Der General des FC Porto heißt Jorge Nuno Pinto da Costa. Er ist seit nunmehr 25 Jahren Präsident des portugiesischen Erfolgsklubs. Kein anderer hat sich bisher so lange am Steuer gehalten.
Vom Fan zum Clubleiter
Pinto da Costa war ein ganz normaler Fan. Im Alter von gerade einmal acht Jahren besuchte er zum ersten Mal das Spiel des FC Porto gegen SC Braga, dass auf dem alten, schon lange nicht mehr existierenden, “Campo da Constituição“, stattfand. Dieses, für den jungen Nuno kostspielige Hobby, wurde ihm von seinem Onkel Armando Pinto gewährt, der zu dieser Zeit gerade Gemeindepräsident von Famalicão war. Seine Passion führte er geradezu wie eine Religion Woche für Woche weiter, bis er im Alter von 16 Jahren als FC Porto Mitglied registiert wurde – von seiner Großmutter.
Vorallem die Modalitäten des Fussballs und des Rollhockeys interessieren ihn
Im Alter von 20 Jahren wurde er vom Leiter der Rollhockeyabteilung zum Beobachter dieses Sports ernannt. Mit 27 wurde er auch zum Leiter der Boxabteilung. Dort lernte er seinen späteren Allzeitbegleiter Reinaldo Teles kennen, der zu dieser Zeit noch als professioneller Boxer beim FC Porto agierte. Diese Tätigkeiten übte er bis zum Jahr 1976 aus. Dann zeigte er sich zum ersten Mal in der Fußballabteilung.
So fing die professionelle Karriere des Pinto da Costa beim FC Porto an.
Eine Karriere voller Hindernisse
Obwohl sich Porto unter seinem Kommando nach 19 Jahren in der Saison 1977/78 wieder Meister nennen knnte, gibt es klubintern Probleme. Nach dem Meisterschaftsgewinn fielen weitere Erfolge aus und Pinto da Costa verließ den Club mit einem seiner ewigen Begleiter, Jose Pedroto.
Im Jahre 1981 stand es immer noch schlecht um dem FC Porto. Ein Wechsel musste her. Eine Gruppe von Clubmitgliedern forderte Pinto da Costa auf, sich als Präsident des Clubs zu bewerben. Er nahm an und gewann tatsächlich die Wahlen.
Am 17. April 1982 wird er offiziell zum neuen Präsident des FC Portos ernannt
Bei seiner ersten Rede versprach er zwei Dinge, die nach damaliger Sicht und dem Status des FC Porto unmöglich waren:
- Die Renovierung des “Antas”-Stadions
- Die Teilnahme an einem europäischem Finale
Doch dies tat er – und wie er es tat. Wie Engländer zu sagen pflegen:
“It does exactly what it says on the tin.” Er brachte dem FC Porto nicht nur ein europäisches Finale, nein, er gewann es auch noch – gegen die mythischen Bayern im historischen Finale von Wien 1987. Von den sechs erreichten europäischen Finalspielen gewann Porto fünf. Und es blieb nicht dabei. Die Trophäen, die dieser Mann als Kopf des FC Portos reinbrachte, sind unerreicht:
- Champions League: 2
- Europäischer Supercup: 1
- Weltpokal: 2
- Uefa Pokal: 1
- Portugiesischer Pokal: 8
- Portugiesische Meisterschaft: 14
- Portugiesischer Supercup: 14
Auch der Bau des neuen Drachenstadions zur EM 2004 in Portugal, von vielen als das schönste Stadion Portugals gehandelt, wird in großen Teilen ihm zugerechnet.
Intensive Nachwuchsarbeit
Pinto da Costa hat einen ausgeprägten Sinn für junge Spieler und Trainer: Der heute weltweit bekannte Trainer Mourinho wurde von Pinto da Costa zu Porto geholt, nachdem er bei Benfica Lissabon gescheitert war. Auch kauft sich Porto unter seiner Führung keine teuren Spieler ein, sondern setzt in den meisten Fällen auf den Nachwuchs.
In seiner Amtszeit verließen auch die verschiedensten Spieler den Verrein für Millionensummen. Rekordverdächtig war der Transfer des Verteidigers Ricardo Carvalho zum FC Chelsea für 30 Millionen Euro und des “Magiers” Deco zu Barcelona für rund 20 Millionen (Porto bekam zudem noch Ricardo Quaresma).
Involvierung im Skandal “Apito Dourado”
2004 wurde die Operation “Apito Dourado” (Goldener Anpfiff) gestartet, um illegale Einflüsse und Bestechungen im portugiesischem Fussball aufzuklären. Carolina Salgado, die ehemalige Lebensgefährtin von Pinto da Costa, wirft ihm in ihrer Autobiografie “Eu, Carolina” (Ich, Carolina) vor, Manipulierung wichtiger Spiele durch Bestechung von Schiedsrichtern betätigt zu haben.
Eine Stellungnahme von Pinto da Costa steht noch aus. Laut seiner Aussage, will er nur vor Gericht dazu Stellung nehmen. Beweise dafür gab es allerdings noch keine.
Die letzte Amtszeit
Pinto da Costa hat sich letzte Woche nach eigener Aussage zum letzten Mal als Präsident des FC Portos angeboten. Nach 25 Jahren als Präsident und den höchswahrscheinlichen weiteren drei Jahren hat er anscheinend erstmal genug vom Fussball – und von Portugal. Naja, die Ruhe hat er sich wohl verdient. Übrigens sage ich “höchstwahrscheinlich”, weil sich noch niemand als Präsident beworben hat. Wer ist denn verrückt genug, um jemanden, der unter Portos Anhängern den Rang eines Gottes einnimmt, herauszufordern?
Laut eigener Aussage will er sich absetzen und Portugal nach der Erfüllung seiner Amtszeit verlassen. Die Frage ist nun: Wer traut sich nach seiner Abdankung in diese riesigen Fusstapfen zu treten?
Pinto da Costa steht unter Beschuss…
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