Das soziale Web 2.0 ist Symbol des 21. Jahrhunderts. MySpace, Flickr oder You Tube bedienen ein Riesennetzpublikum. Sie alle haben ein enormes Mitteilungsbedürfnis. Intimste, persönliche Daten werden zur Verfügung gestellt und sind frei erhältlich. Just for free. Der Egotrip im Blog wird jedoch zuweilen teuer bezahlt.
Web 2.0 Anwendungen schaffen die schöne neue Zukunftswelt der globalen Erlebniswelt. Ohne große Webdesignkenntnisse kann heute jeder Texte, Videos oder Bilder ins Netz stellen. Eigene Blogcharts listen die meistverlinkten Weblogs auf, um scheinbare Hilfestellungen anzubieten. Doch der wahre Beweggrund dieser Hilfe ist so banal wie simpel: Money. Web 2.0-User geben viele persönliche Informationen von sich Preis. Jedes Bild, jeder Text, alle Nutzerdaten, die man in irgendeine Onlinemaske eintippt, sind digitale Daten und werden mit hoher Wahrscheinlichkeit von irgendwem (meist Bots), irgendwo gespeichert. Die Blogosphäre ist keine Privatsphäre, sondern totale Öffentlichkeit. Glauben wir Psychiatern und Sozialpsychologen, dann ist der Voyeurismus, also der Hang anonym, aber beobachtend, bei anderen im Wohnzimmer zu sitzen, ein menschlicher Charakterzug, der uns hilft mit Dingen fertig zu werden, vor denen wir Angst haben.
Eine aktuelle Studie der University of Dartmouth zeigt, dass die dominierenden Motive zur Teilnahme an der Blogosphäre, Spaß und Freude am Schreiben sind. Drei Viertel der Befragten berichten über Anekdoten oder Episoden aus ihrem privaten Alltag. 41 Prozent geben auch an, gelegentlich Kommentare zur politischen Situation zu schreiben. Vor allem die Blogger wollen schlichtweg multidimensionalen Gestaltungsfreiraum besitzen, um sehen und gesehen zu werden.
Web 2.0 liefert genaue Angaben zum Surfverhalten
Und sie werden gesehen! (Un-) Heimliche Datenklauer sind im Web am Werk. So gilt die Finanzierung durch Werbung im Webspace schon lange als lukrative Einnahmequelle. Google finanziert sich fast ausschließlich durch Werbeeinnahmen. Aber: Für effektive Werbung braucht man möglichst genaue Nutzerprofile. Und woher kommen die? Genau! Wird beispielsweise auf einer Website ein Account eröffnet, speichert der Server die Daten und beim Nutzer-PC werden Cookies installiert. Google schaffte sich durch den Kauf von Blogger.com, YouTube & Co ein hegemoniales Datenimperium. Nutzerprofile und Surfverhalten sind für Google extrem wichtig. Der Datenhighway des Web 2.0 liefert alle nötigen Daten.
An MySpace.com-Bloggerdaten erfreuen sich besonders auch die US-Geheimdienste. New Scientist berichtet, dass die amerikanische National Security Agency die Netzwerkdaten von MySpace, zur Erstellung von Persönlichkeitsprofilen oder Beziehungsnetzwerken nützt. MySpace mit seinen 80 Millionen Mitgliedern ist ein gefundenes Fressen für das Pentagon, insbesondere nach 11/9. Die Nutzer solcher Freundschaftsnetzwerke geben dort nicht nur persönliche Auskünfte über Vorlieben oder Beruf bekannt, sondern sie vernetzen sich mit Leuten die ähnliche Interessen haben.
Die schöne neue Welt der Web 2.0-Anwendungen schafft ungemeine Freiräume: Aber auch die totale Überwachungsgesellschaft!
Photo Quelle/ Copyright: Ross Mayfield, cc creative commons Attribution-NonCommercial 2.0 (via flickr)
Man muss da gar nicht so weit gehen, es reicht auf diesem Projekt nachzuschlagen. Da werden einfach Blogs ungefragt aggregiert, syndiziert, wohl weil die eigen Anzahl an Artikeln nicht ausreicht. Also: Nase ins eigene Projekt stecken und da mal recherchieren.