Giordano gegen Moschee

.Im Gespräch mit der Ditib (türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion) fiel der Schriftsteller Ralph Giordano nicht nur durch seine ablehnende Haltung gegen den Bau einer Moschee auf – auch seine Äußerungen, dass eine verschleierte Frau etwas von einem “menschlichen Pinguin” habe, sorgten für Aufregung. — Die zuständigen Stellen der

223887.jpg.Im Gespräch mit der Ditib (türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion) fiel der Schriftsteller Ralph Giordano nicht nur durch seine ablehnende Haltung gegen den Bau einer Moschee auf – auch seine Äußerungen, dass eine verschleierte Frau etwas von einem “menschlichen Pinguin” habe, sorgten für Aufregung.

Die zuständigen Stellen der Stadt Köln haben den Bau einer repräsentativen großen Moschee im Stadtteil Ehrenfeld zugestimmt. Was – wie man sich leicht vorstellen kann – freilich nicht gleichzeitig heißt, dass der Bau nun von jedermann hoch willkommen geheißen wird. – Im Gegenteil: der Diskussionen sind viele. Und die Wogen dabei schlagen nicht selten hoch. Erst kürzlich auf einer Bürgerversammlung in Ehrenfeld. Die rechtspopulistische Organisation “Pro Köln” etwa fordert, die Baugenehmigung zurückzuziehen.

Auf der Bürgerversammlung kam es fast zu einem Eklat. Auf Grund unappetitlicher Äußerungen von ziemlich rechts eingestellten Teilnehmern. Die Störenfriede mussten vom Versammlungsleiter mehrfach zur Ordnung gerufen werden. Die Groß-Moschee mit den ihr angegliederten umfangreichen Räumlichkeiten ist ausdrücklich auch als offene Begegnungstätte zwischen Muslimen und Menschen anderer Religionen bzw. Nichtgläubigen konzipiert worden, um einen wechselseitigen Dialog im Stadteil fördern zu helfen. Trotzdem Muslime in Köln seit Jahrzehnten zum alltäglichen Erscheinungsbild der Rheinmetropole gehören (in der Stadt sollen etwa 100 000 Menschen muslimischen Glaubens leben), ist es durchaus verständlich, dass die geplante Moschee im Viertel auch zu Unbehagen Anlaß gibt.

223857.jpgNun gibt es zwar auch bisher schon islamische Gotteshäuser in Köln; nur waren sie – untergebracht in Garagen, ehemaligen Lagerhallen und Hinterhöfen – halt als solche nicht gleich zu erkennen: denn ihnen fehlten die Minarette. Die für Ehrenfeld konzipierte Moschee wird aber nun auch deutlich als solche zu erkennen sein. Zu ihr gehören nämlich zwei jeweils fünfzig Meter hohe Minarette. Dass das die Gemüter erregt, ist zu verstehen. Wissen tut das auch die Ditib (türkisch-islamische Union der Anstalt für Religion), welche den Bau in Auftrag gegeben hat. Die Ditib ist eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde verbunden. Der 44-jährige Dialogbeauftrage des muslimischen Dachverbandes Ditib, Bekir Alboga, der seit 1980 in Deutschland lebt und hier auch studiert hat, versteht sich als eine Art Brückenbauer zwischen Islam, Christentum und Judentum.

Die Ditib ist seit Jahren bemüht, den Islam mit den Prinzipien einer laizistischen Republik zu versöhnen. Die Ditib spricht sich ausdrücklich gegen Ehrenmord und häusliche Gewalt aus, und betont ausdrücklich, dass die Ursachen dafür keinesfalls im Islam, sondern ausschließlich in archaischen Stammestraditionen zu suchen sind. Bekir Alboga, den man getrost als einen Mann des Ausgleichs bezeichnen kann und der somit alles andere als ein religöser Eiferer ist, traf kürzlich zu einem Gespräch mit dem in Köln lebenden Publizisten und Schriftsteller Ralph Giordano zusammen. In dem Gespräch ging es u.a. auch um den Bau der besagten Moschee in Köln-Ehrenfeld. Giordano rief die verantwortlichen Politiker während dieses Zusammentreffens dazu auf, die Baugenehmigung für die Moschee zurückzuziehen. Der geachtete Giordano, dem wichtige Bücher zu verdanken sind, und der auch als Journalist wie als politisch hellhöriger und engagierter Mitbürger immer wieder gegen rechtsextremistische, faschistische Einstellungen in Deutschland und anderswo mutig seine Stimme erhob oder die Feder zückte, sorgte mit dieser Forderung und anderen undifferenzierten Äußerungen während dieses Gespräches einigermaßen für Befremden.

…was bezweckte Ralph Giordano selbst mit seinen Äußerungen?

Für ihn sei die Integration gescheitert, wetterte der 80-jährige weiter, den Islam überhaupt betrachte er als integrationsfeindlich an sich. Prompt erhielt Giordano – den man nun weiß Gott nicht vorwerfen kann, ein Rechtsextremist zu sein – Beifall aus der rechten Ecke. Daß Giordano darob erschrocken ist, will man ihm abnehmen. Aber wundern kann er sich darüber wohl kaum! Offenbar aus islamistischen Kreisen erhielt er Mordrohungen. Das ist nicht tolerierbar. Klar. Aber was bezweckte Ralph Giordano selbst mit seinen Äußerungen? Was wollte er uns damit sagen? Der angeblichen Integrationsfeindlichkeit des Islam versuchte er während des Gesprächs mit Alboga noch mit der Verwendung eines meines Erachtens für einen intelligenten Zeitgenossen wie Giordano recht geschmacklosen Begriffs Ausdruck zu verleihen. Vor kurzem sei er in Köln zu seinem Erschrecken einer von Kopf bis Fuß mit einer Burka verschleierten Frau begegnet. Sie habe für ihn etwas von einem “menschlichen Pinguin” gehabt. Man will Giordano glauben, wenn er später etwas relativierend erklärt, er habe mit dieser Bezeichnung keinesfalls diese Muslima bzw. andere muslimische Frauen beleidigen wollen. Sicherlich. Besser hätte er sich diese Titulierung gleich ganz verkniffen. So finde ich jedenfalls. Schließlich könnte man durchaus auch eine katholische Nonne als “menschlichen Pinguin” bezeichnen…

Selbstverständlich steht es um die Integration von Migranten, auch gerade muslimischen Glaubens, in unserem Lande nicht zum Besten. Unsere Gesellschaft, die Politik und die Migranten selbst haben da in den letzten Jahrzehnten Fehler gemacht. Der Ursachen dafür sind vielschichtig. Und keine Frage: die Kritik muss auf den Tisch. Aber müssen wir nicht auch nach vorne schauen? In Deutschland leben über drei Millionen Muslime. Auch für sie gilt Religionsfreiheit. Für viele von ihnen ist Deutschland längst zur Heimat geworden. Könnte denn eine Moschee, wie die in Köln-Ehrenfeld geplante, nicht ein Beitrag dazu leisten, dass unsere Mitmenschen islamischen Glaubens hier noch heimischer als bisher werden? Nicht zuletzt, weil sich die Muslime dann möglicherweise auch als Minderheit von der Mehrheitsgesellschaft anerkannter fühlen, als bislang der Fall? Natürlich: eine Garantie dafür gibt es nicht.

Nur mir will nicht in den Kopf, dass offenbar Ralph Giordano das Kritikwürdige am Islam abbauen helfen will und dem Entstehen von Parallelgesellschaften entgegen zu wirken gedenkt, indem er eine ordentliche Moschee verhindert! Sind ihm möglicherweise provisorische wie ominöse Hinterhof-Moscheen im Verborgenen lieber? Sie existieren ja schon jetzt. Wie die Gläubigen ja selbst auch! Sie sind doch nun einmal Teil unserer Gesellschaft. Müssen wir da nicht alles tun, um ihrer Integration voran zu helfen? Wäre das nicht gerade in Köln-Ehrenfeld und mit der vergleichsweise liberal eingestellten und für den Laizismus eintretenden Ditib und der von ihr konzipierten offenen Moschee möglich? Einen Versuch sollte das Wert sein. Bei aller – auch verständlichen – Kritik in der Bevölkerung.

Ralph Giordano hat meines Erachtens mit seinen mißverständlichen Äußerungen eine seltsame, befremdliche, Form der Auffassung des Grundrechts auf Religionsfreiheit offenbart. Der zwischen Islamismus und Islam ausdrücklich unterscheidende Journalist Eberhard Seidel, der sich u.a. mit Rechtsextremismus und Islamismus befaßt, schrieb am 29. Mai 2007 in der tageszeitung (TAZ) über Giordano: “Eine wichtige moralische Instanz demontiert sich selbst. Das ist schade.” In der Tat. Dem ist nichts hinzufügen. Ralph Giordano bleibt jedoch trotzig bei seiner Meinung. Und die ist ja auch sein verbrieftes Recht, das ihn niemand nimmt. In der FAZ schrieb er: “Ich werde meine Ansicht von Meinungsfreiheit auch nicht einem Ungeist anpassen, der sie so anlegt: ‘Alle haben das Recht, ihre Meinung frei auf eine Weise auszudrücken, die der Scharia nicht zuwiderläuft.’ Nein und dreimal nein!”

Kommentare

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  1. Es ist beschämend, wie leichtfertig hier über einen verdienten Mitbürger geurteilt wird, der sicher mehr vom Islam versteht, als alle TAZ-Redakteure zusammen!

    Moscheen haben im Islam mehr als repräsentativ-symbolische Bedeutung. Es sind nach der Lehre Mohameds militärische Stützpunkte im Jihad, dem “heiligen Krieg”. Von ihnen wird niemals eine integrative Wirkung ausgehen.

    Der Islam fordert die Trennung in “Gläubige” und “Ungläubige”, so steht’s im Koran. Wer denkt, eine Großmoschee würde die Integration fördern, ist ein Narr. So zementiert man nur die Parallelgesellschaft.

    Im übrigen wird der Vorbeter der geplanten Moschee in Ankara bestimmt. Der kann dann nicht mal deutsch und hat den Auftrag, die Betenden zur Loyalität gegenüber der Türkei anzuhalten.