Die Ausschreitungen des vergangenen Wochenendes in Estland schockierten die Welt. Die schweren Krawalle eroberten die Schlagzeilen der Weltpresse. Von der Tagesschau (Video) bis zu den großen Printmedien nahm man sich der unerwartetet heftigen Auseinandersetzungen an.
Renommierte Medien über die Vorgänge in Tallinn
- “Moskauer Parlamentsausschuss fordert Rücktritt der estnischen Regierung” (Süddeutsche Zeitung)
- “Estland: Ein Toter bei Krawallen um Kriegerdenkmal” (ZEIT)
- “Krawalle in Estland dauern an” (FAZ)
- “Erneute Straßenschlacht vor sowjetischem Weltkriegs-Denkmal” (spiegel-online)
- “Moskau nimmt EU beim Estland-Streit in die Pflicht” (Volksstimme)
- “Estonia and the Bear. Riots in Estonia show the Kremlin can still stir the Baltic pot” (Wall Street Journal)
- “Don’t let Russia bully the Baltics” (The Independent)
Um nur einige der klassischen Medien zu zitieren.
Ein Blick auf die Blogosphäre zeigt, wie sorgfältig und detailliert auch hier mittlerweile berichtet wird
Ein früher Bericht aus Tallinn, der zunächst auf indymedia zu lesen ist, lässt noch nicht die Schwere der kommenden Ausschreitungen erahnen. Derselbe Autor versteht es auf seinem Blog, in einem längeren Fazit sehr kenntnisreich die Vorgänge zu analysieren. Hier wird unter anderem eine sehr wichtige Frage angesprochen:
“Die Explosion war nötig, um zu zeigen, dass die Geduld der russischsprachigen Minderheit am Ende ist. Akte des zivilen Ungehorsams sind nötig und eine starke Demokratie überlegt sich, was im Staat falsch läuft, dass die Leute auf die Strasse gehen und keine Strafe fürchten, keine Entlassung (auch schon passiert) und evtl. Verlust der Gesundheit und sogar eigenen Lebens (es gab einen Toten). Viele fragen sich, was die marodierenden Banden mit dem Bronzenen Soldaten zu tun haben. Nun, inzwischen wurde festgestellt, dass ein Drittel der Marodeure Esten sind, so dass selbst der estnische Präsident Ilves in seiner Rede gesagt hat, dass Marodieren nicht abhängig von der Nationalität ist.”
Letztlich wird ein sehr pessimistisches Bild der Lage in Estland gezeichnet, denn der Beitrag schließt mit den Worten:
“Vielleicht hätte die EU sich nicht um die Nase führen sollen und genauer auf die Nationalitätenprobleme in den Beitrittsstaaten schauen. Die Beziehungen zwischen Russen und Esten kurzfristig zu kitten, dürfte sich als unmöglich erweisen.”
Etwas heruntergescrollt kommt man hier übrigens auch in den Genuss einiger lesenswerter Artikel der russischsprachigen Community Estlands. Ein nicht zu unterschätzender Beitrag zum Verständnis der komplizierten ethnischen Gemengelage Estlands.
Eine ähnlich gute Zusammenfassung der Ereignisse findet sich auf estland.blogspot.com Hier wird auf die erstaunlich gut informierte und ausgewogen berichtende deutsche Presse verwiesen und außerdem auf den Hintergrund des “zweitrangigen Streits” um das Soldatendenkmal in die Bemühungen Russlands, sich als eigenständige Weltmacht zu positionieren, verwiesen. Außerdem erfährt man hier, dass der Alkoholverkauf für die Zeit der Unruhen eingestellt wurde.
Weitere ausgewogene und sachliche Kommentare
Diese finden sich zum Beispiel auf www.schonleben.de und rainersblogg.blogspot.com - In letzterem Blog wird auch nachdrücklich darauf verwiesen, dass “knapp zwei Wochen vor den Feierlichkeiten zum Sieg im Grossen Vaterländischen Krieg das Denkmal abzubauen, eine Provokation [sei].”
Ein wenig aus dem Rahmen fallen da schon eher die Gedanken im
zettelsraum-Blog, wo die Reaktionen Russlands “ein wenig an die Art [erinnert], wie Hitler Ende der dreißiger Jahre die ethnischen Konflikte in Polen und der Tschechoslowakei schürte und propagandistisch ausnutzte.”
Nicht zu vernachlässigen sind in diesem Zusammenhang auch die hervorragend ausgestatteten Fotostrecken im Netz:
Photo Quelle/ Copyright: Jens-Olaf, cc creative commons Attribution-NonCommercial 2.0 (via flickr)
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