“Global Digest” – Bürgerjournalismus weltweit – 29.6.2007

Global Voices Online bringt heute Berichte aus der Blogosphäre von Nordafrika, Tansania und Ägypten, Bangladesh und der Ukraine. So schildert Rezwan in seinem Beitrag zu Bangladesh die Schwierigkeiten, die zwei Blogger vor Ort, Shahzaman Mazumder und Utsay Dot Net vor allem in der schlechten Versorgung des Landes sehen – ohne

bang1.jpgGlobal Voices Online bringt heute Berichte aus der Blogosphäre von Nordafrika, Tansania und Ägypten, Bangladesh und der Ukraine. So schildert Rezwan in seinem Beitrag zu Bangladesh die Schwierigkeiten, die zwei Blogger vor Ort, Shahzaman Mazumder und Utsay Dot Net vor allem in der schlechten Versorgung des Landes sehen – ohne Frage stellt der Rekord im am stärksten verseuchten Essen für die Bevölkerung ebenso eine Herausforderung dar, wie die Tatsache, dass es fast unmöglich sei, innerhalb der meist recht isolierten Gemeinden, Institutionen zu etablieren. Der Blogger Dhaka sieht jedoch auch Entwicklungschancen für das Land: Immerhin kleide es inzwischen fast die ganze Welt ein.

Veronica Khokhlova schreibt aus der Ukraine, dass es für deren Bevölkerung fast unmöglich sei, ein Visum für eine Reise in den “Westen” zu bekommen. Sie zitiert in englischer Übersetzung den langen Blogpost von Tanya Kremen, einer ukrainischen Journalistin.

Ein interessantes Blogprojekt hat J. Nmbiza Tungaraza in Tansania aufgetan: Blogger des Ostafrikanischen Landes werden morgen, am 30. Juni, virtuelle Wahlen abhalten. Die acht Kandidaten für verschiedene Posten finden sich auf der Seite der Gemeinschaft tansanianischer Blogger. Über einen Skandal rund um die Bank of Tanzania (der Bankdirektor Daudi Ballali sei offenbar in das Verschwinden von Millionen von US Dollar verwickelt ist), geht es im Blog von Maggid Mjengwa. Auf demselben Blog findet sich ein Bericht über die Saint Augustine Universität in Tansania, die androht, Studenten, die ihre Uni-Beiträge nicht in Gänze zahlen konnten, von den Examen zu sperren.

Um Fußball, genauer um die Vorauswahl für den African Cup of Nations, geht es in verschiedenen Swahili-Blogs: Der Jubel über den gestrigen Sieg von Taifa gegen Burkina Faso (1:0) sei riesig.

Amira Al Hussaini besucht Blogs in Kuweit, Saudi Arabien und Jordanien und findet eine Buchempfehlung von Saloom (“The unknown Dimensions” des kuwaitischen Autors Abdulwahab Al Sayed). Um das Bloggen selbst geht es Mahi Sa7, der sich gegen die Anklage, dass saudische Blogger durch falsche Wirtschaftsanalysen vielen Menschen Verluste verursacht hätten, wehrt. Eine sehr persönliche Geschichte berichtet Amjad Shaltoni aus Jordanien, der seine politische Position gegenüber den drängenden Fragen seiner Tochter begründen muss. Selbstverständlich sind die Auszüge dieser Blogs wie immer ins Englische übersetzt.

Auf die ägyptische Blogosphäre dieser Woche wirft Freedom for Egyptians einen Blick und betrachtet besonders die Religionsfreiheit: Big Pharaoh berichtet von der Verhaftung von 15 seiner Landsleute, deren einziges Vergehen es sei, Anhänger des Korans zu sein. Einen kleinen Einblick in eine bizarre Verquickung von Bürokratie und Religion hat Freedom auf dem Blog von Baha’i Faith in Egypt entdeckt: Zwillingen werde seit 14 Jahren ihre Geburtsurkunde verwehrt, weil es im entsprechenden Formular keine Möglichkeit gäbe, den Baha-i Glauben einzutragen.

OhmyNews

uss

Die Top News auf OhmyNews International drehen sich unter anderem um den Machtwechsel in der britischen Laborpartei, der zeitgleich mit einer der größten Flutkatastrophen des Landes einherging. Bright B. Simons gibt eine ausführliche Analyse der Bedeutung Tony Blairs und der Hintergründe der Labor-Wahlen und rät, am Ball zu bleiben: Die momentane Langeweile während der Übergabe Blair zu Brown sei nur die Ruhe vor dem Sturm.

Mit Blick auf Afrika und Asien schreibt Masimba Biriwasha besorgt über den gewaltigen Wachstum der beiden Kontinente und zitiert dabei eine Studie des UNPFA, die von einem Bevölkerungszuwachs von 294 Millionen auf 742 Millionen allein in Afrika bis 2030 ausgeht. Bereits gestern unter den “top five” der Seite fand sich ein Bericht von M.G. Srinath über den anstehenden Besuch des Atom-Flugzeugträgers USS Nimitz, das in der kommenden Woche im südindischen Hafen Chennai anlegen wird. Nicht nur reiße dieser Besuch alte Wunden auf (der Autor erinnert an den Ärger Indiens über Nixon, der 1971 einen Flugzeugträger in den bengalischen Golf sandte), sondern er habe auch eine neue Sicherheitsdebatte entfacht. Der Autor wirft zudem einen Blick auf die seit 2005 in die Länge gezogene Vereinbarung zu Atomverhandlungen zwischen George Bush und Premierminister Singh.

In der Rubrik “Entertainment” findet sich eine Besprechung (Brian Ohndorf) des achten Pixar-Filmes “Ratatouille”, der am dritten Oktober auch in Deutschland anläuft.

AgoraVox

blair

Das englischsprachige AgoraVox titelt um 15:32 mit einem “Goodbye to Blair“, geschrieben von Boris Johnson, der einen fast zynischen und sehr komischen Blick auf Blairs Abschied wirft – schlimm, so der Autor, wurde für ihn Blairs Abschied in dem Moment, als Gordon Brown begann zu sprechen…

Einen Artikel aus dem Rolling Stone nimmt Jon Newton zum Anlass, um über den Wandel in der Musikindustrie und das Verhalten der vier großen Musiklabel (Emi, Vivendi, Sony BMG und Warner) zu schreiben sowie über jene, die sich dagegen zu wehren versuchen. Ein fast schon klassisch zu nennendes Web-2.0-Projekt stellt Matthew Ingram vor: Die stark diskutierte CBS Wish List auf Facebook, auf der Kanadier ihre Wünsche für ihr Land eintragen können. Diese Facebook-Gruppe hat inzwischen 18.572 Mitglieder – die Liste wird zur Zeit angeführt von dem Wunsch Abtreibung zu verbieten.

Um Wirtschaft und Internet geht es in dem Beitrag von Niall Kennedy, der über Googles Versuch schreibt, in kleine Firmen zu investieren, um iGoogle zu erweitern und populärer zu machen. So zahle Google Gadget Ventures den Entwicklern von häufig genutzten Gadgets bis zu 5.000 Dollar zur Weiterentwicklung und könnte so Einzelpersonen dazu animieren, mehr Zeit in die Entwicklung ihrer Produkte zu stecken. Zum Beispiel das Sudoku Puzzle, das sicherlich eine tolle Alternative zu Solitär darstellt.

Worldchanging

beach

Haben Sie sich mal überlegt, welchen Schaden eine Landschaft nimmt, wenn in ihr ein Film produziert wird? Diese Frage stellt Francesca Birks und präsentiert das neuseeländische Greening the Screen Projekt, dass ein Werkzeug entwickelt hat, mit dem diese Schäden von Beginn eines Drehs bis zu seinem Ende beurteilt und darüber hinaus angeblich sogar den Einfluss des Films auf den Besucher zu messen vermag. Auch andere Organisationen haben sich mit dem Zusammenhang von Filmproduktionen und Umweltschutz befasst, so zum Beispiel die Reel Green BC, Teil der British Columbia’s Film Commision. In den USA habe, heißt es weiter, ein Bericht über “Nachhaltigkeit in der Filmindustrie” herausgefunden, dass im Zusammenhang mit Dreharbeiten etwa 8.400.000 Tonnen CO2 pro Jahr ausgestoßen würden.

Im Ressort Shelter schreibt die Redakteurin Sarah Rich über New Orleans – und das Projekt Zero Carbon Nola, das auf der Fläche des Stadtteils Lower Ninth Ward in New Orleans die erste kohlenstofffreie Stadt entwickeln möchte. Dieser Stadtteil war vor fast zwei Jahren durch den Sturm Kathrina zerstört worden.

Bereits vor einigen Tagen erschien der Artikel von Alex Steffen, der im Ressort “Planet” eine Reise nach Visby zum Anlass nimmt, über Carl Linneaus zu schreiben, uns wohl besser bekannt als Carl von Linné. Wer genau wissen möchte, wie das noch mal war, mit der Taxonomie und dem Linnéschen System, ist hier richtig. Und erfährt an der gleichen Stelle eine Menge Quellen, die vielleicht weiterhelfen, wenn wir die Natur wieder einmal nicht so recht verstehen.

Ebenfalls im “Planet“-Ressort findet sich seit gestern morgen ein neuer Bericht des Sightline Institute, das einen jährlichen Bericht zur Gesundheit von Mensch und Umwelt im Nordwesten der USA herausbringt. Worldchanging veröffentlicht einen längeren Auszug aus Einleitung und dem Kapitel Gesundheit.

Quellen: Global Voices Online, OhmyNews International, AgoraVox, Worldchanging

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