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BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

Freitag, den 15. Juni 2007 um 18:01 Uhr von Redaktion Readers Edition
Zur Ruhe kommen - in sich gehen: Mit diesen Gedanken verabschieden wir Sie ins Wochenende. Photo: pixelio.de

Die Tage rauschen vorbei. Auch heute ist es wieder an der Zeit, einmal inne zu halten. Nachzudenken, über das was war, ist und sein wird.

Besonderen Anlass gab in der vergangenen Woche sicherlich eine Person: Rainer Werner Fassbinder. Der Todestag des Enfant terrible des deutschen Films näherte sich am zehnten Juni bereits zum 25. Mal. 1982 starb der große Filmemacher in München. Sein ganzes Leben verbrachte der Ausnahmekünstler auf einem “kreativem Beutezug”. Manche behaupten gar, nach ihm kam in Deutschland nichts Vergleichbares mehr. Wie auch immer man zu ihm und seinem Werk stehen mag, die Readers Edition will es in dieser Woche dem großen Meister gleich tun und ihren “Beutezug” im Kleinen fortsetzen.

Denn wie schön ist es zu sehen, dass sich erneut zahlreiche Autoren zu verschiedensten spannenden Themen geäußert, Diskussionen gefördert und unsere Gegenwart mit ihren Gedanken bereichert haben.

Die Licht- und Schattenseiten der bunten Medienwelt

Mit “Nehm se’n Alten…” eröffnete Claus-Dieter Stille am vergangenen Samstag die neue Runde. Unser Autor erhebt in diesem Text die Stimme für den ehemaligen CDU-Generalsekretär Heiner Geißler, der kürzlich dem globalisierungskritischen Netzwerk Attac beigetreten - und dafür von vielen Medien und der eigenen Partei scharf kritisiert worden war. Im Gegensatz zu großen Zeitungen dieses Landes erklärt er Geißler für politisch hellwach und vor allem weise - lobt seinen festen Stand in der kritischen Brandung. Würden nur mehr Menschen in diesem Land unbequeme Wahrheiten aussprechen, wie der “kluge Mahner” es tut, dann wäre in Stilles Augen gar eine andere Welt möglich.

In eine völlig andere Welt nimmt uns nur kurz darauf Yannick Eckl mit. In “Goldgräberstimmung im Web 2.0” erklärt er uns verschiedenste Möglichkeiten, journalistische Arbeit im Netz auf angenehme Art mit einem gewissen Einkommen zu verbinden. Gewissenhaft stellt er auch dem unkundigen User zahlreiche Seiten und dazugehörige Verdienstchancen auf. Für diejenigen, denen “Pay-per-Click”, “Pay-per-View”, “Trigami” oder “Reviewme” bisweilen wie Böhmische Dörfer erschienen, sei ein kleiner Ausflug in Eckls Beitrag empfohlen und ein Erfahrungsaustausch zu diesem Thema herzlich willkommen.

Den vermeintlichen Schattenseiten des Web 2.0 widmet sich dagegen Roland Kobald in “Social Web als Big Brohter“. Er kritisiert: “Intimste, persönliche Daten werden zur Verfügung gestellt und sind frei erhältlich. Just for free. Der Egotrip im Blog wird jedoch zuweilen teuer bezahlt.” und verweist in diesem Zusammenhang etwa auf eine Studie University of Dartmouth, die die Beweggründe für Aktivitäten im Netz aufzeigt, ebenso wie auf einen Artikel von New Scientist, der berichtet, dass die amerikanische National Security Agency die Netzwerkdaten von MySpace, zur Erstellung von Persönlichkeitsprofilen oder Beziehungsnetzwerken nützt. Sein Fazit fällt dementsprechend negativ aus: Die schöne neue Welt der Web 2.0-Anwendungen würde ungemeine Freiräume schaffen: Aber auch die totale Überwachungsgesellschaft! Schließen Sie sich der Diskussion doch einfach an!

Ereignisse, die die Menschen bewegten…

Doch nun genug aus virtuellen Räumen. Neben dem vergangenen G8-Gipfel in Heiligendamm und der ‘Woche der Umwelt’ in Berlin bewegte ein weiteres Ereignis die Menschen in Deutschland. Während Sebastian Helwig in seiner Reportage Musik, Messe, Massenquartier begeistert von der guten Stimmung auf dem dem kürzlich stattgefundenen Kirchentag in Köln berichtete, nahm sich Gogiyo diesem Ereignis kritisch an. In “Ein falscher Hauch von 68 – Stimmungsbilder vom Kirchentag” nimmt er uns mit auf einen Rundgang durch die angereiste “Gemeinde”, befragt Teilnehmer zu den Themen und eigenen Meinungen rund um das an ein Festival erinnernde Ereignis und wagt auch einen Ausflug zu den großen Bühnen, von denen Angela Merkel und Reinhard Höppner dem Volke predigen. Das eigentliche Ziel dieser Veranstaltung bleibt unserem Autor allerdings verschlossen, wie er selbst anmerkt. Die Neupositionierung der Kirche als humanistisch-kritisches Pendant zu gesellschaftlichen Prozessen wurde hier seiner Meinung nach jedenfalls nicht erreicht. “’Lebendig, kräftig und schärfer’ wollte der Kirchentag sein. Das war hier höchstens die Bratwurst.”

Nach friedlichem Miteinander und gelebter Nächstenliebe wird der Leser bei der Lektüre von Walter BöhmesDemokratie oder Hegdefonds?” brutal in die Realtität Wirtschaftsdeutschlands gerissen. In seinem Beitrag führt er ungeniert Sy Schlüter von der CAI Analyse und Beratungs GmbH vor, der versucht, im Jugendmagazin FLUTER sein Verhalten als Hegdefondmanager zu verteidigen. Sein Vorwurf: Derartige Leute haben sich deutlich von der Wirklichkeit entfernt. Aus maßloser Gier auf Superrenditen heraus richten diese ein bist dato gesundes Unternehmen zu Grunde. Höhepunkt von Schlüters Aussführungen: “Der Aktienmarkt ist für mich Demokratie”. Entrüstet folgt Böhme am Ende Helmut Schmidts Worten “Man darf hier von Raubtierkapitalismus sprechen” und geht sogar darüber hinaus, indem er resumiert: “Dieser neue Kapitalismus ist der gefährlichste Feind unserer Demokratie. Wenn wir ihn jetzt nicht kontrollieren, wird es bald zu spät sein. Spätestens dann, wenn bei den Wahlen wirklich nur noch die Aktienmehrheit zählt.”

Völlig neue Sichtweisen altbekannter Probleme

Eine weitere globale Bedrohung geht unser neuester Autor Thomas Kastura an. Allerdings gekonnt humoristisch und mit einer excellenten Kenntnis der deutschen Literatur. Und so macht er sich Gedanken, wie sich etwa Fausts Osterspaziergang, weitere Werke von Goethe, Rilke oder Uhland in Zeiten des Klimawandels eigentlich verändern müssten. Gesagt getan. Kastura greift kurzerhand selbst zur Feder und dichtet die Klassiker der heimischen Lyrik einfach um. Schließlich sollen diese doch auch in Zukunft plausibel bleiben. Probleme mit Rhythmus und Versmaß können hier jedoch laut Autor einmal getrost außer Acht gelassen werden. Auch der Redaktion bleibt hier nur zu sagen: Ein ernstes Thema aus völlig neuer Perspektive. Erfrischend, anders und vor allem konträr zu allen bisherigen Überlegungen.

Ebenfalls neue Ausblicke und Gedanken ereilten uns dieser Tage von einem weiteren neuen Mitglied der Autorengilde. Leporello gab am vergangenen Donnerstag sein Debüt mit “Erkenne dich selbst – Auf Wellness folgt Selfness“. Und hier wären wir auch schon wieder bei unserem einleitenden Gedanken: Innehalten, zur Ruhe kommen in einer immer schneller werdenden Welt, die von uns allen mehr und mehr Leistung abverlangt. Mit Hilfe des Trendforschers Matthias Horx wird hier dem neuen Trend “Selfness” auf den Grund gegangen. Ein abschließender Ratschlag: “Um komplexen Herausforderungen im privaten wie im beruflichen Umfeld gelassen zu begegnen, bedarf es der eigenen, selbstbewussten Entscheidungsfähigkeit und es müsste selbstverständlich werden, bis ins hohe Alter lernen zu wollen.”

Auch wir wollen diesen Tipp gerne beherzigen. Kurz inne halten - unsere eigenen Stärken und Schwächen erkennen und vor allem an ihnen arbeiten. Und so sind wir auf ein Neues gespannt, was uns die kommende Woche wieder an spannenden Beiträgen und neuen Sichtweisen bringen wird.

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