Schüler mit der “Polarstern” unterwegs – ein Bordtagebuch 4

Die Polarstern ist wieder unterwegs in eisige Gewässer. Hatte sie vor kurzer Zeit noch in zum Teil tropischer Hitze im Atlantik geforscht (“Mit der “Polarstern im Atlantik unterwegs: Messungen zum Klima und zur Atmosphäre”), ist sie nun auf großer Fahrt nach Nordnorwegen und Spitzbergen, wo die europäischen Tiefseeökosysteme untersucht werden.

Helikopter.JPGDie Polarstern ist wieder unterwegs in eisige Gewässer. Hatte sie vor kurzer Zeit noch in zum Teil tropischer Hitze im Atlantik geforscht (“Mit der “Polarstern im Atlantik unterwegs: Messungen zum Klima und zur Atmosphäre”), ist sie nun auf großer Fahrt nach Nordnorwegen und Spitzbergen, wo die europäischen Tiefseeökosysteme untersucht werden. Die Expedition ist in drei Teiletappen untergliedert, sie verläuft im Rahmen eines lang geplanten Projektes zum Polarjahr 2007/08. Bis zum 21. Juni begleiten vier junge Schüler die Bordwissenschaftler auf ihrer Reise und werden für die Readers Edition davon berichten (2. Etappe [23.6.-9.7.] : Wissenschaftler; 3. Etappe [10.7.-25.7.] : Lehrer). Lesen Sie hier den Wochenbericht von Aline U. Munyaruguru, Rune Erlandsen, Steffen Wittek und Gesche Funk.

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Tag 9 – Mr. Shrimp (69° 43′ N | 16° 43′ E)

Der heutige Tag wurde von einem temporären Nichtstun beherrscht, da wir auf die neuen Wissenschaftler aus Tromsø warten mussten. Diese wurden mit den Helikoptern eingeflogen, womit sie neidische Blicke auf sich zogen.

Da wir niemandem helfen konnten, hatten wir Zeit, eine Beziehung zu einer Garnele aufzubauen, die auf den Namen Mr. Shrimp getauft wurde. Am Abend mussten wir verwundert feststellen, dass es sich bei Mr. Shrimp um eine Dame handelt, die auch noch schwanger ist, bzw. Eier mit sich herumträgt.

Tag 10 – Wale gesichtet – Reloaded (69° 1′ N | 13° 59′ E)

Heute sichteten wir Orca-Wale, die sich bis auf wenige Meter dem Schiff näherten. Das gute Filetsteak, was zu diesem Zeitpunkt auf den meisten Tellern lag, wurde von vielen schnöde im Stich gelassen, um sich dem allgemeinen Bewegungsdrang nach draußen anzuschließen. Diese einzigartige Chance, die Riesen der Meere frenetisch zu bejubeln, mussten wir uns aber erst durch Wasserschleppen und Muschelsortieren in den Morgenstunden verdienen.

Polarstern1.JPGZur Zeit der nicht vorhandenen Abenddämmerung durften wir beim Ausschlachten eines Sedimentkernes helfen, was sich als sehr schlammige, aber lustige Angelegenheit entpuppte. Während einigen, am Schlammspektakel teilnehmenden Individuen eine differenzierte Aussage über die verschiedenen Schlammschichten gelang, fügten sich diese für uns zu einem einzigen Schlammhaufen zusammen. Danach wurden wir zu der Teilnahme an einer Wasserbasketballschlacht im bordeigenen “Wellenbad” aufgefordert, wo uns deutlich wurde, dass die Wissenschaftler sich neben Korallen und Schlamm auch für andere Dinge begeistern können.

Tag 11 – Pinkeln in 400 Meter Tiefe (68° 45′ N | 13° 6′ E)

“Meeting um 2 Uhr”. Diese Nachricht erklang beim morgendlichen Pfannkuchen. Bei diesem Treffen wurde besprochen was in der nächsten Zeit passieren soll. Zu unserer großen Bestürzung soll sich das Wetter ab Dienstag verschlechtern, was sich wahrscheinlich auch negativ auf die JAGO-Tauchgänge (Bemanntes Unterwasserfahrzeug) auswirken wird, wie wir später in unserem Interview mit der JAGO- Crew erfuhren. In diesem stellte sich heraus, dass “unser” kleines Tauchboot auch über eine “Toilette” verfügt. Diese kann man sich als eine Flasche mit dem Fassungsvermögen einer Coladose vorstellen, nicht viel, aber besser als nichts.

Nach erledigter Arbeit haben wir uns “Good Bye Lenin” gegönnt, einen Film aus dem täglichen Abendprogramm.

Tag 12 – Neue Nachrichten von der Shrimp-Front (67° 30′ N | 9° 23′ E)

mrshrimp.JPGZu unserer großen Freude hat Mr. Shrimp in der Nacht zu heute Kinder bekommen. Allerdings endeten diese traurigerweise als Korallenfutter. Beim Austausch des Wassers für unsere Korallen, die glücklicherweise noch am Leben sind, mussten wir eine schreckliche Entdeckung machen: Mr. Shrimp ist aus seinem Aquarium verschwunden! Der Schuldige ist uns bis jetzt nicht bekannt, aber dies ist nur eine Frage der Zeit… . Ein weiteres Mysterium stellt das “Eimerfressende-Monster” dar. Dieses ist in der Lage alle Eimer auf dem Schiff verschwinden zu lassen, sobald man diese ohne Aufsicht zurück lässt.

Aktuelle Position der Polarstern:

http://www.awi.de/de/infrastruktur/schiffe/polarstern/wo_ist_polarstern/

Teil 3 lesen Sie hier: klick

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