BEST OF READERS EDITION – eine Wochenbilanz

“Das Merkwürdigste an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit später die gute alte Zeit nennen wird”, sagte einst einer der erfolgreichsten US-amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts, der Pulitzer- und Nobelpreisträger John Steinbeck. Doch eines gleich vorweg: Unser heutiger Wochenrückblick soll nicht unter Wehmut und mit sehnsuchtsvollem

time“Das Merkwürdigste an der Zukunft ist wohl die Vorstellung, dass man unsere Zeit später die gute alte Zeit nennen wird”, sagte einst einer der erfolgreichsten US-amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts, der Pulitzer- und Nobelpreisträger John Steinbeck.
Doch eines gleich vorweg: Unser heutiger Wochenrückblick soll nicht unter Wehmut und mit sehnsuchtsvollem Blick in besagte Zukunft stattfinden, in der wir ja bekanntlich alles Vergangene nur noch mit getrübtem Auge betrachten. Nein, er soll anerkennend und mit klarem Urteilsvermögen all jene Autoren herausstellen, die auch in diesen Tagen mit ihren kritischen Stimmen, ihren Blicken abseits des Alltags oder ihren scharfen Beobachtungen die Readers Edition belebt und die Kommunikation gefördert haben.

Große Ereignisse und ihre Nachwehen…

So schrie es dem gespannten Besucher bereits am vergangenen Samstag in großen Lettern entgegen: “HEILIGENDAMM IST ÜBERALL“. Nun, der G8-Gipfel mag zu diesem Zeitpunkt zugegebenermaßen schon ein paar Tage vorbei gewesen sein, doch die Eindrücke und Erlebnisse wirken immer noch nach. Volly Tanner sorgte deshalb auch in seinem Interview mit dem Studenten Jens T., der bei den Demonstrationen in Rostock Augenzeuge war, noch einmal für eine kritische Rekapitulation der Ereignisse. Schockierende Bilder wurden wach – die Frage nach der deutschen Rechtsstaatlichkeit und dem Demokratieverständnis unserer Polizisten laut. Eine Diskussion, die bei weitem über das aktuelle Geschehen hinausgehen könnte…

Stephan Reber gibt ebenfalls Anregungen für die Zukunft. In “Apple und das Urheberrecht” stellt er genau dieses zur Debatte. Seine These: “Früher oder später wird der Urheber geistigen Eigentums im Idealfall nach der Anzahl der Downloads bezahlt und kann bestimmen, wie viel Entgelt er pro ‘Exemplar’ beziehen will.” Wird das elektronische Publizieren nun zunehmend auch für Autoren der alternative Weg, ihre Kunst oder wissenschaftliche Arbeit an den Leser zu bringen? Denn einen Grund, den Zugang für alle Menschen zu Kultur, Wissenschaft und Kunst mit Entgelten durch hohe Einzelgebühren einzuschränken, gebe es in seinen Augen für die weitere Zukunft nicht. Eine Wissensgesellschaft könne sich vielmehr erst durch Offenheit des Wissens richtig entfalten. Sein Hinweis auf das neue Portal Lulu zeigt hier bereits einen neuen Weg. Auch wir sind gespannt, wie sich der Markt dahingehend entwickeln wird und bleiben natürlich am Ball.

Tiefe Einblicke – politisch und privat…

Offensichtlichen Anlass am Ball zu bleiben, hatten allerdings auch unsere Autoren nach der kürzlich vollzogenen Gründung der neuen Partei “Die Linke” am vergangenen Samstag. War nun Aufatmen angesagt oder gibt es bereits Anlass zur Sorge? Wie wird sich die “Neue” unter der Führung von Oskar Lafontaine und Lothar Bisky etablieren? Fakt scheint: Dieser Schritt wird die parteipolitische Landschaft in Deutschland gehörig auf den Kopf stellen. Georg Erber befasste sich bereits einen Tag nach dem Großereignis in “Die neue Linke: Winds of Change” mit diesen Gedanken. Seine Hoffnung: “Die neue Linkspartei (…) hat nun die Chance sich (…) der Verteilungsfrage unter dem Schlagwort Soziale Gerechtigkeit glaubwürdiger als die SPD zu widmen.” Wie auch immer der Einzelne nun die Sache sehen mag, das politische Pendel, von dem Erber am Ende seiner Ausführungen spricht, ist wohl definitiv in Bewegung geraten.

Da tut es gut, den Blick auch einmal ins Private abschweifen zu lassen. Denn auch abseits großer politischer Bühnen gibt es Dinge, die uns Menschen bewegen. Unsere Autorin Amina Runge steigt zwar mit ihrem Titel “Kinder sind Monster – Bilderbuchfamilien out?” recht provokant in das Thema ein, doch schon sehr bald wird klar, dass ihr Beitrag wie Balsam auf der Seele gestresster Eltern wirken könnte. So stellt sie zwar gleich zu Beginn fest, dass Kinder durchaus viel Arbeit bereiten, so manch Elternteil überfordert vor so manch haariger Situation steht oder die gemeinsame Zeit mit der Familie oft gar außerordentlich knapp bemessen ist, doch sollten Eltern in Anbetracht von Supernanny und Co. gleich das Handtuch werfen und anfangen zu zweifeln? Sie versucht durch uns zurückzuholen auf den Boden der Realität. Schluss mit dem Hinterherhetzen künstlich geschaffener Idyllen. Die Autorin verschafft durch einen kleinen Mitschnitt aus dem Leben einer Kleinfamilie das Bild von uns als Eltern oder Teil einer Familie wird ins Rechte Licht zu rücken und zeigt so auf, wie es funktionieren kann – ganz ohne Ratgeber und Flimmerkiste. Frei nach dem Motto: Nobody is perfect!

Reizvolles für unsere Ohren bietet in dieser Woche auch Christine Münch. “Pure Verführung!” schmettert sie uns am vergangenen Montag entgegen. Ein Schelm, wer jetzt zweideutige Gedanken hegt… Nein, das sollte kein Vorwurf sein, denn diese sind in einem solchen Fall durchaus berechtigt. Verschreibt sich unsere Autorin sonst eher der Welt der Bücher, hat sie sich dieses Mal ein Hörbuch der besonderen Art herausgegriffen. In der Lyrik-Anthologie “Sinnenrausch: Erotik und Wein” kommen wohl all jene auf ihre Kosten, die sinnliches und habtisches Erleben auch gerne mal auf literarischer Ebene unterstützt wissen. Münch garantiert uns ein Abtauchen in eine “sinnlich-berauschende” Gedankenwelt mit betörender Musik im Hinter- und eindrucksvollen Texten aus zwei Jahrhunderten Literaturgeschichte im Vordergrund. Wer nun Lust auf mehr bekommen hat – unserer Autorin ging es wohl so – der kann sich an dieser Stelle schon gleich ihrem zweiten Ausflug in die Hörbuchwelt anschließen.

Genug der Harmonie?

Am letzten Mittwoch sah es auf der Readers Edition schwer danach aus. Unter dem Beitrag “Klima-Kritik: Daten- und Grafikmanipulation” von Urs Neu ging es jedenfalls kontrovers zur Sache. Wir erinnern uns an einen Beitrag von Ernst Beck Anfang Mai. Dessen These: “Der CO2-Betrug, der größte Skandal der Wissenschaftsgeschichte der Neuzeit?” Schon damals waren die erhitzten Gemüter kaum zu bändigen. Die Debatte zog weitläufige Kreise. Urs Neu holte nun zur Gegendarstellung aus und will zeigen, dass diese Kurven in unzulässiger Weise manipuliert und nicht die von Beck behaupteten Inhalte repräsentieren würden. Sein Resumée: “Angesichts der Tatsache, wie Beck Daten und Grafiken nach Gutdünken verändert, manipuliert und ergänzt, kann auch die Darstellung einer grossen Zahl von beliebig zusammengewürfelten CO2-Messungen nicht ernst genommen werden.” Die Diskussion auf der RE geht hoffentlich weiter, denn ganz unserer Philosophie entsprechend, kommen beide Seiten zu Wort.

Für weltweiten Aufruhr sorgte mit Sicherheit auch der erneute Selbstmordanschlag in Bagdad, bei dem kürzlich wieder 75 Menschen ihr Leben verloren. Anlass genug für Johann Schewe sich in seinem Kommentar “Im Iran ist das Volk nicht Souverän” mit der dortigen Situation auseinanderzusetzen. Zwar hat auch er keine Lösung des Konflikts parat – das scheint auch nicht das Ziel –, doch Denkanstöße gibt es reichlich. So verweist er in seinen Ausführungen auf ehemalige innerstaatliche Konflikte etwa in Ex-Jugoslawien und auf die möglichen Ursachen des Konflikts zwischen Schiiten und Sunniten durch die einst willkürliche Grenzziehung der Briten. Dort in Jugoslawien jedoch, habe man letztlich den Willen der einzelnen Volksgruppen respektiert – das Land geteilt. Für den Irak stehe das allerdings im internationalen Diskurs überhaupt nicht zur Debatte. Letztlich scheint es für ihn auch äußerst unwahrscheinlich, dass die USA, selbst unter demokratischer Führung, aus dem Irak abziehen würde, solange die Frage nicht gelöst würde, bzw. die regionale Macht des Irans im Mittleren Osten nicht eingedämmt worden sei. Also, alles eine Frage des Öls?

Es bleibt also abzuwarten, ob wir in einigen Jahren John Steinbrücks Worten wirklich zustimmen können. Eines scheint aber schon jetzt gewiss. Die Readers Edition blickt nun erst einmal gespannt in die kommende Woche.

Ihre Redaktion Readers Edition

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*