Noch einmal davongekommen – Die scharfen Kabarettpfeile des Hagen Rether

Hagen Rether betrat am Montag dieser Woche kurz nach 20 Uhr die Brettl-Bühne im Theaterzelt der Ruhrfestspiele Recklinghausen mit dem lässig geschulterten, schon obligatorisch gewordenen, Baseballschläger – Zeit für sein Programm “Liebe“. Nachdem der Kabarettist mit dem Zopf am Hinterkopf vorm Flügel, auf dem zwei mal zwei Bananen lagen, platzgenommen

startHagen Rether betrat am Montag dieser Woche kurz nach 20 Uhr die Brettl-Bühne im Theaterzelt der Ruhrfestspiele Recklinghausen mit dem lässig geschulterten, schon obligatorisch gewordenen, Baseballschläger – Zeit für sein Programm “Liebe“. Nachdem der Kabarettist mit dem Zopf am Hinterkopf vorm Flügel, auf dem zwei mal zwei Bananen lagen, platzgenommen hatte, drehte er sich samt seines Sessels dem vollbesetzten Zuschauertribünen entgegen und schleuderte ihnen ein mit einem sarkastischem Lächeln garniertes Spitzbübisches “Na, genug gegrillt?” entgegen. Er hätte auch sagen können: Jetzt ist Schluß mit lustig!

Angst machen – Angst nehmen

Der siebte Mai 2007 und der mit diesem Datum verbundene abrupte Wetterwechsel, das jähe Ende des langen trockenen sonnigen Jahrhundert-Vor-Sommers im Frühling bot sich einem Klasse-Kabarettisten, der Hagen Rether ist, freilich eine wie die berühmte Faust aufs Auge passende Steilvorlage für seinen bitterböse daherkommenden Programmpunkt “Klimakatastrophe”! Durch die Zeltwände hörte man das bedrohlich anschwellende Rauschen der von leichten bis mittleren Windböen gebeutelten Büsche und Bäume draußen im Stadtpark rund ums Festpielhaus. Dahinein ertönte der schrille ängstliche? oder warnende? Schrei eines Pfauen. Wie würde es denn hier, fragte der Kabarettist dann nüchtern-kühl ins gut aufgelegte Publikum hinein, bei uns in zehn, zwanzig, dreißig Jahren zugehen? Wenn dann all die Holländer, Hamburger, Kieler etc. zu uns kämen, um sozusagen Asyl bei uns zu nehmen, weil die Klimaerwärmung bei ihnen zu Hause für “Land unter” gesorgt hat. Soviel Camping-Plätze hätte Deutschland ja gar nicht!
Rether hat die eiskalte Lösung: Ab nach Brandenburg, da ist ja genug Platz…
Da bleibt einem das Lachen im Halse stecken. Und draußen vorm Zelt geht das Rauschen bereits in ein nichts Gutes ahnen lassendes Fauchen über. Da ist der Mann mit Zopf, dem Baseballschläger und die vier Bananen vor sich auf dem Flügel, bereits beim Punkte Glaube und Kirche. Die bekommt ordentlich ihr Fett weg. Und erst Recht der vormalige Kardinal Ratzinger und jetzige (“Wir-sind-Papst!”) Benedikt der XVI. – denn daran kommt kein guter Kabarettist vorbei. Wie können wir dem Stellvertreter Gottes auf Erden trauen, wie soll uns dieser Pontifex maximus unser Ängste nehmen – fragt Rether in die Runde – , wenn dieser selbst in seinem Papa-Mobil wie ein Sparkassenangestellter eingeschlossen hinter Panzerglas in einer Art Kassenhäuschen stehend an der Masse der Gläubigen vorbei chauffiert wird? Und der Ratzinger-Papst – erinnert Rether mit teuflisch blitzenden Augen -, dieser nun immer so gutmütig wirkende Mann aus Altötting – wusste und weiß stets sehr genau, was er wo und warum sagt. Auch wenn man uns – wir erinnern uns an seine islamkritische Regensburger Rede – hinterher etwas anderes weismachen wollte. Die Kirche, schleudert Hagen Rether dem Publikum als bittere Wahrheit entgegen, ist überhaupt eine Institution, die schon 2000 Jahre nach folgendem Leitspruch arbeitet: Angst machen – Angst nehmen – Angst machen…

Leise hört man wie ein leichter Regen gegen das Zeltdach trommelt. Wieder schreit der Pfau. Oder die Pfauin? Spitz. Warnend..

Und erst die Frauen! Die sind in dieser Katholischen Kirche immer nur hintendran und nur als Ehrenamtliche höchst willkommen und wohl nur deshalb dort geduldet. Auch das schreibt uns Hagen Rether noch spitz und dick rot unterstrichen ins Stammbuch: Wer nichts gegen diesen andauernden Mißstand unternimmt, soll auch nicht Muslime für Frauenfeindliches schelten und von ihnen Änderung ihres Verhaltens verlangen.
Apropos Angst! Auch der Staat bedient sich mehr und mehr dieses todsicheren Mittels. Rether bringt es auf den Punkt. Wäre uns nicht einiges erspart geblieben, könnten in Afganistan und im Irak nicht tausende Menschen noch am Leben oder unversehrt sein; wäre dieser Bush damals an dieser Bretzel erstickt? Und unvermittelt in die dabei bei seinen Zuhörern womöglich ins rotieren gekommenen Gedanken richtet Rether die scheinbar naive Frage: “Weiß man eigentlich, ob’s im Vatikan Bretzeln gibt?”

Zuviel des Ketzerischen? Der HERR zürnt

Das war wohl dem HERRN nun offenbar doch zu ketzerisch: In der selben Sekunde noch bricht ein Regen los. Ach was: es fallen sintflutartige Sturzbäche über unser temporäres Obdach her. Der Techniker dreht den O-Ton Rether höher. Das Publikum wirft bange Blicke hinauf zum Zeltdach, auf welches Unmengen von Regenwasser prasseln, “hängt” aber Rether weiter gespannt an den Lippen. Es müssen Minuten vergangen sein inzwischen. Der Regen tost unterdessen so laut wie die Niagarawasserfälle. Man blickt ängstlich zum Zeltdach hinauf: Ist es vielleicht irgendwo schon porös? Wird es standhalten? Bricht womöglich gleich die Stromversorgung zusammen? (Beim Betreten des Zeltes hatte ich noch das Ausbrechen eines Brandes während der Vorstellung befürchtet: Ein eingeschalteter Scheinwerfer an der Garderobe war direkt von einem dicken Mantel verdeckt gewesen (Wärmestau!). Ich hatte die junge Garderobiere darauf aufmerksam gemacht. Mürrisch war von ihr schließlich der Apparat vom Mantel befreit worden. Ein Brand war also verhindert)

Doch nun? Und da passiert es: Der Kabarettist lässt seinen Techniker das Bühnenlicht auf Null herunterfahren. Augenblicklich ist es stockdunkel im Chapiteau! “Hören wir einfach nur mal zu”, empfielt Hagen Rether. Außerhalb des Zeltes prasselt literweise Wasser hernieder. Es tost, faucht. Der Pfau schreit nicht mehr. Warum? Ein Sturm beutelt das Zelt. Rether macht Geräusche, fabriziert Töne. Schreckliche. Erinnerungen an diverse Horrorfilme steigen einem im Inneren auf. Doch das hier ist WIRKLICHKEIT! Rether gelingt es, unterstützt von den natürlichen Urgewalten draußen und von der künstlich hergesellten absoluten Finsternis im Inneren des Zeltes, samt dem Durcheinander der furchteinflössende Geräusche, in jedem von uns eine ziemlich echt wirkende Art von apokalyptischer Stimmung hervorzurufen. Er prophezeit mit elektronisch verhallter Stimme: “Wir kommen hier niemals mehr raus!” Und tatsächlich: Man kann sich vorstellen wie das sein könnte. Wenn die Klimakatastrophe in ihre entscheidende Phase eintritt….

Nach fast zwanzig Minuten sintflutartigen Regen ist es vorbei. Das Licht geht wieder an. Auch der Pfau schreit wieder. Zweimal kurz. Ist auch er froh? Das Zelt hat den Urgewalten standgehalten. Es blieb sogar dicht…

Schlechte Zeiten sind gute Zeiten fürs Kabarett

Nur sind wir Deutschen eigentlich noch ganz dicht? Warum lassen wir uns eigentlich von derart unfähigen Politikern ohne jegliche Kompetenz verwalten – regieren kann man es ja nicht nennen – wie es gegenwärtig der Fall ist?

Man muss es sich nach dem Besuch von Hagen Rethers ausgezeichnetem Kabarettprogramm wirklich fragen. Wir leben in grottenschlechten Zeiten. Vorläufer für noch viel Schlimmere vielleicht. Zu befürchten ist es. Haben wir es (noch) in der Hand, das zu ändern?
Schlechte Zeiten sind immer gute Zeiten für die Kabaretts. Die sind voll. Die Kirchenbänke dagegen leer. Mancherorts werden Kirchen bereist schon verkauft…

Auch wenn es viele jetzt noch gar nicht merken. Die schlechten Zeiten, meine ich. Zu weit ist die massemediale Verdummung durch Christiansen, Bild-Zeitung, Stern, Spiegel u.s.w. eben schon gesunken – die beiden letzteren Magazine mit ihren diversen Angst-Mache-Titelbildern liegen auf Rethers Flügel und werden nach und nach besprochen und landen dann schließlich gestapelt auf dem Boden. Auch die neueste via Karstadt beworbene CD des Ex-Bochumer Knödlers Herbert Grönemeyer findet dort entsorgt ihren Platz. Zu dümmlich-infantil ist einfach der auf dem Cover abgedruckte Songtext Grönemeyers, welchen Hagen Rether vorliest.
Man glaubt es nicht! Aber es ist die bittere Realität. Die Grinsebacken, Großverdiener und mit dem Leid und Elend anderer Quote machenden wie geklont wirkenden Medientypen wie etwa Beckmann, Johannes Baptist Kerner oder wie sie sonst noch alle heißen mögen – sie vermüllen uns mehr und mehr medial. Immer wieder werden neue Säue durchs mediale Dorf getrieben. Freilich sind dabei nie die Themen dabei, die wirklich grundlegend wichtig wären und besprochen gehörten. Vieles ist nur noch Ablenkung, Verblendung, Verschweigen, Dummhalten…

Hagen Rether kommt aus Essen. Er sieht auf seine Stadt und fragt: Das ist Essen? Wie sieht dann erst Kotzen aus?

Kotzen möchte man dieser Tage immer öfters in dieser so beschissenen Zeit.

Rether macht Wut, Mut, gibt Kraft, befreit

Hagen Rether macht sie nicht Erträglicher. Doch er tut, was viele in unserer Gesellschaft nicht mehr tun: Er bringt die schreienden Mißstände und fürchterlichen, sich täglich immer weiter mehrenden, Unzulänglichkeiten unserer Zeit ohne Rücksicht auf Verluste auf den Punkt, schiesst seine blitzgescheiten Pfeile handwerklich geschickt geschnitzt und komplettiert mit den schärfsten kabarettistischen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen mit skalpellscharfen Spitzen versehen in Richtung seines Publikums ab. In deren Herzen und Hirnen treffen sie Millimeter genau die richtigen Stellen.

Das macht Wut. Das macht Mut. Das gibt Kraft. Das befreit. Für den Moment jedenfalls. Zumindest von der Vorstellung, wir alle könnten im morastigen, bereits knietiefen Sumpf der politisch-medialen Verdummung schon so hoffungslos feststecken, dass man zuweilen meint, ein Herauskommen daraus sei schon nicht mehr möglich.

Wir sind jedenfalls noch einmal herausgekommen. Aus dem Zelt in Recklinghausen zumindest. Zweimal sogar. Einmal in der Pause. Und dann endgültig zum Schluß. Schade eigentlich. Rether hätte man noch Stunden hören können. Nach dem Motto: Rether hören und… – Nein dafür ist es dann noch zu früh. Man will ja wissen wie es weitergeht, oder?

Hagen Rether, der Mann mit dem Zopf, dem Baseballschläger auf der Schulter und der an die SA erinnernde über den Oberarm gestreiften Arbeitsamtarmbinde, hat uns nur Angst gemacht. Manchmal muss das sein. Nur nicht so wie Innenminister Schäuble das tut. Auch der macht uns Angst. Terrorangst. Nur, da darf man “sicher” sein, verfolgt der damit ganz bestimmt andere Ziele wie Hagen Rether, oder leidet einfach an Verfolgungswahn…

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  1. (,,,)….Hagen Rether macht sie nicht Erträglicher. Doch er tut, was viele in unserer Gesellschaft nicht mehr tun: Er bringt die schreienden Mißstände und fürchterlichen, sich täglich immer weiter mehrenden, Unzulänglichkeiten unserer Zeit ohne Rücksicht auf Verluste auf den Punkt, schiesst seine blitzgescheiten Pfeile handwerklich geschickt geschnitzt und komplettiert mit den schärfsten kabarettistischen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen mit skalpellscharfen Spitzen versehen in Richtung seines Publikums ab. In deren Herzen und Hirnen treffen sie Millimeter genau die richtigen Stellen…..(,,,)

    So weit ist es mit uns schon gekommen. Ein mittelmäßiger Dummschwätzer (Comedian), mit einem Wortschatz von 150 Vokabeln, einem Programm das sich in drei Themen erschöpft (Herbert Grönemeyer, Papst & G.W. Bush) , zieht nun mehr seit 3 Jahren damit durchs Land und der Pöbel jubelt ihm zu.
    Was kommt denn als nächstes?
    M. Barth, M. Riechling, So weit ist es mit uns schon gekommen. Ein mittelmäßiger Dummschwätzer (Comedian), mit einem Wortschatz von 150 Vokabeln, einem Programm das sich in drei Themen erschöpft (Herbert Grönemeyer, Papst & G.W. Bush) , zieht nun mehr seit 3 Jahren damit durchs Land und der Pöbel jubelt ihm zu.
    Was kommt denn als nächstes?
    P. Panzer So weit ist es mit uns schon gekommen. Ein mittelmäßiger Dummschwätzer (Comedian), mit einem Wortschatz von 150 Vokabeln, einem Programm das sich in drei Themen erschöpft (Herbert Grönemeyer, Papst & G.W. Bush) , zieht nun mehr seit 3 Jahren damit durchs Land und der Pöbel jubelt ihm zu.
    Was kommt denn als nächstes?
    P. Panzer, M. Mittermeyer, M. Barth, M. Riechling, werden für den Jacob-Grimm-Preis nominiert?

    lol

    LG: j3s