Der Film “The Great Global Warming Swindle”, produziert vom britischen TV-Sender Channel 4, ist uns bekannt. Der Zweck dieses Videos ist nicht eine wissenschaftliche Dokumentation, sondern offensichtlich die Verbreitung einer Aussenseiter-Meinung. Bei den im Film erwähnten “Fakten” handelt es sich in allen Fällen um Aussagen, die entweder längst wissenschaftlich untersucht und widerlegt worden sind oder die auf falschen oder unlogischen Schlussfolgerungen beruhen (siehe untenstehende Beispiele).
Die meisten der im Film gezeigten Wissenschafter und Journalisten sind seit vielen Jahren bekannt für ihre Ablehnung des menschlichen Einflusses auf das Klima. Wenn Sie wollen, können Sie für jede wissenschaftliche Erkenntnis irgendwo auf der Welt ein paar “Experten” finden, die vor der Kamera das Gegenteil behaupten, und diese Aussagen zusammenschneiden. Ebenso gut wäre es z.B. möglich, einen gleichartigen Film zu produzieren, in welchem “gezeigt” wird, dass die Erde flach ist, die Erde nur 8000 Jahre alt ist, es keine Evolution gibt, usw. Einige der im Film auftretenden Wissenschaftler (z.B. Singer und Lindzen) behaupten beispielsweise auch, dass Rauchen unschädlich sei und keinen Zusammenhang mit Lungenkrebs habe.
In Einzelfällen werden im Film auch aus dem Zusammenhang gerissene Zitate in einer Art gezeigt, dass ein falscher Eindruck entsteht. Prof. Carl Wunsch hat sich von der Art und Weise, wie seine Aussagen zum CO2-Austausch mit dem Ozean im Film verzerrt worden sind, öffentlich distanziert.
Nachfolgend noch beispielhaft einige kurze Kommentare zu Aussagen im Film:
“Der Verlauf der CO2-Konzentration und der Temperatur im 20. Jahrhundert stimmen nicht überein”.
Diese Aussage ist zwar richtig, hat aber keine Bedeutung, denn eine solche Übereinstimmung ist auch nicht zu erwarten. Das Klima wird von verschiedenen, auch natürlichen Faktoren, beeinflusst. Dies wissen wir aus der Vergangenheit, als sich das Klima auch ohne menschlichen Einfluss verändert hat. Wenn sich mehrere Einflussfaktoren gleichzeitig verändern, folgt die Temperatur nicht einem bestimmten Faktor, sondern der Summe der Einflüsse. Die globale Temperatur ist z.B. zwischen 1940 und 1970 unter anderem deshalb gesunken, weil die Partikelkonzentrationen in der Atmosphäre (v.a. Schwefelemissionen) in diesem Zeitraum stark angestiegen sind. Über die letzten 50 Jahre hat sich hingegen keiner der anderen bekannten Einflussfaktoren ausser der Treibhausgaskonzentration nennenswert verändert, so dass davon ausgegangen werden muss, dass der gegenwärtige Anstieg aufgrund der Treibhausgase erfolgt.
“Die Troposphäre sollte sich gemäss den Klimamodellen stärker erwärmen als die Erdoberfläche, tut es aber nicht.”
Der erste Teil dieser Aussage ist richtig, der zweite ist falsch. Zwar zeigten die Satellitendaten vor einigen Jahren in der Troposphäre (d.h. den untersten paar Kilometern der Atmosphäre) eine weniger starke Zunahme, doch war dies nur der Fall, weil die Herren Spencer und Christy, die beide im Film ebenfalls auftreten, mehrfach falsch gerechnet hatten (unter anderem ein simpler Vorzeichen-Fehler). Nach der Korrektur dieser Fehler zeigen die Daten in der Troposphäre nun einen ähnlichen Anstieg wie an der Erdoberfläche. Unabhängige Berechnungen anderer Wissenschafter ergeben einen stärkeren Anstieg in der Troposphäre, so wie die Modelle das voraussagen.
“Die Eisbohrkerne aus der Eiszeit zeigen, dass der Anstieg des CO2 erst 800 Jahre nach dem Anstieg der Temperatur erfolgt, also kann CO2 nicht die Ursache des Anstiegs sein.”
Der erste Teil der Aussage ist grundsätzlich richtig, die Schlussfolgerung falsch. Die CO2-Konzentration und die Temperatur beeinflussen sich gegenseitig, es handelt sich um einen so genannten Rückkopplungsprozess. Eine höhere CO2-Konzentration erhöht den Treibhauseffekt und damit die Temperatur, eine Erhöhung der Temperatur führt unter anderem zu einer Veränderung der CO2- Aufnahme im Ozean (wärmeres Wasser kann weniger CO2 aufnehmen) sowie zu Veränderungen in der Biosphäre und damit über einen längeren Zeitraum zu einer Erhöhung der CO2-Konzentration in der Luft. Erhöht sich also die Temperatur, so wird die CO2-Konzentration erhöht, was zu einer weiteren Erhöhung der Temperatur führt, usw. Dieser Prozess wird erst gestoppt, wenn ein äusserer Einflussfaktor zu einer Umkehr führt. In der Eiszeit wurde die Temperaturänderung durch Veränderungen in den Erdumlaufparametern (Winkel und Lage der Erdachse u.a.) in Gang gesetzt und später durch die Rückkopplung mit dem CO2 verstärkt. Die gegenwärtige Erhöhung der Treibhausgaskonzentration erfolgt nicht aufgrund einer solchen Rückkopplung, sondern wissenschaftlich nachweisbar durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe. Somit ist in diesem Fall die Erhöhung der CO2-Konzentration der auslösende Faktor.
Solche und ähnliche falschen Argumente werden seit vielen Jahren von den so genannten Klimaskeptikern, wie sie im Film zu sehen sind, immer wieder von neuem aufgetischt, auch wenn sie sich längst als nicht stichhaltig erwiesen haben.
Urs Neu, ProClim- (SCNAT)
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“The Global warming swindle” im Original, [Erstausstr.: 8.3.2007 auf Channel 4] : [youtube 8f8v5du5_ag]
“Wes’ Brot ich ess’, des’ Lied ich sing.”
Das manche Leute wollen, daß alle dasselbe Lied singen.
Franz