Mit der “Polarstern” im Atlantik unterwegs: Messungen zum Klima und zur Atmosphäre – Erster Wochenbericht

Der Atlantik- Expeditionsteilnehmer Prof. Dr. Andreas Macke (Leiter der wissenschaftlichen Mission) vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften wird für die Readers Edition in den kommenden Wochen vom Forschungsschiff „Polarstern“ berichten. Sein erster Wochenbericht (12.-19. April) informiert uns über die Aufgaben der Crew. Mit dem Schiff sind am 12.04.2007 von Kapstadt/Südafrika aus nach

2004_PSBouvetIsland_AWI.jpgDer Atlantik- Expeditionsteilnehmer Prof. Dr. Andreas Macke (Leiter der wissenschaftlichen Mission) vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften wird für die Readers Edition in den kommenden Wochen vom Forschungsschiff „Polarstern“ berichten. Sein erster Wochenbericht (12.-19. April) informiert uns über die Aufgaben der Crew.

Mit dem Schiff sind am 12.04.2007 von Kapstadt/Südafrika aus nach Bremerhaven einige Wissenschaftler aufgebrochen, um im Atlantik zahlreiche Messungen, die Atmosphäre und das Klima betreffend, durchzuführen. Die Expedition verläuft im Rahmen eines lang geplanten Projektes zum Polarjahr 2007/08. Die Menschen hinter dem deutschen Expeditions-Beitrag zum Polarjahr, unter anderem das Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven, sind sehr daran interessiert deutlich zu machen, dass nicht nur auf den Polarstern-Fahrten im Eis Interessantes geforscht wird, sondern auch bei den Fahrten durch den Atlantik.

Erster Wochenbericht von ANT-23-10 (12. – 19. April):

Wir sind ein kleines Wissenschaftlerteam und nutzen die Heimfahrt der Polarstern von Kapstadt nach Bremerhaven zur Messung der Zusammensetzung der Atmosphäre und des Strahlungshaushaltes an der Meeresoberfläche in mittleren, subtropischen und tropischen Klimazonen.

“Wir”, das sind Samuel Morin vom Laboratoire de Glaciologie et Géophysique de l’Environnement bei Grenoble, Alexei Sinitsyn vom P. Shirshov Institute of Oceanology in Moskau sowie John Kalisch, Andreas Wassmann und ich vom Kieler Leibnitz-Institut für Meereswissenschaften IFM-GEOMAR. Die Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes (DWD) helfen uns bei zusätzlichen Radiosondenaufstiegen, die wir zur Validation unseres Radiometers und zur Validation von Satelliten getragener Atmosphärenprofilierung an Bord des neuen europäischen Wettersatelliten MetOp benötigen.

Unsere Messinstrumente sind bereits im Februar via Frachtcontainer von Bremerhaven nach Kapstadt transportiert worden und warten auf dem Helikopterdeck der Polarstern auf ihren Einsatz. Während unser russischer und unser französischer Kollege ruhig und geübt ihre Strahlungs- und Luftchemiemessinstrumente aufbauen, stürzen wir Kieler uns auf das neue Mikrowellenradiometer, mit dem wir sekündlich die Temperatur- und Feuchteverteilung in der Atmosphäre bis 10 km Höhe sowie die Gesamtmenge an Wolkenwasser messen wollten. Erstmalig wird solch ein Instrument auf einer längeren Schiffsexpedition eingesetzt.

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Wir schaffen es gerade noch, während des Auslaufens im Hafenbecken eine Kalibrierung des Mikrowellenradiometers durchzuführen. Allerdings stürzte das Datenerfassungsprogramm prompt ab. Eine Woche Fehlersuche und 150 Liter flüssigen Stickstoff später war das technische Problem auch dank der hervorragenden Unterstützung der Herstellerfirma gelöst.

Die luftchemischen Messungen laufen ohne Probleme. Eine Turbopumpe saugt stündlich einen Kubikmeter Umgebungsluft in ein Filtersystem, das die eingesaugten Aerosolpartikel in unterschiedliche Größenklassen aufteilt. Die Filterproben werden später auf kleinste Nitratpartikel und deren isotopische Zusammensetzung untersucht. Mit einem weiteren Gerät wird das bodennahe Ozon gemessen. Allerdings beeinflussen bei zu starkem Rückenwind die Abgasfahne des Schiffes sowie die Malerarbeiten an Bord die Messungen etwas. Dank der meteorologischen Daten an Bord wissen wir aber stets woher der Wind weht.

John Kalisch hat seine Wolkenkamera aufgebaut, die alle 15 Sekunden eine Aufnahme des gesamten Himmels macht. Gleich am Freitag, dem 13. April hat er einen sagenhaft schönen Tagesfilm erstellt, der eindrucksvoll den 22-Grad Halo bei Cirrusbewölkung einfängt. Am 14. April um 14:00 Uhr UTC gibt die Wolkenkamera den Geist auf. Mit Unterstützung des Polarstern-Zimmermanns wird unsere Ersatzkamera in das wetterfeste Gehäuse eingebaut und es kann weitergehen.

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Mit Hilfe eines handbetriebenen Sonnenphotometers wird durch manuelles Anpeilen der Sonne die optische Dicke der Atmosphäre gemessen. Im unbewölkten Himmel ist dies ein Maß für den Aerosolgehalt der Atmosphäre. Erst erwarten uns die vom Südostpassat angeströmten Partikel aus Zentralafrika, dann die Saharastaubwolken via Nordostpassat und schließlich die Industrieemissionen Europas.

Zum Leben an Bord: Am Samstagabend gibt es großes Grillen für alle auf dem Arbeitsdeck. Die Vortragserie an Bord beginnt am Montagabend mit einem Übersichtsvortrag des Fahrtleiters über die Ziele und Hintergründe der wissenschaftlichen Arbeiten auf dieser Fahrt. Spannender wird es am Donnerstag mit dem Vortrag “Suche nach Leben im Universum” von Gerhard Haerendel. Morgen um 11:00 Uhr ist Äquatortaufe. War eigentlich nicht vorgesehen, aber meine bereits getauften Kollegen haben sich sehr dafür eingesetzt und Kapitän und Mannschaft haben nachgegeben.

Soweit von Polarstern in gefährlicher Nähe zum Äquator.

Viele Grüße in Namen aller an Bord,

Andreas Macke

Die weiteren Wochenberichte finden Sie hier:

Zweiter Wochenbericht

Dritter Wochenbericht 

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