Macht die Wehrpflicht noch Sinn ?

Dieses Jahr kann (West-) Deutschland auf 50 Jahre Wehrpflicht zurückblicken. Damals, 1957, galt der Einzug der ersten Rekruten als ein sehr unpoplulärer Schritt, da der Zweite Weltkrieg noch viel zu frisch in Erinnerung war. SPD und Gewerkschaften demonstrierten dagegen. Viele Deutsche stimmten dem Zitat von Franz-Josef Strauß, später Verteidigungsminister und

bundDieses Jahr kann (West-) Deutschland auf 50 Jahre Wehrpflicht zurückblicken. Damals, 1957, galt der Einzug der ersten Rekruten als ein sehr unpoplulärer Schritt, da der Zweite Weltkrieg noch viel zu frisch in Erinnerung war. SPD und Gewerkschaften demonstrierten dagegen. Viele Deutsche stimmten dem Zitat von Franz-Josef Strauß, später Verteidigungsminister und ein späterer Befürworter der Wehrpflicht, zu “(…) dem Deutschen, der noch einmal eine Waffe zur Hand nimmt, möge die Hand abfaulen”.

Die Zahl der Verweigerer stieg schnell an

Die ersten Deutschen, die zwangsweise eingezogen wurden, waren die nach dem 1.Juli 1937 geborenen Männer. Die Alternative “Zivildienst” wurde erst nach 1961 richtig geregelt. Ab Ende der 60er Jahre, mit der Debatte um die moralische Fragwürdigkeit des Vietnamkrieges, die Zweifel an der moralischen Überlegenheit des Westens aufkommen liess, stieg die Zahl der Verweigerer stark an.

Einen weiteren Zuwachs an Zivildienstleistenden brachte der Amtsantritt Michail Gorbatschows 1985. Inzwischen war auch die Gewissensprüfung für Kriegsdienstverweigerer vereinfacht worden. Mehr und mehr wurde anerkannt. Mit der Wiedervereinigung wurde in den “Zwei-plus-Vier-Verträgen” durch die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges die Höchststärke der Bundeswehr auf 370.000 Mann festgelegt. Nach der Planung für 2010 soll die Stärke der Bundeswehr auf 250.000 Männer und Frauen reduziert werden.

Zum Vergleich: Die Türkei hat, bei 72 Milionen Einwohnern, mehr als eine Million Soldaten. Israel mit nur sieben Millionen Einwohnern, davon fünf Millionen Juden – israelische Araber sind nicht wehrpflichtig – hat 160.000 Soldaten und Soldatinnen.

Viele Länder haben die Wehrpflicht schon abgeschafft

Heutzutage verweigern mehr als 90 Prozent aller Gymnasiasten den Dienst an der Waffe. 40 Prozent aller Wehrpflichtigen, 80 Prozent der Unteroffiziere und 60 Prozent der Offiziersanwärter kommen aus den neuen Bundesländern.

Die meisten westeuropäischen und NATO-Länder haben die Wehrpflicht abgeschafft: Spanien, Portugal, England, Irland, Italien, Frankreich, Belgien, Holland, Tschechien, Slowenien, auch die USA und Kanada. Nur zwei große NATO-Länder halten (noch) an der Wehrpflicht fest: Die Türkei und Deutschland.

Junge Männer verlieren ein wertvolles Jahr

Dadurch, dass ein ganzer Jahrgang junger Männer ein Jahr – ein verlorenes Jahr – später ins Berufsleben eintritt, entstehen große volkswirtschaftliche Kosten. Darüber hinaus ist die Wehrgerechtigkeit nicht mehr gegeben: Die Bundeswehr braucht viel weniger Rekruten, als ein Jahrgang umfasst. Und junge Ausländer können mit ihrem Einbürgerungsantrag warten, bis sie nicht mehr im wehrpflichtigen Alter sind.

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  1. Wer den Wehrdienst geniessen konnte wird sich kaum vorstellen können, dass damit der angegebenen Zweck, Kontrolle der Bundeswehr, erfüllt werden aknn. Gerade in Zeiten, in denen von einigen Gewaltfans sich selbst steigernde und sich selbst begründende Kampfszenarien im Ausland aber auch im Inland initiert werden, müssen sich demokratische Kräfte ernsthaft Gedanken machen, wie diese entfesselten Geister zu bändigen sind.