Am Anfang war das Wort. Wo das in der Internetsprache gebräuchliche “gefaked” eindeutig auf das englische “to fake” (fälschen, täuschen) zurückzuführen ist, scheiden sich bei “getürkt” oftmals die Geister. Ein Begriff, der schnell zur Hand ist und leicht über die Lippen geht, der aber gleichzeitig prompt eine Diskussion um die Political Correctness anwerfen kann. Und doch haben die zahlreichen etymologischen Ansätze keinerlei Bezug zum gedanklich gezeichneten Bild vom schnurrbärtigen anatolischen Gemüsehändler, dem man Hinterlistiges andichten wollte.
Die berühmteste aller Vermutungen geht auf einen vermeintlichen Schachroboter aus dem Jahr 1769 zurück, der in Gestalt einer traditionell türkisch gekleideten Puppe seine Gegner reihenweise matt aussehen ließ. Tatsächlich aber steckte ein kleinwüchsiger Schachmeister in der durchdachten Maschinerie. Der Schwindel flog auf, hatte seinen Urvätern aber in der Zwischenzeit über Jahrzehnte hinweg treue und ertragreiche Dienste geleistet.
Die Türken kommen…
War “getürkt” danach noch lange Zeit eine unverfängliche Beschreibung, ist er heute zu einem Begriff verkommen, bei dessen Aussprache sich jeder zwei Mal umschaut, um sich zu vergewissern, dass sich auch bloß niemand persönlich angegriffen fühlt. Denn seit Mitte der fünfziger Jahre hat sich die deutsche Gesellschaft auch durch äußere Einflüsse gewandelt: Gastarbeiter kamen ins Land; und seit Anfang der sechziger Jahre ist es plötzlich nicht mehr unwahrscheinlich, dass gerade ein türkischer Mitbürger in der Nähe ist, wenn mit “getürkt” ein zweifelhafter Umstand beschrieben wird. Sie kamen als Gastarbeiter, wollten sich hier das Geld für ein Haus oder eine Existenz in der Türkei verdienen und schon bald wieder in ihre geliebte Heimat zurückkehren; doch sie blieben – trotz aller Schwierigkeiten, die sich in einem völlig neuen Land und in einer für diese Menschen bislang völlig fremden Kultur ergaben. Es waren einfache Leute, die sich auf den Weg machten, um für sich und ihre Familien neue Perspektiven aufzutun: Bauern, Tagelöhner, Gescheiterte. Das aufblühende Deutschland machte es möglich, dass allein die körperliche Tüchtigkeit dazu befähigte, in ein Land reisen zu dürfen, auf dessen Bahnsteigen die Ankömmlinge von einer Musikkapelle begrüßt wurden. Sie bekamen eine Arbeit, wurden für türkische Verhältnisse üppig entlohnt und hatten ein Dach über dem Kopf – anfangs in Arbeiterunterkünften, Heimen, Baracken. Bewerber für die zahlreichen Kohlezechen im Ruhrgebiet und im Rheinland wurden gemustert, indem ihre Handinnenflächen kontrolliert wurden. Waren sie übersät von Narben und Schwielen, war dies für die Anwerbeagenturen ein klares Indiz dafür, dass der jeweilige Bewerber bereits handwerklich und körperlich gearbeitet hatte; und war somit geeignet. Dies sprach sich schnell herum unter den Bewerbern, so dass es üblich war, dass diejenigen unter ihnen, die noch unverbrauchte Hände hatten, sich mit einer Stange die Narben und Schwielen selbst zufügten, um bei der ärztlichen Prüfung als tauglich durchzugehen.
Die erste Generation der türkischen Einwanderer fand ihr tägliches Brot überwiegend in den zahllosen Fabriken und Zechen der aufstrebenden Schwerindustrie.
“Du Türke – isch nix!”
Der Alltag war geregelt. Man blieb unter sich – stets das Ziel vor Augen, bald wieder in die Heimat zurückzukehren. Entsprechend waren die Ambitionen, sich in der deutschen Gesellschaft zurechtfinden zu wollen; nämlich dürftig. Die sprachliche Barriere und auch die Scheu vor den Deutschen hat es so manch einem Türken den Gang zum Postamt zu einem innerlichen Martyrium werden lassen, so dass mancher geschriebene Brief an die Liebsten unfrankiert und liegen blieb. Arbeitsanweisungen wurden entweder durch die wenigen Dolmetscher übersetzt, per Körpersprache kommuniziert oder mit dem allgegenwärtigen Infinitiv ausgedrückt: “Hasan, Du kehren hier. Nix kehren da. Hasan, Du kommen.” Für die sprachliche Förderung ein Todesstoß. Noch heute haben viele türkische Einwanderer der ersten Generation mit Sprachschwierigkeiten zu kämpfen.
Im Schlaraffenland.
Als später die anfänglichen Hemmschwellen zu bröckeln begannen, folgte darauf das Ausreizen der neuen Freiheiten. In der Heimat noch einfache bescheidene Bauern, kleideten sich die neuen Mitbürger aus Anatolien adrett wie die Intellektuellen der Türkei. Anzug, Krawatte und Hut prägten bald das Bild des “Almanyali” (Deutschländer), wie sie später in der Türkei genannt wurden. Sie kosteten ihr Leben aus – auch trotz der nach wie vor bestehenden Sprachschwierigkeiten. Deutsche Frauen gesellten sich zu ihnen, zu den Familienvätern, die plötzlich wie freie Junggesellen wirkten. Das erste Auto wurde angeschafft. Stolze Fotoaufnahmen nebst Gefährt und Geliebte entstanden. Im Heimaturlaub scharten sich die Dorfkinder um die Almanyalis herum, und jedes von ihnen wurde für die entgegengebrachte Aufmerksamkeit mit Barem belohnt. Und dieses Bild wiederum weckte bei denen, die noch im Lande geblieben waren, Begehrlichkeiten. Es wurde ein Ideal von einem Land gezeichnet, in dessen Bächen scheinbar Honig floss. Und da die Almanyalis auch weiterhin Almanyali bleiben wollten, holten sie bald ihre Familie nach – die deutschen Gesetze machten es ihnen irgendwann möglich. Und mit ihnen zog die zweite Generation der Einwanderer ins Land.
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Lesen Sie in “Getürkt 2.0″, wie die zweite Generation der Einwanderer die türkische Gesellschaft in Deutschland geprägt hat.
Gut, sehe ich genauso!
aber warum Sprechen unsere Türkischen Mitbürger der 1 Generation nicht gut oder nur gebrochen Deutsch?
warum ist das so?
ich möchte meine Sicht der dinge erklären! als der 30 Jahre alte Mehmet vor 35 Jahren allein nach Deutschland kam wurde er vom AA an eine entsprechende Stelle vermittelt, z.B in die Baubranche oder wie bereits erwähnt in Kohlebergwerke.
nachdem die 1 Generation noch den Plan hatte “Geld verdienen und dann wieder zurück” haben sich unvorhersehbares entwickelt
Mann holte (paar Jahre später) seine Ehefrau nach vll. auch sein Kind der/die hier zur Schule gehen sollen.
die älteren haben nun recht schnell erkannt das es nicht reicht einfach nur mit einem Job Geld zu verdienen es musste mehr verdient werden um sein Ziel zu erreichen (früher nach Hause zu kehren).
also suchten sich unsere Eltern einen Nebenjob und gingen ihrer Beschäftigung für weniger Qualifizierte Arbeitsstellen wie z.B als Putzleute, Küchenhilfen etc.. nach.
was wurde aus den Kindern? wenn die Eltern vom Regulären Job in Neben Job eilten?
die wuchsen in aller Regel als Schlüssel Kinder auf.
Schulische Unterstützung vom Elternhaus?
Fehlanzeige weil die Sprechen die Sprache nicht, ein Elternabend ist etwas was den Lehrer und die Eltern gleichermaßen frustriert haben muss.. aufgrund der Verständigung Barrieren.
was blieb den Lehrern übrig ?
die kinder eigneten sich aufgrund ihrer ” fehlenden Hauslicher Unterstützung” nicht für höhere Schulen (Gymnasium ist nicht —> ihr Sohn muss auf die Hauptschule.
wozu hat der umstand geführt?
Getto Bildung keine Mischung der Verhältnisse Reich und Arm, Deutsche und Ausländer sind schön in klassen getrennt worden.
nicht Deutschsprechende seit 35 Jahren hier lebende Menschen die weder hier noch “zuhause” willkommen sind. Die ihr Leben als Batterie verwirkt haben.
durch frußt geplagt für alles eine Dolmetscher zu Brauchen, auf schiefe Blicke zu ernten weil man andere Bräuche hat, oder Familiäre Traditionen versucht zu Pflegen Sprich weil man halt einfach “anders ist”
hätte es einen Richtigen Weg gegeben?
Ja! den Eltern hätte es ermöglicht werden müssen einen Deutschkurs zu besuchen und trotzdem aber würdig leben zu können (keine Sozialhilfe) die Arbeitgeber hätten ihrer Ausländischen Mitarbeiter weitreichende Unterstützung zu gewähren das es Zeitlich möglich ist die Landes Sprache zu erlernen.
stattdessen verwunderte mich es immer wieder wie Deutsche scheinbar ihre eigene
Sprache verlernen wenn sie mit einem “Ausländer” der seit 35 Jahren hier lebt sprechen.
mich wundert es nicht und Aufregen braucht sich drüber keiner wenn es einfach ein Hausgemachtes Problem ist.
und mittlerweile Stellt sich nicht die frage ob die 1 Generation nachhause will denn viele sind bereits zuhause oder leben ihr Rentenaltern halbjährlich in der Türkei.
was ist mit den Kindern? nun sieht es so aus das die die den Sprung geschafft haben nicht die Absicht haben zurück zu kehren warum auch? die meisten sind hier Geboren die kennen ihre “Heimat” nur aus dem Urlaub, die eigene Muttersprache ist verkümmert wenn sie glück haben beherrschen sie ein gutes Deutsch.
es ist schwierig aber im Herzen verspüre ich auch den Wunsch “nach Hause zu kehren aber was erwartet mich dort? werde ich willkommen geheißen und bekomme eine Job und kann ganz normal weiterleben kann mein Sohn eine gleichwertige Schule besuchen und wenn Ja findet er gleich Anschluss? oder werde ich mit vorwurfsvollen Blicken begrüsst die mir sagen was willst du hier du Almantürk? etwa den dicken raushängen lassen der alles besser weiß?
naja für mich ist es schwierig.