…zur Präsidentenwahl in Frankreich. “Gemeinsam wird alles möglich”, so verhießen es die Wahlplakate von Nikolas Sarkozy. Seit Sonntag ist es nun amtlich. Nachdem er sich mit 53 Prozent der Stimmen gegen seine Gegnerin Ségolène Royal durchsetzen konnte, übernimmt er am 17. Mai das Amt von Präsident Jaques Chirac. Und bereits im Juli soll das neue Parlament, das im Juni gewählt wird, auf einer Sondersitzung Kernpunkte seines neuen Programms beschließen. Nur kurz nach seiner Wahl, melden sich die ersten Stimmen zu Wort.
Zwischen Hoffnung und Angst
So beschrieb etwa das Schweizer Radio DRS auf seinen Internetseiten Sarkozy als einen starken Mann, der Hoffnung und Angst mache:
“Sarkozy überzeugt viele durch seine zupackende Art und seinen selbstbewussten Einsatz für die nationale Identität. Viele Französinnen und Franzosen halten den ehrgeizigen Politiker aber für einen gefährlichen Populisten. Im Rennen um Frankreichs Präsidentschaft waren Sarkozys Gegner vor allem gegen ihn – und nur in geringerem Masse für seine sozialistische Rivalin Ségolène Royal. Vom bürgerlichen Lager wird Nicolas Sarkozy als Hoffnungsträger für einen Neuanfang nach zwölf Jahren Jacques Chirac gefeiert. Eine Meisterleistung Sarkozys, denn in den letzten fünf Jahren war er die Nummer zwei einer unpopulären Regierung.”
In der NZZ online ist gar von einem “Reformgalopp” Sarkozys zu lesen:
“Sein Wahlsieg (…) erteilte ihm ein klares Mandat für einen Neubeginn in Frankreich, den (er) mit einem raschen Reformgalopp einleiten will.”
Der Tagesspiegel hat jedoch Bedenken und merkt an:
“Ob Sarkozy es tatsächlich schafft, Frankreich so zu entriegeln, dass es sein Talent und seine Wirtschaftskraft wieder freier entfalten kann, wird man sehen. In Europa wird Sarkozy sicher kein leichter Partner werden, schließlich hat er als Minister gezeigt, dass er seine liberalen Ansichten zuweilen auch hintanstellt, wenn es gilt, auf alte französische Art nationale Industriepolitik zu betreiben und ausländische Konzerne an der Übernahme französischer Champions zu hindern.”
Sarkozys Wahl als Protestabstimmung?
Alexej Arbatow, Leiter des Zentrums für internationale Sicherheit bemerkte gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Novosti, er sehe in der Wahl Sarkozys zu einem großen Teil eine Protestabstimmung gegen den Verlust der Identität Europas, der Identität Frankreichs. Diese prognostiziert auch:
“Die Wahl von Nicolas Sarkozy zum französischen Präsidenten lässt europäische Politiker nach Ansicht von Experten auf eine baldige Beendigung der institutionellen Krise in der Europäischen Union (EU) hoffen. Zugleich wird der neue französische Staatschef die Interessen seines Landes ‚beharrlich verteidigen’ und den Prozess der europäischen Integration erschweren.”
Die New York Times gibt dem Hardliner Folgendes mit auf den Weg.
“Um erfolgreich zu sein wird Sarkozy seine eigene Ungeduld und seinen zerstörerischen Hang zu spaltender Rhetorik stark unter Kontrolle halten müssen.”
Radio Vatikan dagegen findet gerade in religiösen Fragen lobende Worte für den Staatsmann:
“Vor allem aber wird die Kirche sich jetzt daran erinnern, dass Sarkozy sich zu seiner Zeit als Innenminister immer zu einer stärkeren Trennung von Staat und Kirche bekannt hat. Der jetzige Präsident war es auch, der durch Druck und Ermutigung die Gründung eines Nationalen Islamrates mit zustandebrachte und dadurch den Islam auch gegenüber den alteingesessenen Religionsgemeinschaften aufwertete.”
Unruhen in den Vorstädten…
Von Politikern in aller Welt freundlich begrüßt, sieht es unter Frankreichs Volk zuweilen ganz anders aus. Gerade die Banlieue hat Sarkozys Beleidigungen nicht vergessen. Dass der neugewählte Präsident während der Unruhen in den Pariser Vorstädten vor anderthalb Jahren als Innenminister gesagt hat, er werde das pöbelnde Pack mit dem Hochdruckreiniger wegfegen, haben viele nicht vergessen. So gab es nach der Wahl-Entscheidung nicht nur eine Siegesfeier von begeisterten Sarkozy-Anhängern, es kam auch zu Zusammenstössen zwischen Demonstranten und der Polizei.
Die die Basler Zeitung wie folgt beschreibt:
“Wie die Polizei am frühen Dienstagmorgen mitteilte, wurden vielerorts erneut Fahrzeuge und Müllcontainer in Brand gesteckt. Zumeist jugendliche Gewalttäter hätten die Sicherheitskräfte mit Steinen und Flaschen angegriffen. Allein in Paris seien mehr als 100 Demonstranten festgenommen worden.”
Doch Sarkozy hielt sich bedeckt. Eine Stellungnahme gab es nicht. Ihn zog es erst einmal nach Malta…
Während also Nikolas Sarkozy auf dem Place de la Concorde noch am Abend des siebten Mai seinen Sieg feierte…
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gab es andernorts die ersten Unruhen…
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(no)
Ségolène la présidente de notre cœur!