“Die Maschine ist wie ein verspielter Hund…”

Ich gebe zu, man ist ihr schnell erlegen. Sie sieht gut aus, sie passt sich an, schmeichelt der Küche und auch das Einkaufserlebnis ist besonders. Als Kaffeekulturbanause, der auch mal Kaffee aus einem Pappbecher trinkt, erlag ich dem Nespresso-Trend vor einigen Monaten in einem primitiven Mediamarkt. Geködert durch einen elektronischen

kaffeeIch gebe zu, man ist ihr schnell erlegen. Sie sieht gut aus, sie passt sich an, schmeichelt der Küche und auch das Einkaufserlebnis ist besonders. Als Kaffeekulturbanause, der auch mal Kaffee aus einem Pappbecher trinkt, erlag ich dem Nespresso-Trend vor einigen Monaten in einem primitiven Mediamarkt. Geködert durch einen elektronischen Milchaufschäumer, konnte ich nicht widerstehen und habe den ersten Schritt in die neue Welt getan, der nicht ohne Folgen blieb.

Bereits beim Kauf hätte jeder Datenschützer lieber nach einer Tasse Tee verlangt. “Sie werden schon ordentlich mit meinen Daten umgehen”, dachte ich mir und war auskunftsfreudig. Dass die Gefahr aus dem inneren des Systems kommt, konnte ich zum damaligen Zeitpunkt noch nicht ahnen. Ich war einer Sekte beigetreten. Vom ersten Tag an begann die Gehirnwäsche. Das Zentralorgan der Bewegung heißt “N Magazin“, Gerhard Berssenbrügge ist der Anführer (CEO) und Holger Feldmann (Geschäftsführer Deutschland) ist seine rechte Hand für Penetration der deutschen Kaffee-Elite.

Nespressokapseln schniefende Redakteure schreiben über Kaffee und Maschinen Sätze wie “[…] unser System biete Ihnen die totale Kaffee-Erfahrung [...]“. Im “Coffee-Culture-Teil” würde ich mehr erfahren und Connaisseure (das sind die Sektenmitglieder) dürften sich im “Pleasure Guide” jede Menge Zeit lassen. Bereits auf Seite eins wird der “Geschenkservice” beworben, nun dies ist eine schönes Wort für die Akquise neuer Mitglieder, “[…] der Nespresso-Geschenkservice, der sich seit seiner Einführung als eine der besten Methoden bewährt hat, das Nespresso-Erlebnis mit Freunden und Angehörigen zu teilen”.

… alle sind begeistert…

Gelockt durch ein großes, sinnliches Foto von Sophie Marceau auf dem Cover, blätterte ich nun im “Kaffee-Leuchtturm” weiter, in der Hoffnung Sophie in anregenden Posen zu bewundern, wie sie sich verführerisch einen Tropfen Kaffee von den Lippen leckt. Doch zuerst wurden Sektenmitglieder und Ihre Maschinen vorgestellt. Da ist z.B. Yrjö Sotamaa, ja die Globalisierung macht auch vor Sekten keinen Halt. Yrjö ist Professor in Helsinki und macht dem Foto nach den Eindruck, dass keine andere Sekte ihn haben wollte. Auf die Frage wie seine Erfahrung mit seiner Kaffeemaschine ist antwortet er dann: “Die Maschine ist wie ein verspielter und glücklicher Hund – sie wedelt mit dem Schwanz und schnuppert die Aromen.”

Giovanni Anzani, stolzer Besitzer einer Porsche-Design Kaffeemaschine, der seinen Beruf mit “Firmenchef” angibt, wird im Folgenden von der koffeinabhängigen Agentur gefragt, wie er die Erfahrung einen Porsche zu fahren mit der Porsche-Kaffeezubereitung vergleichen könnte. Die Antwort erspare ich Ihnen und möchte Ihnen lieber die Antwort auf die Frage zitieren, wo Giovanni seine Maschine im Haus hinstellt. “Vom Design her passt eine Nespresso-Maschine überallhin. Das Schlafzimmer wäre eine gute Idee…”

Ich wollte aussteigen, glauben Sie mir. Ich habe es oft versucht. Im Callcenter der Nespresso-Sekte verspricht man auch beharrlich mir keine neue Propaganda zu senden. Doch alle Mühe ist vergeben. Ich habe mich meinem Schicksal ergeben und ehrlich gesagt, freue ich mich mittlerweile, wenn wieder Post von ganz oben kommt.

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