Eine Bühne für die Weltpolitik – JUNON-Treffen am 21./22.04. in Münster

Eine wachsende Zahl junger Menschen nutzt Planspiele als spielerische und praxisnahe Möglichkeit, die Luft der internationalen Politik zu schnuppern. In über 30 deutschen Städten finden sich regelmäßig Interessierte in UN-Simulationen oder MUNs zusammen, dem „Model United Nations“, um hochaktuelle und brisante Diskussionen zu Nachhaltigkeit, Klimawandel und Globalisierung zu führen. Mit

Fahne.jpgEine wachsende Zahl junger Menschen nutzt Planspiele als spielerische und praxisnahe Möglichkeit, die Luft der internationalen Politik zu schnuppern. In über 30 deutschen Städten finden sich regelmäßig Interessierte in UN-Simulationen oder MUNs zusammen, dem „Model United Nations“, um hochaktuelle und brisante Diskussionen zu Nachhaltigkeit, Klimawandel und Globalisierung zu führen.

Mit zunehmender Begeisterung für interkulturellen Austausch und die Mitwirkung bei globalen Themen schließen sich Schüler und Studenten in Gruppen zusammen und proben große Rollen auf der „Bühne der Weltpolitik.“ Eine Mischung aus Idealismus, rhetorischem Fingerspitzengefühl und einer gehörigen Portion an persönlichem Engagement vereint Nationen in diesen Simulationen.

Einmal selber an den Fäden der Weltpolitik ziehen

Einmal am Tisch des namibischen UN-Botschafters in der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) im New Yorker Hauptgebäude sitzen, einmal auf wackligen Beinen an das Rednerpult laufen und vor 400 anderen Studenten die Interessen eines der ärmsten Länder der Welt vertreten oder einmal selber an den Fäden der Weltpolitik ziehen und internationale Abkommen verabschieden.

Junge Menschen von allen Erdteilen begeistern sich für diese Art des politischen und kulturellen Austausches. Weltweit sprießen die Simulationen aus dem Boden, die Auswahl wird stetig bunter, vielfältiger und ausgefallener. Vorreiter auf diesem Gebiet sind die amerikanischen Universitäten und High Schools. Die größten MUNs finden auch traditionell in New York oder Chicago statt. Doch auch auf anderen Kontinenten steigt das Angebot. China, Pakistan, Ägypten und Japan laden ebenfalls zu ihren Simulationen ein. Die Kooperation weitet sich aus, neue grenzüberschreitende Netzwerke entstehen, die globale Jugend geht aufeinander zu.

Delegiertentreffen des JUNON am 21. und 22. April in Münster

Was auf weltumspannender Ebene möglich ist, sollte auch in Deutschland keine Schwierigkeit bereiten, dachte sich eine Reihe von studentischen Teilnehmern der Potsdamer UNO-Konferenz 2004. In gemeinschaftlicher Initiative starteten sie erst lose eine Mailingliste und gründeten Ende 2006 das Junge UNO-Netzwerk Deutschland (JUNON). Das Netzwerk ist ein Zusammenschluss verschiedener Gruppen junger Menschen, die sich mit der UNO beschäftigen. Schwerpunkte sind die Bereiche Forschung und Lehre, deutsche Jugendpartizipation bei den Vereinten Nationen und die bundesweite Vernetzung der MUN-Initiativen. Dem Aufbau der UN-Generalversammlung nachempfunden, hat jede der heute 27 Mitgliedsgruppen eine Stimme.
Dieses Wochenende, am 21. und 22. April, 2007, verstärkt JUNON beim Delegiertentreffen im westfälischen Münster die Zusammenarbeit. „Die Gruppen haben gemerkt, dass es noch ganz viele andere Gruppen gibt, die das Interesse teilen“, beschreibt Christian Stock, der JUNON-Sprecher, die Gründungsinitiative. Nun soll es darum gehen, die Ideen in konkrete Arbeitsgemeinschaften umzusetzen.

Ob in München, Freiburg, Hannover, Erfurt, Kiel oder Trier, in vielen Städten formen sich Gruppen, sammeln an Erfahrung und verankern ihre Ideen an den Schulen und Universitäten. Doch nicht alle Universitäten unterstützen die Arbeit der Studenten. Häufig fehlt es den Gruppen an finanzieller Unterstützung, um die Vorbereitung für die großen Simulationen zu organisieren oder die Anreise zu bezahlen. Oft fehlt es von universitärer Seite an Rückhalt aus den Fachbereichen, um Dozenten einzuladen oder die Veranstaltung in das Seminarangebot einzugliedern. In den meisten Fällen ist die Teilnahme an den Simulationen freiwillige Zusatzarbeit. Studenten und Universitäten stehen in dem Konflikt, dass sie die eigenen Ansprüche einer internationalen Ausrichtung nicht mit den Angeboten der Institute vereinbaren können. Für Zusatzangebote existieren kaum finanzielle Mittel. So betont auch der JUNON-Sprecher, es sei gerade diese Verbindung von internationalem Austausch, der Diskussion von aktuellen politischen Themen und der Möglichkeit über den Tellerrand der nationalen Politik hinaus zu blicken, welches die MUN-Erfahrung für Studenten und Schüler so wertvoll mache.

Lernen, wie Konflikte der Gegenwart gelöst werden können

Die Quelle für so viel Einsatz versteht wohl jeder, der einmal in die Rolle eines Diplomaten geschlüpft ist. Begeistert ist auch Patrick Schrodt, Student der Angewandten Geographie an der Universität Trier. „Die UN-Simulation bietet mir die einmalige Gelegenheit, Einblicke in die Weltpolitik zu bekommen und tief greifend zu verstehen, wie Konflikte der Gegenwart gelöst werden können. Durch die Simulation kann ich meine eigenen Kenntnisse einbringen und Teil der Weltpolitik sein.“

Es ist eine Faszination der Internationalität und der Multikulturalität, denn die Vereinten Nationen sind in der Rolle als globaler Akteur von völkerrechtlicher Bedeutung. Seit der Gründung 1945 haben sich die Aufgabenfelder weit ausgedehnt. Die Sicherung des Weltfriedens, die Einhaltung des Völkerrechts, der Schutz der Menschenrechte und die Förderung der internationalen Zusammenarbeit zählen zu ihren wichtigsten Aufgaben. In einer aktuellen Debatte richtet der UN-Sicherheitsrat die Aufmerksamkeit erstmals auf den Klimawandel. Themen, die auch im Rahmen der UN-Simulationen von den Jungedelegierten kontrovers diskutiert werden. Neben den großen Organen der Vereinten Nationen, wie dem Sicherheitsrat, der Generalversammlung, oder dem Wirtschafts- und Sozialrat, vertreten die Delegierten ihr Land auch in kleineren Gremien wie der Kommission für Nachhaltige Entwicklung oder der Kommission für Menschenrechte.

1.500 junge Leute aus 43 Ländern diskutierten im März in Genf

Ende März fand in der UN-Stadt Genf eine der größten Simulationen statt, das Harvard World Model United Nations, kurz WorldMUN. Das wohl bunteste MUN der Welt. 172 Universitäten aus 43 Ländern waren vertreten. Insgesamt 1651 Delegierte aus der ganzen Welt repräsentierten den kulturellen Mix der Weltgemeinschaft. Auch für Andreas Winkler aus Münster war die Simulation ein lehrreiches Ereignis. „Mit 1.500 jungen Leuten aus der ganzen Welt eine Woche zu diskutieren, zu arbeiten und natürlich zu feiern – das ist einfach fantastisch! Ich habe es als echtes Privileg empfunden, als Vertreter der kanadischen Delegation bei WorldMUN teilzunehmen. Man lernt viel über internationale Politik, wird selbstbewusster und redegewandter. Und ganz nebenbei verbessert man sein Englisch!“

„Manche sehen es nur als Rollenspiel, oder als Schauspiel“ bemerkt Khalid Yasin, der Generalsekretär des diesjährigen WorldMUN. „Aber der Wert ist ein ganz anderer.“ Der 22-jährige Amerikaner studiert an der renommierten Harvard Universität. Seit 16 Jahren organisiert seine Lehranstalt in Zusammenarbeit mit Universitäten weltweit das WorldMUN. Nach Edinburgh 2005 und Peking 2006 zog die Simulation in diesem Jahr nach Genf. Die Einmaligkeit der MUNs liegt für ihn in der Chance jungen Menschen dabei zu helfen, die Welt in der wir leben besser zu verstehen und sich darauf vorzubereiten diese Welt zu verbessern. Frühstück mit einem Griechen, Diskussionen über Menschenrechte mit einem Inder, Mittagessen mit einer Australierin, Abendbrot mit Chinesen und lange Nächte mit Venezolanern, „gelernt wird bei WorldMUN innerhalb und außerhalb der Komitees.“

Wie Christian Stock strebt auch Khalid Yasin eine internationale Laufbahn an. Der Sohn einer Amerikanerin und eines Arztes aus Bangladesh beendet diesen Sommer sein Studium. Direkt im Anschluss reist er für ein Jahr in die Heimat seines Vaters. Dort will er in einer Entwicklungsbank arbeiten, die sich mit der Vergabe von Mikrokrediten beschäftigt. Er möchte seine Möglichkeiten nutzen und sich für mehr Gerechtigkeit in der Welt einsetzen. Es ist die Jugend von heute und es sind gleichzeitig die Führer von morgen, die auf dieser Bühne die globale Zusammenarbeit in die Tat umsetzen.

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