
Vor 70 Jahren, am 26. April 1937 zerstörten deutsche und italienische Luftwaffenverbände mit einem Terrorangriff die baskische Stadt. »Der Überfall auf Guernica ist ohne Beispiel in der Militärgeschichte. Guernica war kein militärisches Objekt. Die Stadt lag weit hinter der Front. Der Zweck des Bombardements war anscheinend die Demoralisierung der Zivilbevölkerung und die Vernichtung der Wiege des baskischen Volkes.« (TIMES, 28.4.1937)
Picassos »Guernica« ist das berühmteste Gemälde der Moderne. Gijs van Hensbergen erzählt die Geschichte dieser Ikone des 20. Jahrhunderts, indem er die außerordentliche Entstehungs- und Wirkungsgeschichte »Guernicas« mit der dramatischen Lebensgeschichte Pablo Picassos verbindet.
»Guernica« wurde zum Inbegriff des Antikriegsbilds, das seine Faszination und seine politische Symbolkraft bis auf den heutigen Tag nicht verloren hat. In Spanien avancierte es zu einem Wahrzeichen der nationalen Versöhnung, die Basken dagegen sehen darin ein Symbol nationaler Identität, und für die Vereinten Nationen ist es ein Sinnbild für das Gewissen der Welt.
Der Stabschef der »Legion Condor«, Wolfram von Richthofen, nach heutigen Maßstäben zumindest ein Kriegsverbrecher, hielt über Montag, den 26. April 1937 militärisch knapp in seinem Kriegstagebuch fest: »Guernica, Stadt von 5000 Einwohnern buchstäblich dem Erdboden gleichgemacht. Bombenlöcher auf Straßen noch zu sehen, einfach toll.«
“Den Widerschein des Feuers konnte man in den Rauchwolken über den Bergen schon zehn Meilen vor der Stadt sehen.”
Zwei Tage nach dem verheerenden Bombardement deutscher und Italienischer Kampfverbände schrieb der Kriegsberichterstatter George L. Steer in der Londoner “Times«: »Die Taktik der Angreifer war ganz klar: zuerst schwere Bomben und Handgranaten, um die Bevölkerung zu sinnlosen Fluchtversuchen zu veranlassen, dann Maschinengewehrfeuer, um sie in unterirdische Verstecke zu treiben und dann schließlich Zerstörung dieser Unterstände mit schweren Feuerbomben.« »Um zwei Uhr morgens, als ich die Stadt erreichte«, so Steer, »war sie schrecklich anzusehen, sie stand von einem Ende bis zum anderen in Flammen. Den Widerschein des Feuers konnte man in den Rauchwolken über den Bergen schon zehn Meilen vor der Stadt sehen. Die ganze Nacht hindurch stürzten Häuser ein, bis von den Straßen nur noch große Haufen undurchdringlichen rotglühenden Schutts übrig waren.«

Nach Angaben der baskischen Regierung wurden 1654 Einwohner getötet, 889 verwundet. Picasso hatte zuvor von der Spanischen Republik den Auftrag erhalten, ein Werk für den spanischen Pavillon auf der Weltausstellung 1937 in Paris zu schaffen. Tief erschüttert von der Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch das Flächenbombardement der deutschen Legion Condor, hatte der Künstler sein Thema gefunden.
Rasch geriet das Werk in die politischen Turbulenzen seiner Zeit, die Gijs van Hensbergen eindrucksvoll schildert – vom Spanischen Bürgerkrieg bis hin zum »Exil« des Bildes im New Yorker Museum of Modern Art und seiner endgültigen Rückkehr nach Spanien im Jahr 1981. Erstmals erfährt der Leser zudem, wie mit dem Werk des bekennenden Kommunisten Picasso in den USA der McCarthy-Ära und im faschistischen Spanien umgegangen wurde, das seinen berühmtesten Sohn lange Zeit totschwieg.
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Gijs van Hensbergen
Guernica
Biographie eines Bildes
Originaltitel: Guernica. The Biography of a Twentieth-Century Icon
Aus dem Englischen von Nikolaus G. Schneider
Siedler Verlag
Gebundenes Buch, 416 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen
Schutzumschlag als Poster ausklappbar
ISBN: 978-3-88680-866-3
€ 24,95
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