Volly Tanner im Gespräch mit Francis D.D. String von King Kreole und Re.Vision über Pläne, Revolution und zu durchschreitende Türen…
V: Guten Tag, Francis – schön Dich hier zu sehen. Es gibt ja einiges neues zu vermelden, nicht nur die King Kreolen sind fleißig unterwegs gewesen – nein, da rauschts im Gerüchteballon – von wegen große Band, mit Namen Re.Vision. Was ist das denn?
F: Richtig. Ja, das ist eigentlich meine Band vor King Kreole und um einfach mal nicht zum Fachidioten zu werden, hab ich die Jungs reaktiviert. Aber da gab es dann auch noch andere Hintergründe.
V. Was denn für Hintergründe und wenn Du die dann aufgezählt hast, kannst Du ja gleich mal sagen in welche musikalische Richtung Re.Vision so geht. King Kreole ist ja Rock and Roll, was machst Du denn mit der anderen Band?
F: Die Hintergründe sind eigentlich ganz einfach. Ich hatte Ende des letzten Jahres das Gefühl, dass King Kreole irgendwie ausgebrannt sind und dass wir einfach zu viel gemacht haben, außerdem kamen ganz persönliche Differenzen dazu. Das ist aber Gott sei Dank alles beigelegt. Dann ist es so, dass meine musikalischen Interessen vielschichtiger sind, als das ich sie mit nur einer Band umsetzen könnte und schon gar nicht mit einer dreiköpfigen Rock an Roll Band. King Kreole ist schon meine Lieblingsband, aber ab und an braucht man auch etwas Abwechslung.
Mit Re.Vision setze ich einfach um, was mich seit meiner Jugend fasziniert hat. Bisher hatten wir ein Programm, welches sich aus meinen eigenen Liedern und dem einen oder anderen Cover zusammensetzte, aber durch meine Zusammenarbeit mit einem in Leipzig nicht ganz unbekannten Literaten, kam mir die Idee alte Dylan Songs neu zu bearbeiten und zu präsentieren. Für mich waren Lieder wie “Sara” oder “Oh Sister” einfach Teil meiner Jugend, aber erst jetzt sehe ich mich im Stande dieser alten “Liebe” zu frönen.
V: Das heißt ja, dass es auch eigenes Material von Dir gibt – ist das deutschsprachig – sind das Partyhymnen oder machst Du uns den Melancholischen – sag mal, wohin die einsame Reise des Francis D.D. String geht.
F. Hmm, Teils, teils. Naja, Partymugge ist es wohl eher nicht, was für Melancholiker triffst dann schon besser. Ich habe mit diesen Sachen etwas Vergangenheitsbewältigung betrieben und mich über die eine oder andere in die Hose gegangene Frauengeschichte ausgelassen. Aber das kennt man ja. Du sicher auch!
Die Sachen sind alle englischsprachig, weil es für mich etwas schwerer war die Dinge in deutsch nicht all zu kitschig erscheinen zu lassen.
Ich habe dabei aber versucht die traurigen Dinge in nicht wirklich traurige musikalische Formen zu bringen.
Im Moment ist diese Geschichte aber für mich nicht wirklich so interessant, weil einfach kein Grund zur Melancholie in meinem jetzigen Dasein existiert. Es ist einfach spannend zu sehen was man aus dem grandiosen Songwrighting des Herren Dylan machen kann. Und da geht die Reise im Moment hin. Was in zwei Jahren ist, kann ich noch nicht sagen, aber vielleicht grabe ich ja die alten Sachen wieder aus oder schreibe lustige neue Songs.
V: Es gibt ja unter anderem eine sehr überraschende Reggaeversion eines Dylanstücks bei Euch – das geht natürlich auch nur mit einer gewieften Truppe. Wer macht denn bei Re.Vision alles mit?
F: Stimmt! Ich habe das Glück, mit wirklich guten Leuten arbeiten zu dürfen, die alle in welcher Form auch immer in und mit den verschiedensten Projekten spielen.
Für mich sehr wichtig ist dabei mein Partner und Freund an der zweiten Gitarre, Christian Trautmann. Er schreibt selbst unglaublich gute deutsche Songs und unterstützt mich bei den Arrangements.
Ganz wichtig ist Frank Oberhof an den Tasten. Der gute Mann hält uns in organisatorischen Fragen den Rücken frei und muss sich mit uns im Bandbus rumschlagen, den er fährt. Riesen Dank auch dafür!
Lutz Pistol (Las Mannitás) ist unser Mann für die nicht ganz alltäglichen Instrumente wie Geige, Mandoline und der Gleichen.
Wichtig ist, dabei zu erwähnen, dass wir vier wirklich gut befreundet sind, sonst würde all das auch nicht klappen.
Diese Stammcrew, wird durch eine ordentlich groovenden Rhythmusgruppe ergänzt wird. Dazu gesellen sich noch zwei Backgroundsängerinnen, die dann meine Stimme unterstützen.
Alles in allem, ist das schon ‘ne Band die schon viel Verständnis, für das was ich will, an den Tag legt.
V: Jetzt ist das Volk ja doch sehr gespannt darauf live zu erleben, von was du da redest. Wann und wo kann man Euch denn in unseren Breiten erleben?
F: Das ist immer eine Sache, alle Termine unter einen Hut zu kriegen, Traudi ist sehr viel unterwegs und wer King Kreole kennt, weiß, dass mein Terminkalender auch nicht wirklich viel Zeit für irgendwelche Soloaktivitäten hergibt.
In Leipzig stehen zur Zeit zwei wichtige Termine fest. Zum einen der 05.06.07 im “Noch Besser Leben” und der 24.6.07 zum Benefiz für das Projekt “Kleine Stars” auf dem Schletterplatz am Flower Power.
Ansonsten bringen wir Bob Dylan in regelmäßigen Abständen in die restliche Republik.
V: Revisionismus ist, nach Meister Duden – hallo, hier spricht der Bildungsbürger in mir – ” … Streben nach Änderung eines bestimmten Zustandes oder eines Programms; eine Strömung in der Arbeiterbewegung …” – Nun kennen wir beide uns ja doch schon eine Weile aber proletarisches Denken und revolutionäre Ambitionen sind mir bei Dir eigentlich recht selten aufgefallen (na ja, manchmal – aber da waren wir beiden auch gut unterwegs). Wieso dieser Name?
F: Gute Frage, Meister Tanner, die mich zu philosophischen Anwandelungen inspiriert. In einem muss ich aber widersprechen, die revolutionären Ambitionen existieren in mir schon, nur nicht vordergründig. Ich kann mich nur nicht irgendeiner Richtung oder Strömung anpassen oder anschließen, weil es dort immer wieder Sachen gibt, die mir nicht gefallen. Ich habe meine eigenen Visionen von einer besseren Welt. Vor einen Karren lasse ich mich nicht spannen, weil ich mich dadurch limitiert fühle. Mir geht es nicht um die Weltrevolution, sondern darum, dass die Menschheit gerecht und friedlich miteinander umgeht.
Der Name Re.Vision ist eigentlich nur entstanden, weil ein musikalisch unwissender Mitbürger, dessen Vorname mit Re beginnt, seine totale Inkompetenz auch noch voller Stolz zum Besten gab. Aus Version wurde dann ganz schnell Vision. Fertig!
Wenn man aber die Dudensche Deutung zu Grunde legt, muss ich sagen, dass in Bezug auf die Band, da doch schon was dran ist. Ich hab mir darüber zwar noch nie Gedanken gemacht aber der Name scheint Programm zu sein. Re.Vision war nie eine feste Band im herkömmlichen Sinne. Es gab im Laufe der Jahre doch einige Umbesetzungen, die unserer Entwicklung sehr förderlich waren. Sprich: Wer uns noch vor einem Jahr gesehen hat, wird jetzt eine vollkommen neue Band sehen. Die Viererstammbesetzung ist dabei die einzige Konstante in den letzten Jahren und ich hoffe, das wird auch so bleiben.
Durch diesen Umstand habe ich eben die Möglichkeit die Band meinen jeweiligen Ansprüchen oder Ambitionen anzupassen. Insofern ist das auch eine Form von Revisionismus.
V: Da haben wir ja wirklich auch etwas im Selbstverständnis des Francis D.D. String geharkt – nun zum Schluss meine Lieblingsfrage – etwas für die Zitatesammler unter den LeserInnen:
Möchtest Du noch irgendetwas sagen, was der Nachwelt unbedingt erhalten bleiben muss?
F: Auch bei den größten persönlichen Niederschlägen immer am Ball bleiben, denn fällt eine Tür zu, öffnen sich nach einer gewissen Zeit mit Sicherheit wieder einige und diese zu durchschreiten, bringt mehr als an der Geschlossenen zu rütteln. Eine Erfahrung die ich schon oft machen musste und im nachhinein betrachtet, durfte.
V: Danke, Francis.
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