Apple kündigt das neue iPhone an und versetzt die Konkurrenz der Handyhersteller damit scheinbar in Schrecken. Es geht vor allem auch darum, wer zukünftig das Geschäft mit dem Musikdownload auf Handys macht. Interessant ist dabei auch der Aspekt der Entlohnung der Künstler. Das gilt im Zeitalter der digitalen Veröffentlichung auch für Texte in elektronischer Form, insbesondere für die Wissenschaften. Anders als bei Literatur, lesen eher wenige wissenschaftliche Spezialliteratur. Wozu diese dann noch auf Papier publizieren?
Digitales Bewertungs- und Entlohnungssystem
Früher oder später wird der Urheber geistigen Eigentums im Idealfall nach der Anzahl der Downloads bezahlt und kann bestimmen, wie viel Entgelt er pro “Exemplar” beziehen will. Mancher kreative Schöpfer hat unter Umständen ein größeres Interesse, dass sein Werk von vielen gelesen bzw. gehört wird, und verzichtet aus dieser Motivation her auf eine Bezahlung. Andere entscheiden sich möglicherweise aus Marketinggründen für die kostenlose Abgabe eines Teils ihrer Werke.
Kein Schutz vor Raubkopierern
Überzogene Preise werden kaum verlangt werden, da jedem bewusst sein dürfte, dass es für das Kopieren der Werke ohnehin mittelfristig kein technisches Hindernis geben wird. Jeder Kopierschutz ist relativ schnell zu knacken. Im übrigen wurden und werden auch traditionelle Bücher kopiert, vor allem wenn sie sehr teuer ist. Beliebt ist sogar bei einigen Professoren, das Bestellen der Bücher online bei einem Antiquariat, um das Buch dann gemäß des Rücktrittsrechtes wieder zurückzusenden; nachdem es kopiert wurde.
Geld verdienen oder Bildung für alle
Der Schutz des geistigen Eigentums wird gerne als ein bewahrenswertes Ideal angesehen. Dabei wäre aber zu bedenken, dass in vielen Fällen Menschen wie Professoren oder auch Mitglieder von Staatsorchestern mit Steuergeldern für ihr schöpferisches Wirken bezahlt werden. Oft in einer lebenslang gesicherten Stellung. Warum müssen sich solche privilegierten Zeitgenossen ein zweites Mal am Steuerzahler, der als Nutzer (Student) oder Zuhörer (Orchesterkonzert) zusätzlich für den Zugang zur Hochschule oder den Eintritt in ein Konzert bezahlt wird und somit noch ein drittes Mal beim Kauf von Büchern und Musik bereichern. Ist uns der freie Zugang zu Wissen und Kultur kein Anliegen mehr?
Ausweg über Bezahlung nach Qualität und Erfolg
Für mit Steuergeldern alimentierte Urheber, ließe sich evtl. noch ein Kompromiss finden. Technisch stellt es kein Problem dar, zu registrieren, wie oft ein Werk nachgefragt wird oder wie häufig es in anderen wissenschaftlichen Erscheinungen zitiert wird. Daran anknüpfend ließe sich ein zusätzliches Belohnungssystem für die aktivsten und besten Wissenschaftler, Literaten und Künstler entwickeln. Für frei Tätige kann das Belohnungssystem genutzt werden, um ihnen bei besonderer Wertschätzung durch Leser und/oder durch Gutachtergremien im Sinne von allgemeiner Kulturförderung und gesellschaftlichem Engagement ein zusätzliches staatlich gestütztes Entgelt zu gewähren, um ihnen ihr weiteres Künstler-, Publizisten- und Wisschaftlerdasein zu erleichtern.
Ohne Offenheit keine Wissensgesellschaft
Einen Grund, den Zugang für alle Menschen zu Kultur, Wissenschaft und Kunst mit Entgelten durch hohe Einzelgebühren einzuschränken, gibt es für die weitere Zukunft nicht. Eine Wissensgesellschaft kann sich erst durch Offenheit des Wissens richtig entfalten. Dennoch muss der Urheber nicht verhungern, wenn er zum einen durch ein Grundeinkommen, das jeder Bürger beziehen sollte, und zum anderen durch das beschriebene Prämiensystem für seine Anstrengungen gerecht bezahlt wird. Übrigens kann jeder dann mit Dienstleistungen (Vorträge, Seminare, Workshops usw.), die auf dem angebotenen Wissen beruhen, weitere Einnahmen erzielen, indem er das Wissen aktiv weiter trägt.
Infohinweis:
Lulu arbeitet als digitaler Verlag bereits nach diesem Prinzip, bietet zudem auch die traditionelle Herausgabe von Büchern an.
http://isarblick.net/2007/06/internet/dolce/kauft-google-apple/