Für Hugo Chavez, den selbst ernannten neuen Führer des Weltproletariats, sollte die Südamerika-Meisterschaft Copa America eigentlich das werden, was die Fußball-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr für Angela Merkel war.
Chavez, der in den zurückliegenden Jahren zahlreiche ausländische Öl-Konzerne enteignet hat, wollte beweisen, dass sein “bolivarischer” Staat, in dem Opposition inzwischen nahezu verboten ist, ein beispielhafter Ausrichter des Großereignisses werden kann. In der für Billig-Diktatoren typischen Selbstüberschätzung, sagte Chavez der drittklassigen Mannschaft seines Ländchen sogar den Sieg beim Turnier voraus – der große Teufel USA werde im Endspiel 5:0 geschlagen, versichert er. Sportlich reichte es im ersten Spiel nur zu einem weltproletarisch gesehen brüderlichen, sportlich betrachtet jämmerlichen 2:2 gegen die Indio-Kicker aus Bolivien, organisatorisch versinkt das Turnier im Chaos.
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Finanzieren hätte Venezuela das sportliche Abenteuer können, nur mit dem Austragen wird es so richtig nichts
Kurz vor Turnierbeginn musste die südamerikanische Fußball-Konföderation Conmebol jetzt zum wiederholten Mal den Spielplan ändern, weil die Sanierung des Stadions in der Hauptstadt Caracas trotz – oder wegen – der zentral geleiteten Planwirtschaft nicht pünktlich fertig wurde. Aus “Sicherheits- und Kapazitätsgründen” werde das erste Semifinale nun in Maracaibo ausgetragen. Dort hat Chavez auch keine öffentlichen Proteste gegen sein Regime zu befürchten, die Studenten und Oppositionelle für Caracas angekündigt hatten.
Quelle: politplatschquatsch.blogspot.com
Selten solch einen Mist gelesen:
1. Chavez hat NICHT prophezeit, Venezuela würde im Finale die USA mit 5:0 schlagen – sondern Brasilien mit 3:0.
2. Abgesehen davon, dass die Formulierung “Indio-Kicker aus Bolivien” ziemlich daneben ist, darf Venezuelas 2:2 gegen dieses Land als Erfolg gelten – NICHT als “jämmerlich”. Venezuela ist seit vielen Jahren eine der schwächsten südamerikanishen Mannschaften und konnte bisher erst eine – EINE – Copa America-Partie überhaupt gewinnen. Ein Remis gegen die stärker eingeschätzten Bolivianer ist also durchaus in Ordnung.
3. Die Conmebol hat NICHT den Spielplan geändert, sondern lediglich zwei Spielorte. Barinas wurde – vor zwei Wochen – ein Vieirtelfinale entzogen, Caracas ein Halbfinale, beide Male aus Sicherheitsgründen. Die Formulierung “musste [...] jetzt zum wiederholten Mal den Spielplan ändern” ist also in mehrfacher Hinsicht falsch – zumal über das “müssen” in Südamerika durchaus geteilte Meinungen bestehen – meist werden die Marktwirtschaftler der chaotischen Conmebol als Verursacher genannt, nicht irgendwelche Versäumnisse Venezuelas.
4. “Der große Führer?” Chavez hat diese Formulierung NIE gebraucht.
5. Venezuela ein “Ländchen”? Fast doppelt so groß wie Deutschland, über 27 Millionen Einwohner, mehrere Millionenstädte, BIP/Kopf knapp 5.000 US$, einer der größten Ölexporteure der Welt …
6. Wieso sollte es in Maracaibo keine Demonstrationen gegen Chavez geben? Es ist die zweitgrößte Stadt des Landes – gibt es dort etwa keine Opposition? Oder ist die dort “inzwischen nahezu verboten” – in Caracas aber nicht oder wie oder was?
Man muss kein Freund von Chavez sein, um zu erkennen wie lausig und stümperhaft dieser Beitrag ist.