Anfang Juni fanden die 13. Linux-Tage in den Berliner Messehallen statt. Dort konnte man sich davon überzeugen, dass die Open-Source-Betriebssysteme, bei denen früher die Benutzerfreundlichkeit der Oberflächen/des Interface vernachlässigt worden war, aufgeholt haben. Darüber hinaus gibt es mittlerweile komfortable Anwendungsprogramme in allen Bereichen, die mit allen erdenklichen Funktionen und Extras ausgestattet sind.
Dazu gilt momentan, dass Hacker (noch) kein Interesse entwickelt haben, die Linux-gesteuerten PCs mit Viren zu verseuchen. Einerseits, weil für viele Hacker diesbezüglich ein Ehrenkodex gilt oder sie auch Linux-Entwickler sind, andererseits weil es einfach ein klassisches David-Goliath-Spiel mit dem Branchenriesen und -kontroller Microsoft gibt, dessen Geschäftspraktik bekanntlich darin besteht, für teures Geld unzureichend entwickelte Software auf den Markt zu schmeißen, mit deren Fehlern sich dann die Kunden rumärgern müssen, bis eine neue Version da ist, bei der vielleicht die einen Fehler behoben sind, die aber wieder andere aufweist.
Dazu kommt das Urheberrecht, welches besagt, dass die Manipulation am Code von patentrechtlich geschützten Programmen verboten ist. Stellen Sie sich vor, Sie kaufen ein Auto, dessen Motorraum verschlossen ist. Bei einer Panne sind Sie verpflichtet, den Hersteller zu rufen, der mit einem Spezialschlüssel die Kühlerhaube öffnet und für viel Geld simple Handgriffe durchführt, bis das Auto wieder fährt!
Darüber hinaus war deutlich spürbar, dass die Linux-Gemeinde sich von der Alternativszene weg hin zum professionellen Anbieterbusiness mausert
Auch wenn das Betriebssystem kostenlos ist, kann man für den eigenen Spezialzweck Anwendungen in Auftrag geben, die nicht umsonst sind. Die Ankündigung des Computerherstellers Dell, der besonders in Schwellenländern und der Dritten Welt einen hohen Marktanteil hält, ab jetzt seine Produkte mit installiertem Linux-Betriebssystem auszuliefern, verschafft dem Sektor weiteren Auftrieb und bedeutet den Einstieg in einen vormals hermetisch abgeriegelten Markt, wodurch mehr Konkurrenz und sinkende Preise für die Kunden zu erwarten sind. Bezüglich der Kosten wundert es sowieso, dass öffentliche Einrichtungen nicht längst automatisch verpflichtet sind, freie Software zu nutzen. Aber nicht nur das Budget spielt hier eine Rolle, sondern auch die Möglichkeiten: Schulen sollten ganz davon absehen, unveränderbare Programme im Unterricht zu verwenden. Das wäre schließlich, als ob man Kochkurse mit Fertiggerichten durchführte!
Leider haben es die Veranstalter dieses Jahr verpasst für die zahlreichen Kinder, die mit ihren Eltern die Messe besuchten, ein Angebot bereitzustellen, obwohl Linux viele interessante Spiele zu bieten hat. Mein Sohn hat eine Präsentation seines Leib- und Magenprogramms TUXPAINT vermisst, die er erwartet hatte.
Diese Anregung wird im nächsten Jahr aufgegriffen – dann können Mütter und Väter sich konzentriert ihren Interessen zuwenden und die Kids am TUXPAINT-Stand lassen, was denen garantiert Spaß macht.
Impressionen von der Veranstaltung:
[youtube dx4LizHEEug]
——
Der Artikel erschien zuerst im Strassenfeger, einer Zeitung des MOB e.V.
Ein bißchen weltfremd sind Linuxianer wohl doch wnn sie glauben mit TuxPaint Kinder faszinieren zu können.