Liebe Leserinnen, liebe Leser, … in unserem Wiki finden Sie nicht nur Hilfe, wenn Sie Fragen rund um die Readers Edition haben, sondern auch etliche Links – unter anderem jene zum Thema Social Media. Hier haben wir eine stets zu ergänzende Liste mit anderen Bürgerjournalismusprojekten angelegt. Diese Projekte und Seiten unterscheiden sich voneinander; sie sind kommerziell wie z.B. OhmyNews oder non-profit Projekte wie Global Voices. Nicht alle haben eine feste Redaktion im Hintergrund, einige haben sich bestimmten Themen verpflichtet, andere arbeiten global – doch alle beruhen sie auf den Artikeln und Ideen von Menschen unterschiedlichster Herkunft, die etwas zu sagen haben, und die sich nicht hinter ihren Wänden einschließen wollen. Auf vier dieser Projekte, die wir Ihnen unten vorstellen, will die Readers Edition in der kommenden Zeit einen genaueren Blick werfen. In einem täglichen Überblick unter dem Titel “Global Digest” werden wir darüber berichten, was in anderen Teilen der Welt Bürgerreporter, Blogger, Autoren und Leser wie Sie bewegt.
„Wir stehen für die Redefreiheit ein: für die Wahrung des Rechtes, seine Meinung frei zu äußern und zuzuhören. Wir treten für unbeschränkten Zugang zu den Instrumenten von Meinungsäußerung ein. Deshalb wollen wir, dass jeder, der etwas sagen möchte, die Möglichkeit dazu erhält und dass jeder, der diese Meinung hören möchte, dazu die Möglichkeit hat.“
Dieses erklärte Ziel – die Meinungsfreiheit zu schützen und jenen ein Portal zu geben, die sonst kaum zu Wort kämen – wird von dem non-profit Projekt Global Voices seit nunmehr drei Jahren verfolgt. Global Voices versteht sich selbst als „Brückenprojekt“, dessen Autoren eine Verbindung schlagen zwischen zwei Kulturen, zwei Sprachen, zwei Leben. So wird vor allem Menschen aus Ländern, in denen die freie Meinungsäußerung nicht selbstverständlich ist, hier Raum zum Austausch und zur Diskussion geboten: 17 Autoren von Afghanistan bis Zimbabwe veröffentlichen hier, nach Ländern, Themen und Autoren sortiert, regelmäßig ihre Blogschauen und Artikel – unterstützt von etwa 80 freiwilligen Mitarbeitern, die recherchieren, übersetzen und natürlich: schreiben. Das Projekt bietet jedoch nicht nur eine Plattform zur Veröffentlichung, sondern auch juristischen Beistand: Global Voices arbeitet eng mit „Reporters without Borders“ zusammen, die das „Handbook for bloggers and cyber-dissidents“ herausgaben.
Neben den so genannten Features, die sich auf der Startseite nach Land, Thema und Autoren sortiert sind, finden sich auf Global Voices täglich ausgewählte Link–Empfehlungen, ein Kalender, in dem internationale Veranstaltungen verzeichnet sind sowie Podcasts.
Wie auf allen hier vorgestellten Bürgerjournalismus-Projekten kann jeder Artikel kommentiert werden – wobei auch die Kommentare ins Englische übersetzt werden.
„News Guerilla“ war das Schlagwort, mit dem Yeon-Ho Oh im Jahr 2000 in Südkorea die Seite „OhmyNews“ gründete und damit wohl den Grundstein des Online-Bürgerjournalismus legte. Heute ist OhmyNews nicht nur das älteste, sondern auch das größte Bürgerjournalismusprojekt weltweit. Die koreanische Seite beschäftigt inzwischen 65 feste Mitarbeiter und kann stolz auf die Zahl von fast 60.000 „Bürgerreportern“ blicken. Die Bürgerjournalismus-Site galt bereits 2005 als die sechst wichtigste Nachrichtenquelle in Korea.
Neben die ausschließlich auf koreanisch veröffentlichte Seite trat im Jahr 2004 die englische OhMyNews International – deren Inhalt zu nahezu 100% aus „User generated content“ besteht. 1.300 Bürgerjournalisten aus 100 Ländern werden hier genannt, ausgewählte finden sich mit Namen und Foto unter dem Stichwort „Featured Writers“. Alle Autoren sind an den „ethischen Code“ von OhmyNews gebunden – ihre Beiträge werden, ebenso wie auf der Readers Edition, von Redakteuren gegengelesen und gegebenenfalls vor der Veröffentlichung bearbeitet, um die Richtigkeit von Fakten zu gewährleisten.
Neben den Rubriken „Korea“, „World“, „Sci & Tech“, „Art & Life“, „Entertainment“, „Sports“ und „Global Watch“ existieren die Rubriken „Interviews“ (hier erschien vor kurzem ein Interview mit RE-Gründer Michael Maier) und „Citizen Journalism“ in der das Thema Bürgerjournalismus genau beleuchtet wird. Zudem richtet OhmyNews auch in diesem Jahr das Forum Citizen Reporter’s 2.0 aus, das vom 27.-29. Juni in Seoul stattfinden wird.
2005 in Frankreich von der Cybion Gesellschaft unter Joël de Rosnay und Carlo Revelli gegründet, folgte die englische Version dieses erfolgreichen Projekts auf dem Fuße; beide konzentrieren sich auf den europäischen Raum. Sie vertreten – zu recht! – den Glauben an die hohe Medienkompetenz des Internetnutzer, der Leser ebenso wie der Bürgerjournalisten, die auf der Seite veröffentlichen. Entsprechend klein soll der Eingriff durch Moderatoren gehalten werden. Statt dessen wird auf die Leser und Kommentatoren vertraut, Falschmeldungen oder Anstößiges sofort zu melden. Auch Agoravox geht es um die Veröffentlichung von Hintergrundberichten, Nachrichten, und Analysen – für Meinungen ist die Opinion Column vorbehalten. Etwas besonderes: Fast alle Beiträge können auch angehört werden.
Die Site Worldchanging hat sich ganz dem Thema Naturschutz gewidmet. Basierend auf dem Gedanken, dass die Mittel, mit denen wir die Welt verändert können, längst existieren, sammeln die 32 Mitarbeiter aus aller Welt Vorschläge von Lesern, bearbeiten sie und veröffentlichen sie in einem der sieben Ressorts: Unter „Stuff“ (Zeug), „Shelter“ (Unterkunft), „Cities“ (Städte) „Community“ (Gemeinschaft), „Business“ (Wirtschaft), „Politics“ (Politik) und „Planet“ sind Themenbereiche von verantwortlichem Marketing über die neue Technologien zum Umweltschutz und Nachhaltigkeit bis zu Frauenrechten und Flüchtlingen abgedeckt.
Die Seite sieht sich keinesfalls als „Meckerblog“ sondern hat es sich auf die Fahnen geschrieben, nur konstruktive Artikel zu veröffentlichen – weshalb, so heißt es schlicht, solle man die Zeit seiner Leser mit Schimpfen verschwenden? Worldchanging wurde in diesem Jahr für den Webby Award nominiert – die Autoren aus aller Herren Länder haben diese Ehre für diese vielfältige und immer informative Seite auf jeden Fall verdient.
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