Peter Löscher wird neuer Vorstandsvorsitzender

Peter Löscher wird zum ersten Juli Nachfolger von Klaus Kleinfeld als Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. Der 49-jährige Löscher hat einen großen Vorteil gegenüber allen zuvor gehandelten Kandidaten. Er ist nicht vorbelastet. Wer die zuletzt sich fortsetzenden Intrigen bei Siemens verfolgte, die auch Gerhard Cromme zu beschädigen versuchten, konnte auf keinen

peterPeter Löscher wird zum ersten Juli Nachfolger von Klaus Kleinfeld als Vorstandsvorsitzender der Siemens AG. Der 49-jährige Löscher hat einen großen Vorteil gegenüber allen zuvor gehandelten Kandidaten. Er ist nicht vorbelastet. Wer die zuletzt sich fortsetzenden Intrigen bei Siemens verfolgte, die auch Gerhard Cromme zu beschädigen versuchten, konnte auf keinen internen Kandidaten hoffen. Nur jemand, der keine Verbindungen zu Siemens aus der Vergangenheit hat, kann unbeschwert den Korruptionssumpf trockenlegen.

Klaus Kleinfelds E.de.Ka

Es gibt einen Kürzel, der in Unternehmen wie im öffentlichen Dienst gebräuchlich ist für das, was Klaus Kleinfeld widerfahren ist. E.de.Ka oder auf gut Deutsch Ende der Karriere. Über die Berechtigung dieses Vorgangs scheint die Öffentlichkeit geteilter Meinung zu sein. Zahlreiche Kommentatoren in den Medien sehen ihn jetzt in der Opferrolle oder als Sündenbock, der für Verfehlungen anderer im Konzern verantwortlich gemacht worden ist. Ob sein Verhalten über die zurückliegenden Jahre ohne Fehl und Tadel ist, bleibt abzuwarten.

Hier liegt jedoch genau das Problem über das der neue Aufsichtsratsvorsitzende Cromme aus Sicht des Unternehmens eine Entscheidung treffen musste. Welche Belastungen würden dem Unternehmen entstehen, wenn dieser Schwebezustand über die Schuldfrage bei Klaus Kleinfeld noch lange Zeit andauern würde, ohne dass es zu einer klaren und unwiderleglichen Antwort gekommen wäre?

Es hätte sich für die gesamte Dauer als schwere Belastung für das Ansehen von Siemens ausgewirkt, da niemand definitiv ausschließen kann, dass es im Zuge der andauernden Ermittlungen nicht doch zu beweiskräftigen Belegen für eine Mitwisserschaft oder noch schlimmer Mittäterschaft bei rechtswidrigen bzw. sogar strafwürdigen Tatbeständen kommen könnte. Die Äußerungen des Verdächtigen, dass er unschuldig sei, sind kein besonders glaubwürdiger Beweis. Man denke an den Fall Jan Ullrich.

Da die Ermittlungsverfahren voraussichtlich noch längere Zeit andauern und sich sogar möglicherweise noch auf weitere Straftatbestände ausweiten könnten, kann es aus Sicht des berechtigten Unternehmensinteresses, seinen Ruf so rasch wie möglich wieder herzustellen, nicht zuträglich sein, diese Situation länger als irgend nötig fortzusetzen. Der einzige Ausweg aus diesem Konflikt war es daher direkt oder indirekt Klaus Kleinfeld den Verzicht auf seine Position nahezulegen. Dies ist durch die Indiskretionen über die Suche nach potentiellen Nachfolgern und der drohenden Verzögerung seiner Vertragsverlängerung mehr oder weniger elegant geschehen.

Rechtfertigt der Erfolg die Mittel?

In den derzeit zu lesenden bzw. zu hörenden Kommentaren wird immer wieder auf die erfolgreiche Tätigkeit von Klaus Kleinfeld für das Unternehmen verwiesen. Er selbst hat diesen Erfolg als wichtiges Argument für seine Vertragsverlängerung versucht einzusetzen, in dem er die guten Bilanzwerte vorzeitig vor der Aufsichtsratssitzung der Öffentlichkeit bekannt gab. Auch dies ist ein Verstoß gegen die Etiquette eines seriösen Geschäftsgebarens und zeigt seine Not, dem E.de.Ka zu entgehen. Da dies bereits das zweite Mal war, dass durch glänzende Unternehmenszahlen versucht wurde potentielle Kritiker aus dem Lager der Kapitaleigner mundtot zu machen, wird implizit folgender Gedanke erkennbar:

Ein erfolgreicher Manager, der seinen Erfolg durch hohe Unternehmensgewinne nachweisen kann, ist vor Kritik wegen anderer gravierender Probleme im Unternehmen geschützt. Ob diese Erfolge auch ohne Korruption hätten erzielt werden können, wird die Zukunft zeigen. Schließlich wurden die Mittel bei der Auftragsakquisition massiv eingesetzt, um lukrative Aufträge zu ergattern und sich – wie der Fall AUB vermuten lässt – auch gegenüber Forderungen der Belegschaft nach höheren Löhnen oder sonstigen Leistungen abzusichern. Beides sind Mittel, die ja eingesetzt wurden, um das Unternehmen erfolgreicher zu machen.

Rechtsstaat oder Doppelmoral?

Es ist auch festzustellen, dass zahlreiche Kommentatoren insbesondere aus der wirtschaftsnahen Presse Schmiergeldzahlungen als normalen Bestandteil des Geschäftslebens akzeptiert haben und daher die strafrechtliche Verfolgung durch die Justiz als unangemessen und lebensfern ansehen. Dieser Versuch, der Öffentlichkeit eine Doppelmoral zu predigen, verkennt jedoch, dass es ein Rechtsstaat und einer Gesellschaft, die darauf aufbaut, nicht akzeptieren kann, Rechtsbrüche hinzunehmen, auch wenn diese in größerem Umfang von einer Vielzahl von Beteiligten stattfinden.

Justitia hat ohne Ansehen der Person, die vom Parlament demokratisch legitimierten Gesetze anzuwenden, wenn Verstöße bekannt und nachweisbar sind. Alles andere wäre das Ende des Rechtsstaats. Es ist auch offensichtlich, dass solche Haltung letztendlich unakzeptabel ist, wenn man den Umkehrschluss zöge und Korruption nicht mittels Strafgesetzen zu verhindern trachtete.

Cromme hat richtig gehandelt

Mithin hat Cromme richtig gehandelt, in dem er einen Manager auf den Posten setzt, der als solider Arbeiter mit diplomatischem Geschick in seiner bisherigen Laufbahn sich seine Meriten erworben hat. Man muss ihm Glück für die Arbeit bei Siemens wünschen, damit die Krise nun endlich schrittweise überwunden werden kann und die Verantwortlichen für den Korruptionsskandal auch zur Verantwortung gezogen werden können. Dies kann nur der Unternehmenskultur in Deutschland dienlich sein und die Glaubwürdigkeit in die Corporate Governance nachhaltig wieder zurückgewinnen. Eine Doppelmoral wie von vielen Beobachtern leichfertig gepredigt, wäre ruinös für das weltweite Ansehen der Unternehmen in Deutschland.

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