Bildungsgutschein – echtes Interesse und Engagement zählen

Für Menschen, die bereits lange Zeit erwerbslos sind, ist die Integration in den Arbeitsmarkt oft schwierig. Meist helfen dann ganz konkrete Weiterbildungsmaßnahmen. Wer, wann Anspruch auf Förderung einer Weiterbildung hat und welche Entscheidungsgrundlage oft eine Rolle spielt, hat Anja Stein grob umrissen. Anja Stein ist eine der persönlichen Ansprechpartnerinnen (PAP)

Anja Stein fördert engagierte ErwerbsloseFür Menschen, die bereits lange Zeit erwerbslos sind, ist die Integration in den Arbeitsmarkt oft schwierig. Meist helfen dann ganz konkrete Weiterbildungsmaßnahmen. Wer, wann Anspruch auf Förderung einer Weiterbildung hat und welche Entscheidungsgrundlage oft eine Rolle spielt, hat Anja Stein grob umrissen. Anja Stein ist eine der persönlichen Ansprechpartnerinnen (PAP) für den Bereich der Fortbildungsmaßnahmen.

.

Interview mit Anja Stein aus Hannover:

Autorin: Hat sich das Angebot an Weiterbildungen verändert?

A.Stein: Das ist dabei, sich zu verändern. Wir merken, dass wir z.B. neue Flyer hereinbekommen und die Schwerpunkte sich ändern. Es ist derzeit im Fluss, daher kann ich es nicht genau sagen ob das jetzt ein Trend ist. Das Jobcenter hat auf jeden Fall mehr Geld zur Verfügung. Vielleicht ist es eine Grundlegende Veränderung.

Autorin: Hat sich die Qualität der Weiterbildungen verbessert?

A.Stein: Das kann ich nicht genau sagen, doch wir hoffen das natürlich. Letzt endlich können wir es langfristig nur darüber sehen, wenn jemand aus einer Weiterbildung kommt, ob er danach in den Arbeitsmarkt integriert werden kann. Oft zeigt sich erst nach Monaten oder manchmal Jahren, ob er mit der neuen Qualifizierung am Markt eine Chance hat.

Autorin: Wonach wählen Sie eine Fortbildung aus und welche Kriterien muss der Erwerbslose erfüllen?

A.Stein: Das wichtigste Kriterium für meine Entscheidung ist, wenn sich jemand tatsächlich interessiert. Ich erlebe es leider oft, dass hier jemand herkommt und sagt: „Sagen Sie mir doch mal, was ich machen soll“. Ich genehmige, wenn jemand sagt: „Ich will das machen“ und mir einen guten Grund dazu liefert, warum er oder sie dafür geeignet ist. Dazu muss ich mich natürlich an gesetzliche Vorgaben halten wie: Hat „der“ jetzt schon die dritte Weiterbildung gehabt oder gar abgebrochen. Hat er schon eine Berufsausbildung gemacht und wie berufsnah ist die Fortbildung. Wie lange ist das her. Für mich persönlich sind 95 Prozent der Hürde, die persönliche Bereitschaft und das Engagement.

Autorin: Hat sich die Zahl der Weiterbildungsträger erhöht oder sind es weniger geworden?

A.Stein: Ich kann es nicht mit Sicherheit sagen. Ich habe das Gefühl, dass es einige gibt deren Spektrum breiter wird. Also Träger, die mehr Maßnahmen anbieten.

Autorin: Wie ist die Situation auf der Anbieterseite von Fortbildungen? Stimmte es, dass viele Anbieter Personal entlassen oder schon „Pleite sind“?


A.Stein:
Ich denke, dass es ein heiß umkämpfter Markt ist. Ich nenne ihn auch bewusst so weil wir als Jobcenter auch massiv damit zu tun haben, wie weit die sich „künstlich aufblähen“ oder wie weit die Pleite gehen. Wir schieben ganz viele Maßnahmen an,. Das sind ungeheure Kapazitäten aber die Frage ist, werden wir weiterhin diese Seminare besetzen können. Damit steht und fällt wie viel Hauptamtliche die dort beschäftigen können. Es wird immer wieder mal gemunkelt, dass sich der ein oder andere in den Zahlen vergreift, mit denen er hantiert. Wir haben hier eine Menge KollegInnen die jetzt reingekommen sind, die ehemals bei Weiterbildern gearbeitet haben und jetzt „PABs“ (persönlicher Ansprechpartner) sind.

Autorin: Ist es eine gute Entscheidung gewesen, einen Erwerbslosen mit einem Bildungsgutschein loszuschicken, um sich selbst um eine geeignete Weiterbildung zu bemühen?

A.Stein: Ich denke: „Was ist zuerst da? Das Huhn oder das Ei“. Ob man nun ohne oder mit losgeht und sucht sich etwas, ist eben letztendlich nichts anderes als „Huhn oder Ei“. Wichtig ist, was davor passiert, nämlich: Will ich das machen; interessiere ich mich dafür; bin ich bereit dafür rumzulaufen; möchte ich mich engagieren usw. Das liegt an dem, der ihn mitnimmt oder hinterher abholt.

Autorin: Ist die Zahl der Teilnehmer an finanzierten Weiterbildungen rückläufig oder steigt sie?

A.Stein: Wir sind dazu angehalten und tun unser Bestes, die hier im SGBII Bereich sind in Weiterbildung zu entsenden, damit sie eine Chance haben wieder in den Arbeitsmarkt integriert zu werden. Bei uns sind die Zahlen und da werden wir ganz streng überwacht, Steigend.

Collage/ Interview: Amina Runge

Artikel veröffentlicht im Rahmen des ersten deutschen Weiterbildungstages.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Bisher galt eigentlich immer eine sehr zuverlässige Daumenformel. Finanziert das Arbeitsamt eine echte Umschulung, ist der Beruf nach Abschluss der Maßnahme out, oder die traditionellen Ausbildungswege haben bis dahin besser Qualifizierte hervorgebracht, oder es werden dann ungelernte wegen Kostenersparnis eingesetzt, oder die Arbeit ist körperlich so belastend das die 50jährigen Umschüler, binnen weniger Monate alle Berufskrankheiten sammeln die dieser Beruf so hergibt. Das weiß wiederum der Personalchef und stellt die erst gar nicht ein. Was in der Rückkoppelung dann wieder Frust erzeugt und wenn die Mitarbeiter im Arbeitsamt ganz mies drauf sind auch noch mit der Unterstellung der Unwilligkeit garniert wird.