier Tonnen Kohlendioxid pro Fahrzeug und Jahr, bei 500 Autos ergibt sich somit eine Ersparnis von insgesamt 2.000 Tonnen.” 2005 gingen nach eigenen Angaben 277.000 Tonnen Kohlendioxid auf das Konto des ehemaligen Staatsunternehmens. 40.000 Tonnen CO2, ungefähr ein Siebtel des Gesamtausstoßes, würde die Post also pro Jahr einsparen, sollten tatsächlich irgendwann 10.000 Elektroautos durch die Lande fahren. Angesichts der gigantischen Dimensionen des Konzerns eine beachtliche Zahl.

Auch finanziell mache die Umstellung Sinn. 70 Milionen Euro musste die Post im vergangenen Jahr für Treibstoff berappen, eine Tankfüllung Diesel koste dabei sechsmal soviel wie eine aufgeladene Elektroauto-Batterie. Dazu kommt noch die wohlwollende Haltung des Staates. Einen Zuschuss von 3.200 Euro pro Wagen hat Frankreichs Industrieminister Francois Loos in Aussicht gestellt. Denn natürlich schlagen zunächst die hohen Anschaffungskosten zu Buche. Ein Budget von 250 Millionen Euro plant die Post ein, herkömmliche Spritschlucker würde man für die Hälfte bekommen.

Elektroautos und Eco-Sportwagen

Aber auch wenn Elektroautos abgasfrei funktionieren, daher auch in Gebäuden, beispielsweise in Form von Gabelstaplern, problemlos eingesetzt werden können, produzieren sie unter dem Strich ebenfalls Kohlendioxid. Schließlich müssen ihre Akkus regelmäßig aufgeladen werden, und je nachdem, woher dieser Strom bezogen wird, entsteht bei der Energieerzeugung eine bestimmte Menge klimaschädlicher Abgase.

Abrupter Schwenk zur Hannover Messe: Dort präsentiert das Start-up-Unternehmen Loremo AG seine Vision eines “Low-Resistance-Mobiles”. Dabei ist die Vision eigentlich längst Realität. Denn der “LS“, ein besonders leichter, windschnittiger “Eco-Sportwagen” mit einem Verbrauch von 1,5 Litern auf 100 Kilometern, ist “technisch und konzeptionell fertig”. Weiter verriet Loremo-Chef Gerhard Heilmaier heute.de, dass man die “Markteinführung im Jahr 2009 fest im Blick” hat. Energiesparen kann und soll Spaß machen, so das Credo der Münchner. Keine schlechte Idee, denn hierzulande werden ja bekanntlich schichtenübergreifend schnelle Flitzer bevorzugt. Vielleicht wär’ das ja was. Für die Deutsche Post.

(S.W.)

Photo Quelle/Copyright: claytron, cc creative commons Attribution-NonCommercial 2.0 (via flickr)

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  1. Zitat:
    “Auch finanziell mache die Umstellung Sinn. 70 Milionen Euro musste die Post im vergangenen Jahr für Treibstoff berappen, eine Tankfüllung Diesel koste dabei sechsmal soviel wie eine aufgeladene Elektroauto-Batterie. ”

    Na dann rechnen wir mal: 130 Kilometer fährt ein Elektroauto. Das nehmen wir mal sechs und kommen auf 780 Kilometer. Moderne Dieselfahrzeuge schaffen durchaus auch größere Reichweiten mit einer Tankfüllung.

    Also ist entweder die französische Post zu doof zum Rechnen, viele Leute zu doof, so daß sie es glauben oder es ist wieder mal ein toller Beweis, wie Ideologie das Hirn vernebelt.

    Zitat:
    “Dazu kommt noch die wohlwollende Haltung des Staates. Einen Zuschuss von 3.200 Euro pro Wagen hat Frankreichs Industrieminister Francois Loos in Aussicht gestellt. Denn natürlich schlagen zunächst die hohen Anschaffungskosten zu Buche. Ein Budget von 250 Millionen Euro plant die Post ein, herkömmliche Spritschlucker würde man für die Hälfte bekommen.”

    Aha, der Steuerzahler bezahlt der Post ihr Hobby also mit je €3.200. Also wird jedes Auto erst mal wieder €3.200 teurer, weil Geld schließlich nicht vom Himmel fällt, sondern in den Geldbeuteln der Bürger wächst. Dazu kommen noch einmal €125 Millionen Mehrkosten. Geht man davon aus, daß die Mehrkosten sich auf die geplanten 10.000 Fahrzeuge beziehen, dann bedeutet das, daß jedes Elektromobil €12.500 + €3200 = €15.700 teurer ist, wie ein herkömmlicher Wagen, bei Energiekosten, die gleichauf oder sogar höher liegen (siehe oben).

    Kann mir jetzt bitte noch einmal jemand erklären, wo die Umstellung “auch” finanziell sinnvoll ist? Nein, aha, dachte ich mir.

    Aber wenn man die Leute auf der Straße fragt, werden sie sicher begeistert sein von dieser Idee. Da bin ich mir sicher. Allerdings hätte ich mir von Leute, die sich als “Journalisten” bezeichnen, erwartet, daß sie nachrechnen, bevor sie diese Meldung hier einstellen. Offenbar habe ich zuviel erwartet. Mein Fehler.

    Franz