Dämmernde wecken! ZIN im Gespräch

ZIN im Gespräch über Independent, Placebovergleiche & den heutigen Musikmarkt. Volly Tanner spricht mit MIKA von ZIN… VT: Salute Mika, für unsre Leser im weltweiten Netz. Wer seid ihr, was macht ihr und wodurch unterscheidet ihr euch von dem Gewimmel anderer Musikschaffender? ZIN: Hallo, wir sind ZIN aus Leipzig eine

LogoZIN im Gespräch über Independent, Placebovergleiche & den heutigen Musikmarkt. Volly Tanner spricht mit MIKA von ZIN

VT: Salute Mika, für unsre Leser im weltweiten Netz. Wer seid ihr, was macht ihr und wodurch unterscheidet ihr euch von dem Gewimmel anderer Musikschaffender?

ZIN: Hallo, wir sind ZIN aus Leipzig eine vierköpfige Formation, die der Musik frönt und die Leute gern aufwecken möchte.
Für alle die, die noch nicht von uns gehört oder gelesen haben, wir machen eine Mischung aus treibenden Elektrobeats (Markus Estbourg) und Rockelementen (Guitar = Vincent Oley), unterstützt von meiner Wenigkeit (Mika Arthate) am Schlagzeug und abgerundet durch den Gesang von Iven Cole.
Die Frage, was uns von anderen unterscheidet ist natürlich nicht so einfach zu beantworten. Zum einen ist es sicherlich unsere Arbeitsweise beim Schaffen neuer Stücke, das läuft bei uns nicht wie bei den meisten Bands indem man sich im Proberaum trifft, sondern bei uns wird das Grundgerüst eines Songs im Studio gelegt indem unser Markus erstmal ein paar Beats am Rechner zaubert. Dann stößt meist der Iven dazu, und der Song nimmt langsam Gestalt an. Vincent flößt dem Ganzen mit seiner Gitarre noch etwas Organisches ein, bevor ich mit Markus’ elektronischen Beats und meinem Schlagwerk versuche eine Symbiose einzugehen.
Zu guter Letzt kommt dann natürlich noch der Gesang vom Iven mit seiner sehr bildhaften Sprache hinzu und erst dann ist das Baby fertig.
Vielleicht unterscheidet uns von anderen Bands noch der Punkt, das wir sehr gern polarisieren, darauf verzichten, mit allen Mitteln gemocht zu werden. Besonders der Gesang und unser Habitus auf der Bühne werden von manchen Menschen richtig gehend gehasst. Doch wenn man aus dem heutigen “Musik-Einheitsbrei” herausstechen möchte, muss man meiner Meinung nach versuchen den Zuhörer aus gewohnten Hörstrukturen herauszureißen, und seine Erwartungen an ein normales Live-Konzert vielleicht sogar zerstören.

VT: Da sind wir ja genau beim Thema, welches Euch so streitbar macht. Ihr werdet immer wieder mit Placebo verglichen, obwohl Eure Musik ja nun doch recht weit von Molkos Truppe entfernt ist. Ist das das reine Neidding in der Independentszene? Im Mainstream ist es ja doch eher eine Auszeichnung, zum Beispiel “die neue Madonna” genannt zu werden.

MIKA: Ich weiß ja nicht ob wir mit dem “Placeboding” genau beim Thema sind, das hast Du jetzt so eingeflochten (lach) aber wenn wir nun schon dabei sind… Ich sehe es mittlerweile auch als Kompliment an mit Placebo verglichen zu werden. Ist doch toll mit so großartigen Künstlern in einem Atemzug genannt zu werden, jedoch sollte man sich nicht auf diese Schublade beschränken. Auch wenn Menschen dazu neigen in Schubladen zu denken liefert ZIN doch viel mehr als einen Sänger, der zufällig Mr. Molko ähnlich klingt. Wenn Leute ewig auf diesem Punkt rumreiten scheint es mir, dass sie nicht wirklich zuhören, bzw. sie in unserer Musik nur das hören was Sie an vorgefertigter Meinung über uns sowieso schon im Kopf haben. Ob das nun Neid ist sei dahingestellt, jedenfalls wird es dem was wir machen nicht gerecht, denn wir versuchen so professionell wie möglich zu arbeiten und zu klingen um den Menschen unsere Vision von Musik näher zu bringen. Wem unsere Musik gefällt der ist wahrscheinlich auch nicht so hardcore-independent das ihn Gitarren die vom Band kommen stören bzw. der macht es uns nicht zum Vorwurf, dass wir die Sound- und Klangmöglichkeiten die wir haben voll und ganz bis zum allerletzten ausreizen.
Die meisten unserer Zuhörer honorieren das zum Glück und sind nicht zu “indie” um gute Musik an sich vorbeigehen zu lassen.

VT: Musikalisch wird’s ja bei Euch immer elektrischer. Wohin soll denn die Reise gehen. “Symbiosis” – eure derzeitige CD ist da ja schon Stellungnahme – aber zeugt auch von Entwicklung. Wo stehen ZIN Ende des Jahres?

MIKA: Gute Frage, wo wir am Ende des Jahres stehen kann ich dir so nicht beantworten. Was für die nächsten Monate feststeht ist, dass unser Album definitiv spätestens im September/Oktober diesen Jahres erscheinen wird. Unseren Fans schenken wir mit diesem Album all die Songs die sie bis dahin nur Live genießen durften, uns selbst gibt die Veröffentlichung die Möglichkeit mit den ersten zwei Jahren von ZIN abzuschließen und neue Wege einzuschlagen. Für den Sommer stehen erstmal ein paar Live-Konzerte an bei denen wir den ein oder anderen neuen Song vom Album schonmal Live testen werden. Wir spielen im Juni zum Beispiel mit Polarkreis 18 zusammen auf der MDR-Sputnik-Bühne in Sondershausen, dort werden wir die Möglichkeit haben unseren Sound einem breiten Publikum zu präsentieren. Bin sehr gespannt auf die Reaktionen.
Musikalisch befindet sich ZIN nach wie vor auf einer Reise. Natürlich haben wir ein Ziel vor Augen wohin sich unser Sound entwickeln soll, und wie du schon richtig bemerkt hast, wird es wohl noch etwas elektronischer. ZIN befindet sich ständig auf der Suche nach DEM Sound. Ich möchte es mal mit einem Bildhauer vergleichen, der einen Stein vor sich hat und aus diesem eine Skulptur herausschlagen möchte, die er vor seinem inneren Auge sieht. Wir wollen aus all unseren musikalischen und technischen Möglichkeiten die Musik kreieren die unserem inneren Bild von ZIN am nächsten kommt. ZIN möchte weiterhin oder vielleicht sogar noch stärker als bisher polarisieren und die Menschen aufhorchen lassen. Wenn Du die Leute erreichen willst, ihnen eine Idee in die Herzen pflanzen möchtest, dann musst Du Deine Stimme erheben und die richtigen Worte, in unserem Fall Töne finden, um Dir Gehör zu verschaffen. Auf der Suche danach befindet sich die Band und vielleicht kommen wir bis Ende des Jahres diesem Ziel ein Stück näher…

VT: Eine Frage, die sich nach Live-Genuss immer wieder stellt – wie arbeitet ihr an der Bühnenshow, Iven gibt ja doch recht voll den Frontier, geschieht das aus dem Moment heraus oder probt ihr Choreografien ein?

MIKA: Das geschieht ganz klar sehr spontan. Grundlage dafür ist jedoch eine konsequente Vorbereitung auf die Auftritte, d.h. wir können unsere Songs die wir Live performen aus dem FF, erst das gibt uns die Freiheit auf der Bühne so zu agieren.
Wenn Du Angst hast, dass Du dich verspielst und unsicher auftrittst dann spürt das das Publikum. Wir sind von uns und dem was wir machen hundertprozentig überzeugt und wissen was wir können, deshalb wirkt das auf der Bühne alles sehr professionell.
Iven ist dafür geboren “vorn zu stehen” und der Rest der Band genießt es einfach auch, wie unser Frontman mit dem Publikum interagiert. Jedoch ist auch für uns jeder Auftritt eine neue Erfahrung, wir wissen nie was uns auf der Bühne erwartet. Sicher ist nur das wir rocken und alles geben was wir haben, denn auf der Bühne spielen zu dürfen heißt für ZIN einen Traum zu leben, und diesen mit allen, die uns zuhören und -sehen, zu teilen.

VT: Ihr seid ja im Boot von UpArt/Brachialpop, einer der doch sehr beweglichen Agentur, hinter der nicht zuletzt der große Mararios, Sänger der legendären DIE ART steht. Wie läuftn die Zusammenarbeit?

MIKA: Wir haben schon Glück, dass wir mit UpArt/Brachialpop jemand gefunden haben, der voll und ganz hinter unserem Verständnis von Musik steht. Aber UpArt ist nicht nur der Makarios sondern auch der Thomas Bartsch und der Ali Tschertow, unser “Haus- und Hof-Fotograf”. Der Makarios hat schon relativ viel mit seinen Projekten zu tun, steht jedoch trotzdem jederzeit beratend zur Verfügung. Um ZIN kümmert sich in erster Linie Thomas, der genauso verrückt ist wie wir. Ihm ist fast keine Idee zu verrückt um nicht wenigstens zu versuchen diese zu realisieren. Zusammen mit Ali ist Thomas verantwortlich für das Coverartwork und die Fotos von ZIN, desweiteren kreiert Thomas in Absprache mit uns die Videoperfomance von ZIN für die Live-Auftritte. Natürlich greift uns unser Label auch finanziell das ein oder andere Mal unter die Arme (DANKE), aber das wichtigste an der UpArt-Familie ist, dass alle an den selben Traum glauben, ZIN in die Köpfe und Herzen der Menschen zu pflanzen. Zusammenfassend kann man sagen, das UpArt uns den Rücken so frei hält, dass wir uns voll und ganz auf die Musik konzentrieren können.

VT: Die Musik, die innerhalb der Popkultur über längere Zeit bestehen blieb, war ja immer die Musik, die etwas besonderes auszusagen versuchte – The Wall von Pink Floyd oder die Sex Pistols oder Hendrix – welcher Art ist Euer Stempel, den ihr dem Popolymp einzubrennen versucht?

MIKA: Ich denke in erster Linie erinnert man sich an diese Künstler weil sie für ihre Zeit innovative Musik kreierten und Grenzen sprengten, und nicht aufgrund einer bestimmten Aussage. Bezeichnend ist, dass früher Plattenfirmen noch den Mut besaßen solche Ideen zu fördern und keine Angst hatten neue Wege zu beschreiten. Heute scheinen einzig schnelle Profite im Fokus der Musikindustrie zu stehen und kaum noch jemand ist bereit in Musik zu investieren die sich längerfristig auszahlen könnte. Gerade was den Rock- und Popbereich der heutigen deutschen Musikkultur angeht tut sich seit Jahren so gut wie gar nichts. Die letzte wirklich innovative Sache an die ich mich erinnern kann waren Rammstein, und die wurden die ersten zwei bis drei Jahre auch ignoriert, so dass sie sich den Arsch abspielten mussten und sich ihre Fanbase Live erspielten. Irgendwann war dann wohl der Punkt erreicht an dem man auch als großes Label nicht mehr an denen vorbeikam, und Peng, plötzlich fanden sie auch in der breiten Öffentlichkeit statt.
Jetzt bin ich glaube ich etwas abgeschweift, naja zurück zu ZIN. Ich weiß nicht ob wir es schaffen dem Popolymp einen weiteren Stempel aufzudrücken, jedenfalls wird es doch Zeit für den nächsten Knall am Pophimmel und auch wenn das vermessen klingt, ich glaube ZIN hat das Potenzial eine Bombe zu zünden. Zumindest reißen wir mit unserer Musik Grenzen ein indem wir Elektroelemente die in der Techno-Szene der achtziger und neunziger verwendet wurden, und heute schon längst in Vergessenheit geraten sind, kombinieren mit modernen Rock- und Popelementen. Vielleicht sind wir ja eine Art neues Musiktheater, das die Menschen, auch wenn das jetzt krass klingt, audiovisuell erzieht. Man kann uns ja schließlich Live nicht nur hören sondern man wird durch die Videos im Hintergrund und unseren Habitus auf der Bühne auch visuell berührt. Es wäre einfach schön wenn wir mit unserem Konzept die Leute wieder für anspruchsvolle Musik begeistern könnten und sie ein Stück mehr für das was gerade so abgeht sensibilisieren würden. Mit diesem Stempel am Popolymp wäre ich zumindest sehr glücklich.

VT: Danke Mika, für dieses aufschlussreiche Gespräch, wir drücken Euch weiterhin die Daumen. Gibt’s noch ein paar letzte Worte, die du dem Volk entgegen schleudern möchtest?

MIKA: Eine Revolution ohne zu tanzen, ist eine Revolution die sich nicht lohnt! Also kommt zu unseren Konzerten und lasst uns gemeinsam tanzen…

Die nächsten Livedates:
15.06.2007
Halle/Saale – Open-Air im Burggraben (The Ballroom)
22.06.2007
Sondershausen – Sputnik Festival (MDR-Sputnik Familientag)
14.07.2007
Leipzig – Werk II (mit Die Art, Lipstix, Sonic Boom Foundation…)
27.12.2007
Leipzig – Noch besser Leben (Unplugged ;-)

Danke für die tollen Fragen, und viel Glück für die Zukunft.

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