Angriff auf den Traum

Guatemala, 23. Mai, Poptún, zwanzig Uhr abends. Auf dem Platz vor dem kleinen Rathaus des Dschungelstädtchens herrscht reges Treiben. Um die einhundert Besucher haben sich vor einer improvisierten Leinwand zum Freiluftkino versammelt. Noch werden die Lautsprecher in Position gerückt. Das Büro des Ombudsmanns für Menschenrechte in Poptún (PDH) zeigt mit

uli.jpgGuatemala, 23. Mai, Poptún, zwanzig Uhr abends. Auf dem Platz vor dem kleinen Rathaus des Dschungelstädtchens herrscht reges Treiben. Um die einhundert Besucher haben sich vor einer improvisierten Leinwand zum Freiluftkino versammelt. Noch werden die Lautsprecher in Position gerückt.

Das Büro des Ombudsmanns für Menschenrechte in Poptún (PDH) zeigt mit Unterstützung des Deutschen Entwicklungsdiensts (DED) den Dokumentarfilm “Asalto al Sueño” (Angriff auf den Traum). Der Berliner Regisseur Uli Stelzner reist aus Guatemala Stadt an. Er sitzt noch im Bus, zur Diskussion mit dem Publikum soll er dann da sein.

In “Asalto al Sueño” führt der Dokumentarfilmer Uli Stelzner die Kinobesucher aus Poptún an die Grenze zwischen Guatemala und Mexiko, wo Verwandte von ihnen, Brüder und Schwestern, zusammen mit Migranten aus ganz Zentralamerika, auf den Zug ins Glück aufsteigen wollen, um ihren “amerikanischen Traum” zur Wirklichkeit werden lassen.

Im Bus nach Poptún saßen Migranten auf dem Weg zur mexikanischen Grenze

Die Vorführung ist vorbei, der Regisseur ist rechtzeitig eingetroffen. “Unser Bus wurde unterwegs von der Polizei angehalten”, berichtet er. Im Bus hätten viele Mitreisende gesessen, die unterwegs zur mexikanischen Grenze gewesen seien. Jeder der Migranten habe 50 Quetzales (etwa 5 Euro) an die Polizisten bezahlen müssen, klagt Stelzner. Während der Dreharbeiten des Films habe er das oft gesehen. Er habe keinen Migranten kennen gelernt, der nicht ausgeraubt worden wäre oder der auf seiner Reise ins Abenteuer kein Schmiergeld habe zahlen müssen.

Die Grenze zwischen Guatemala und Mexiko ist für Stelzner noch gefährlicher und “höher” als die Grenze zwischen Mexiko und den USA. Menschenrechtsverletzungen, die Korruption der Behörden seien allgegenwärtig. Diese Grenze sei aber sehr unsicher und abgelegen, weshalb sich niemand der Situation und der Schauplätze des Leids annehmen wolle. Während der Dreharbeiten habe er den jungen Noé aus El Salvador kennengelernt. Der war bis Mexiko gekommen, dann von dort nach Guatemala ausgewiesen worden. Im Interview habe Noé selbst seinen Tod vorausgesagt. Uli Stelzner berichtet an dem Abend in Poptún, dass der junge Mann in Guatemala an eben dieser Grenze umgebracht worden sei.

Apelle, im eigenen Land zu bleiben

Während der Diskussion kommen aus den Reihen der Besucher Appelle, die Reise ins Ungewisse nicht zu unternehmen. Auch wenn das Leben in Guatemala hart ist und die Menschen arm seien, sollen sie ihre Würde bewahren und versuchen zu helfen, die in Guatemala herrschende Armut und wirtschaftliche Ungleichheit zu überwinden.
Auf die Frage aus dem Publikum, warum er diesen Dokumentarfilm gedreht habe, erklärt Uli Stelzner er sei Filmemacher. Er wolle mit seinen Dokumentarfilmen sensibilisieren und dazu beitragen, dass die Menschen überall in der Welt wüssten, was an Orten wie jenen im Film vorginge. Deshalb würde die Dokumentation mit Unterstützung des DED und anderen internationalen Organisationen auch in Mexiko, Nicaragua, Honduras und Salvador gezeigt.

23. Mai, Wangelin, Mecklenbur-Vorpommern. Das globalisierungskritische Filmfestival “Globale 07″ ist in Mecklenburg – Vorpommern und in Brandenburg auf G8 Tour. In Wangelin wird laut Programm am selben Tag an dem Stelzner in Guatemala seinen Film vorstellt, ein Dokumentalfilm über die Folgen der Privatisierungspolitik des IWF und der Weltbank in den Philippinen (“Der große Ausverkauf”, Florian Opitz, Deutschland 2007) gezeigt.

“Asalto al Sueño” (2006,Guatemala/Deutschland, 82 min) nahm im Mai dieses Jahres am Filmfestival von Globale 07 in Berlin-Kreuzberg teil und ist zum G8 mit den anderen Dokumentarfilmen des Festivals in deutschen kommunalen Kinos zu sehen.

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