Ruanda verdient Wiedergutmachung durch G8

Die Afrikahilfe steht auf der Tagesordnung des kommenden G8-Gipfels weit oben. In diesem Zusammenhang muss auf Ruanda ganz besonders hingewiesen werden. Vor 13 Jahren hat die Welt die Geschehnisse in Ruanda nämlich schmählich ignoriert. 1994 während des einhunderttägigen Bürgerkrieges mit mindestens 800.000 Toten stand die internationale Gemeinschaft unkoordiniert im Stillgestanden.

vv.jpgDie Afrikahilfe steht auf der Tagesordnung des kommenden G8-Gipfels weit oben. In diesem Zusammenhang muss auf Ruanda ganz besonders hingewiesen werden. Vor 13 Jahren hat die Welt die Geschehnisse in Ruanda nämlich schmählich ignoriert. 1994 während des einhunderttägigen Bürgerkrieges mit mindestens 800.000 Toten stand die internationale Gemeinschaft unkoordiniert im Stillgestanden.

Französisches Militär unterstützte einseitig die Frankreich freundliche Regierung. Die belgischen UN-Friedenstruppen als Hauptkontingent waren von vorneherein Gefangene ihrer kolonialen Vergangenheit. Die USA standen noch unter Schock nach ihrer Flucht aus Somalia und lehnten einen erneuten Afrikaeinsatz ab. England ohne direkte diplomatische Beziehungen zu Ruanda schloss beide Augen zu. In diesem Verhalten zeigte sich einmal mehr die Unmenschlichkeit in der Politik. Zumindest waren staatliche Eigeninteressen stärker als der Einsatzwille zum Schutz ruandischen Lebens.

Nach Aussage des kanadischen Generals R. Dallaire, der die UN-Schutztruppen führte, war deren Ausrüstung so notdürftig, dass es kaum für den Selbstschutz reichte, geschweige denn es zu friedenstiftenden Einsätzen kam. Die Schlagkraft und die Nachdrücklichkeit des Mandates waren von Anfang an durch Halbherzigkeit und eine sich durch Widersprüche auszeichnende Bürokratie stark eingeschränkt. Konsens und Allgemeininteresse rangierten bei der UN vor Einzelereignissen, seien sie auch noch so grausam. Selbst Berge von Anfragen behoben nie die Funkstille in New York. Es gab keinen Nachschub, keine Verstärkung und keine Entscheidungen.

Der Absturz der Präsidentenmaschine am 6. April 1994 löste das einhunderttägige Gemetzel in Ruanda aus. In Farbe und allen grausamen Details wurde damals der Weltöffentlichkeit das Sterben Ruandas präsentiert. Von Bemühungen um den Frieden war leider nichts zu sehen.
Heute können wir aufatmend feststellen, Ruanda ist nicht tot.
Dank seiner außergewöhnlich fähigen politischen Führung und deren exzellenter Regierungsarbeit steigt Ruanda wie ein Phoenix aus der Asche. Leider erregt dieser erfreuliche Vorgang auch kaum Beachtung in den Medien und der Weltöffentlichkeit. Ruanda als das afrikanische Entwicklungsmodel beispielhaft herauszustellen, trifft bei Weitem nicht die volle Bedeutung, da selbst hochentwickelte Staaten noch von seiner erfolgreichen Staatsführung lernen können.

Selbstbewußtsein und Würde haben die Regie übernommen

In Ruanda wurde bewiesen, dass eine Stabilisierung und wirtschaftliche Erholung nach kriegerischen Auseinandersetzungen nur möglich sind, wenn alle Parteien und Strömungen Verantwortung übernehmen und sich gegenseitig akzeptieren.
Ruanda ist immer noch arm, doch es zeigt das sauberste und ordentlichste Straßen- und Erscheinungsbild in Afrika. Während früher Gewalttätigkeit und Verschlagenheit in Kigali herrschten, haben heute Selbstbewusstsein und Würde die Regie übernommen. Dieser Umschwung war nicht leicht. Ruanda ist haushaltsmäßig immer noch von jährlich $ 400 Mio. Entwicklungshilfe abhängig. Obwohl Ruanda bezogen auf Regierungsführung und Entwicklung als Musterknabe gilt, sind die Beziehungen mit seinen Spendern eher gespannt, weil der heutige Präsident mit seiner Regierung eigene, Ruanda spezifische Ideen selbstbewusst verfolgt. Die praktizierte Zielstrebigkeit und taktische Ausrichtung erinnern sehr stark an die Entwicklungsphase Singapurs als Tigerstaat.

Ruanda setzt eindeutig die eigene Sicherheit und seine nachhaltige Entwicklung über die Interessen der Geberländer. Die Widersprüchlichkeit der Interessenlagen spiegeln sich deutlich an dem Bau des Luxushotels Serena in Kigali. Die Geberstaaten hatten seinerzeit heftig gegen den Bau dieser Luxusherberge protestiert, da das Geld volkswirtschaftlich besser angelegt werden könne. Es sei zu bedenken, das der ruandische Staatshaushalt zu 50% von der Entwicklungshilfe getragen werde und 60% der acht Millionen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben.

Die Regierung plädierte für den Bau von Hotels speziell auch mit höherem Standard. Er führe zum Abbau der schon vorhandenen Knappheit von Hotelunterkünften, fördere den Tourismus, schaffe Arbeitsplätze, stärke den sozialen Frieden, steigere das Wirtschaftswachstum und sei somit der einzige sichere Weg aus dem Schatten des Bürgerkrieges hervorzutreten.
Ruandas Chancen liegen im Tourismus, im Export hochwertiger und mannigfaltiger Landwirtschaftsprodukte und im Angebot von Dienstleistungen für Ost- und Zentralafrika und darüber hinaus. Für den Bau der jeweiligen Infrastruktur muss Ruanda echte Investoren durch eine überzeugende und verlässliche Politik gewinnen.

Ruanda bietet übrigens nicht nur mit Gorillas, Vulkanen, Seen und Dschungelwäldern seltene Tourismusattraktionen. Es zeigt auch wie ein durch Bürgerkrieg traumatisiertes Land mit der richtigen Politik und der Liebe zum Detail auf kürzestem Wege wieder aufblüht. Ruanda veranschaulicht zum einen die dramatischen Verluste, die durch Vernachlässigung durch die Völkergemeinschaft entstanden sind und zum anderen die bemerkenswerten Errungenschaften, die durch exzellente Führung erreicht wurden. Außerdem hat es die seltene Gelegenheit nachvollziehbar zu demonstrieren, wie eine Gesellschaft ihre innere Stabilität über Leistung in Erfolg umwandelt.

Ruanda darf nicht noch einmal vernachlässigt werden. Die G8-Staaten müssen Ruanda durch Vertrauen und Investitionen jeglichen Rückfall unmöglich machen.

Photo Quelle/Copyright: mrflip, cc creative commons Attribution-ShareAlike 2.0 (via flickr)

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