Rechtsextreme erobern Myspace – Ist “Selbstheilung” hier möglich?

Nutzten ehemals radikale Gruppierungen das Radio, um die Massen an sich zu ziehen, so geschieht die Kontaktaufnahme mit dem “Volk” heute ganz einfach und breitenwirksam im Web 2.0. Denn von einem harmlosen Profil führte nur wenige Klicks entfernt ein Link zur Myspace-Seite der NPD, so berichtete kürzlich Daniel Erk von

aaa1.jpgNutzten ehemals radikale Gruppierungen das Radio, um die Massen an sich zu ziehen, so geschieht die Kontaktaufnahme mit dem “Volk” heute ganz einfach und breitenwirksam im Web 2.0. Denn von einem harmlosen Profil führte nur wenige Klicks entfernt ein Link zur Myspace-Seite der NPD, so berichtete kürzlich Daniel Erk von Spiegel Online.

Demnach “gönnten” sich diese dort Anfang Mai unter myspace.com/die_nationalisten eine eigene Präsenz mit aktuellen Pressemitteilungen, einem offiziellen Logo und Plakatentwürfen im zugehörigen Weblog, bis sie nach vier Tagen endlich abgeschalten wurde. Bis dahin konnten sich die Anhänger jedoch austoben. “Long live the Vaterland” oder “Thx for the add – Freie Kameradschaft Miltenberg” sind nur einige wenige Auszüge der vielen Grüße rechtsradikaler Gruppierungen aus Deutschland und ganz Europa.

Doch dem nicht genug. In der beliebten Rubrik: “Wen ich gerne kennen lernen würde” prangte doch tatsächlich Adolf Hitler! Ebenfalls mit einer eigenen Seite vertreten, die allerdings mittlerweile nicht mehr zu existieren scheint. Satire oder bitterer Ernst? Auf solchen Portalen nicht immer leicht zu unterscheiden. Man denke da an zahlreiche Fake-Seiten bekannter Persönlichkeiten.

Nutzung verhasster Instrumente

In der Bundesgeschäftsstelle der NPD jedenfalls wisse man angeblich nichts von einer solchen Seite. Doch ganz gleich, ob nun selbst oder durch Anhänger erstellt, der Betrachter muss beim Anblick dieser Auswüchse Daniel Erk Recht geben. Der schreibt nämlich folgerichtig: “In einer Mischung aus Doppelzüngigkeit und Gleichgültigkeit nutzen die Rechtsextremen genau die internationale Verflechtung, gegen die sie eigentlich wettern wollen.” Schon alleine diese Tatsache gibt sie der Lächerlichkeit preis!

Ebenfalls besorgniserregend, WDR.de startete kürzlich den Selbstversuch und meldete sich ebenfalls an. Die erschreckende Tatsache: Binnen weniger Stunden hatten sich 50 rechte “Freunde” eingefunden. Das Problem: Die Seiten unterliegen dem US-Recht und sind damit für deutsche Behörden nicht greifbar. Myspace selbst setzt, laut Angaben gegenüber WDR.de, auf “Selbstheilung”. So wären die User extrem sensitiv, was solche Seiten anginge und würden diese umgehend melden, was dann zu einer Löschung führen würde. Zusätzlich stünden in den USA 15 Mitarbeiter zur Verfügung, die das Portal durchsuchen.

Ob die zunehmende Propaganda hier allerdings so zu bannen ist? Immerhin kann sich der “Gelöschte” jederzeit unter einem neuen Profilnamen anmelden…

Photo/Quelle: spiegel.de

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