Bei all den Zwistigkeiten rund um verschiedene Glaubensrichtungen, Kulturen und Meinungen, scheint es an dieser Stelle geradezu wohltuend, den Blick auch einmal auf Aktivitäten zu richten, die zu Kommunikation, Austausch und damit zum besseren Verständnis füreinander einladen.
Hierfür muss der geneigte Leser sein Augenmerk lediglich in die unterfränkische Universitätsstadt Würzburg lenken. Denn dort ist der Sitz des Gemeinde- und Kulturzentrum “Shalom Europa” – ein Haus mit weit geöffneten Türen…
Der 23. Oktober 2006 oder nach jüdischem Kalender der 1. Cheschwan 5767, wird demnach wohl vielen noch lange in Erinnerung bleiben: Nach fünf Jahren Bauzeit konnte damals die Jüdische Gemeinde in Würzburg und Unterfranken gemeinsam mit dem Initiativkreis Shalom Europa auf die Vollendung eines Projekts blicken, das bis dato Seinesgleichen sucht: Ein großzügiger Gebäudekomplex, der sowohl den Anforderungen an eine stetig wachsende Gemeinde als auch einer weit über die Region hinausreichenden Vision gerecht wird.
Denn, so Rosa Grimm, Geschäftsführerin der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Würzburg und Unterfranken e.V., “Nachdem die jüdische Gemeinde seit Anfang der 90er durch zahlreiche Emigranten aus der ehemaligen Sowjetunion immer größer wurde und entsprechende Räume fehlten, gibt es nun Platz für religiöse Feste und einen Ort, an dem die Gemeinde zusammen kommen kann.”
Das Konzept ist ein ganzheitliches…

Im Museum können Besucher nicht nur einen Teil der 1504 so genannten “Judensteine aus der Pleich” bewundern – übrigens, die größte mittelalterliche Sammlung weltweit – sondern auch Einblicke in das moderne jüdische Leben, genauso wie Informationen zum dunkelsten Kapitel der jüdischen Geschichte gewinnen. Ebenso findet sich, neben der 1970 eingeweihten Synagoge, auch eine, gemeinsam mit der Ronald S. Lauder Stiftung errichtete Jugendbegegnungsstätte für junge Juden aus ganz Europa. Daneben bieten 90 Gästebetten, eine koschere Küche sowie ein Gemeindesaal für knapp 400 Personen Raum, jüdisches Leben zu erfahren.
Zentrale Auskunftsstelle für jüdische Geschichte und Religion
Das von Stadt und Bezirk betriebene Dokumentationszentrum ist ebenfalls fester Bestandteil: Als zentrale Auskunftsstelle für jüdische Geschichte der Region, will es mit Veranstaltungen, Führungen und Vorträgen jüdische Kultur näher bringen. Auch ein Informationsdienst, der deutschstämmigen Juden bei der Rekonstruktion ihrer Familiengeschichte hilft, gehört zum Angebot. Geplant sei außerdem eine Ganztagsbetreuung für jüdische und christliche Schüler, ergänzt Rosa Grimm.

Das Gemeindezentrum biete somit nicht nur die Möglichkeit, kulturelle Bedürfnisse auszutauschen, sondern leiste – und das sei entscheidend – auch praktische Lebenshilfe. Unterfrankens Hauptstadt rückt nun wieder ins europäische Blickfeld: Mit “Jüdischkeit” als Grundidee, wird Integration ebenso betont wie der Dialog mit der nichtjüdischen Öffentlichkeit und die Einladung junger Menschen, jüdische Kultur und Tradition kennen zu lernen.
Dieser Tanz um ein kleine Glaubensgrupe, die ohne Schwierigkeiten ortsprägende Gebäude errichten können, ist eine schallende Ohrfeige für die vielfach grössere Gruppe der islamischen Gläubigen, die man am liebsten in Keller und Hinterhöfe verbannt wissen will.
Von daher kann man die deutschlandweite Synagogenbaukampagne nur mit grosser Sorge sehen, es sei denn die islamischen Gläubigen dürften mit gleicher Selbstverständlichkeit ihre Zentren errichten. Leider sind wir davon noch weit entfernt und so entstehen völlig unnötig neue, dann leider sogar rational begründbare, Konfliktherde.