Dicht gedrängter konnten die Ereignisse in den vergangenen Tagen kaum sein. Unruhen in Rostock erhitzten noch vor Beginn des G8-Gipfels die Gemüter, die “Woche der Umwelt” im Park von Schloss Bellevue lud dagegen zur ganz und gar friedlichen Schau innovativer Produkte und Konzepte ein und letztlich hat am vergangenen Mittwoch nun der im Vorfeld schon heiß diskutierte G8-Gipfel im Ostseebad Heiligendamm begonnen. Auch an der Readers Edition ist das natürlich nicht spurlos vorbeigegangen. Zahlreiche spannende Artikel, Bilderserien und Videodokumentationen erreichten uns von den einzelnen Schauplätzen. Doch auch abseits weltpolitischer Bühnen tat sich in dieser Woche so Einiges.
Soziales Engagement contra unmenschliche Bedingungen
Bereits am letzten Samstag berichtete uns emperor vom sozialen Engagement, das von hier bis ins ferne Indien reicht. In seinem Artikel “Greencard-Inder gründen eine Hilfsorganisation” zeigt er auf, was sich indische Informatiker und Ingenieure, die ehemals hier in Deutschland arbeiteten, haben einfallen lassen, um ihrem Heimatland aus der Misere zu helfen. Denn obwohl das dortige Bildungssystem eine Vielzahl sehr gut ausgebildeter Kräfte hervorbringt, ist die Rate an Analphabeten in diesem vom Kasten-System geprägten Land nach wie vor erschreckend hoch. Mit der Organisation “Asha-for-hope” sollen unter anderem gute Schulen und Berufsschulen etabliert werden, um diesem riesigen Land nachhaltig auf die Sprünge zu helfen.
Aufwühlend, jedoch auf völlig andere Weise, präsentiert sich dagegen der Beitrag von Ursula Pidun. In “Menschenrecht als Gnadenakt” spricht sie mit Bernhard Docke, Anwalt des ehemaligen Guantanamo-Häftlings Murat Kurnaz. Nach wie vor werden dort immer noch Hunderte “Verdächtige” festgehalten und leiden unter grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlungen. Auch Kurnaz wurde fünf lange Jahre in diesem Lager festgehalten, gefoltert und gedemütigt. In einem sehr aufschlussreichen Interview spricht Docke über seine Beweggründe diesen Fall anzunehmen, die Auswirkungen des elften Septembers 2001, über die Behandlung von Kurnaz nach seiner Rückkehr in die Bundesrepublik, die Hintergründe und Verantwortlichkeiten seiner Inhaftierung und letztlich über die gesellschaftliche Haltung zu diesem Fall.
Der Kampf mit und um die Bilder…
Hintergründig geht es auch bei Malte Olschewski weiter, der eine insgesamt achtteilige Serie zum G8-Gipfel vorgelegt hat. In seinem kontrovers diskutierten zweiten Teil “Globalslang für das Weltvolk: Medien und Sprache” setzt er sich mit der Rezeption von Texten versus Bildern auseinander. Seine These: “Die Sprache hat gegenüber den Bildern an Terrain verloren, da diese bei der Rezeption keinen Intellekt benötigen. Fotos werden per Computer aufgedonnert. Graphiken suchen mit farbigen Pfeilen, Sockeln und Symbolen jedes Thema zu vereinfachen.” Nach Meinung des Autors fehlen jedoch kritische Analysen. Rankings würden zum vorherrschenden Instrument der Bewertung und es scheint in seinen Augen so, als ob dem eingedampften Weltvolk ein globaler Slang eingeübt werden solle.
Über den gezielten Einsatz und die daraus resultierende Wirkung von Bildern denkt auch Alexander Glodzinski in seinem Beitrag “Farben des Widerstandes” nach. Erinnern wir uns zurück. Vorwiegend “schwarze” Bilder prägten die Berichterstattungen vom vergangenen Wochenende, als in Rostock gegen den G8-Gipfel protestiert wurde. Die bunt schillernde Vielfalt friedlicher Demonstranten hat es nicht auf die Titelseiten der Blätter geschafft. Die gewalttätigen Ausschreitungen rund um den Aufmarsch des “Schwarzen Blocks” allerdings umso mehr. Steine und Flaschen flogen. Autos gingen in Flammen auf. Die Situation schien außer Kontrolle. Vandalismus und Gewalt, gewaltbereite Polizei und Brutalität erreichen als erstes die öffentliche Aufmerksamkeit. Diese Bilder üben den scheinbar stärksten Einfluss aus. Es scheint nach Meinung des Autors der einfachste Weg in die Nachrichten und damit der schnellste Weg politische Ansagen zu verbreiten. Ein Tag bunter und kreativer Kampagnen wird so überschattet von der Lust, Gewalt als Mittel des Protestes zu nutzen. Wird die öffentliche Wahrnehmung so massiv verzerrt?
Literatur und Wissenschaft auf der Readers Edition
Geradezu erfrischend erfreulich erscheint da die Botschaft schon wieder eine neue und dazu überaus bekannte Autorin bei Readers Edition begrüßen zu dürfen. Die beliebte Buch- und Theaterschriftstellerin Sibylle Berg, eingefleischten Lesern durch Werke wie “Ein paar Leute suchen das Glück und lachen sich tot” oder “Sex II” ein Begriff, wird künftig regelmäßig ihre “Bergbriefe” hier bei uns veröffentlichen. Ihren Einstieg gab Frau Berg mit “Bergbriefe – Wenn nix zu sagen ist, redet man halt“, weitere Schmankerl sind “Schöne Berufe: Kunsthandwerkerin” und “Sex sells”. Lassen Sie sich in ihre Gedankenwelt entführen oder zu weiterer Lektüre anregen.
Apropos “fremde Welten”: Die Polarstern ist wieder unterwegs. Berichtete vor kurzem noch Prof. Dr. Andreas Macke über die Expedition in zum Teil tropische Hitze im Atlantik, geht es nun in entgegengesetzte klimatische Bedingungen. Mit Schülern, Lehrern und Wissenschaftlern an Bord, geht es diesmal nach Nordnorwegen und Spitzbergen, um europäische Tiefseeökosysteme zu untersuchen. Bis zum 21. Juni können Sie nun mehr aus dem Bordtagebuch von vier jungen Schülern erfahren, bis zum neunten Juli Erlebnisse der Wissenschaftler mitverfolgen und schließlich bis 25. Juli an Erkenntnissen der Lehrer teilhaben.
Der G8-Gipfel in Heiligendamm geht an diesem Freitag zu Ende. Auch die Redaktion der Readers Edition will mit diesem Thema beschließen. Vor wenigen Stunden war bereits in Focus online von einer zufriedenen Angela Merkel zu lesen, die vor allem für die Bereiche Klimaschutz und Afrika eine insgesamt positive Gipfelbilanz zog. Dabei bedauere sie jedoch, dass es zwischen den G8-Staaten sowie den wichtigsten Schwellenländern ncoh kein gemeinsames Vorgehen in Sachen Klimaschutz geben würde.
Und so sprach auch Franz Alt in seinem Artikel von einem “Klimakrieg in Heiligendamm“. In seinen Augen war George W. Bush, trotz vermeintlicher Zugeständnisse, der Blockierer der Stunde, den scheinbar nichts – abgesehen von der US-Ölwirtschaft – an einem Einlenken hindere. Falls sich Amerikas Nummer eins jedoch langfristig durchsetzen sollte, denn auch dieser Gipfel verstrich ohne verbindliche Klimaschutzziele, dann hätte die Welt in Alts Augen verloren.
Die Highlights im Monat Mai…
Zum Abschluss dieses Wochenrückblicks wollen wir Ihnen, liebe Leser, diesmal auch die Artikel des Monats Mai kurz ins Gedächtnis rufen. Der Beitrag “Tagebuch – Mein Leben als arbeitsloser Akademiker” von Gogiyo erhielt mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4.6 Punkten die höchsten Bewertungen unserer Leser. Der Beitrag “Reklame der Gebrechlichkeiten” von TheRealBook folgt mit 4.5 Punkten auf dem zweiten Platz. Der heiß diskutierte Beitrag “Der CO2-Betrug, der größte Skandal der Wissenschaftsgeschichte der Neuzeit!” von Ernst Beck erreichte mit einer durchschnittlichen Bewertung von 4.4 Punkten den dritten Platz. Herzliche Glückwünsche an die drei Sieger-Autoren!
An dieser Stelle diesbezüglich jedoch noch ein Hinweis: In den vergangenen vier Monaten hat die Readers Edition die besten drei Artikel auf Basis der Nutzerbewertungen ausgelobt. Aufgrund der noch immer fehlenden technischen Grundlage für eine transparente und sichere Lösung haben wir uns nun entschlossen, den “Artikel des Monats” bis auf weiteres auszusetzen. Wir haben gesehen, dass die Bewertungen der Nutzer als einziges Kriterium nicht ausreichen, um der Vielfalt der Beiträge gerecht zu werden. Wir planen in Zukunft, zusätzlich die Aufrufe und andere Kriterien in die Bewertung einzubinden und eine Rangliste dauerhaft auf der Seite zu präsentieren. So wird der Wettbewerb um den “Artikel des Monats” für alle Leser und Autoren spannender und transparenter.
Nicht zuletzt tausend Dank an alle fleißigen Schreiberlinge! Die Readers Edition verabschiedet sich hiermit aus dem Best of und ist gespannt auf die kommende Woche.
Ihre Redaktion Readers Edition
Und weil die Zahl der Schreiberlinge wohl nicht aussreicht, werden einfach ungefragt fremde Blogs, die nichts aber auch gar nichts mit diesem Projekt zu tun haben einfach syndiziert. BRAVO!!!!! So wird es gemacht.- Andere Leute arbeiten lassen!