Terrorgefahr in Deutschland größer als gedacht

Die Terrorgefahr in Deutschland ist womöglich größer als offiziell zugegeben wird – und wird von den deutschen Sicherheitsbehörden bereits seit langer Zeit in verschiedenen Szenarien simuliert. Doch allen Indizien zum Trotz bleiben die vitalen Punkte des Landes nach wie vor so gut wie ungeschützt. Die strategischen Punkte der Republik sind

bombi.jpgDie Terrorgefahr in Deutschland ist womöglich größer als offiziell zugegeben wird – und wird von den deutschen Sicherheitsbehörden bereits seit langer Zeit in verschiedenen Szenarien simuliert. Doch allen Indizien zum Trotz bleiben die vitalen Punkte des Landes nach wie vor so gut wie ungeschützt. Die strategischen Punkte der Republik sind nämlich nicht nur weitgehend unbewacht. Sie sind vor allem auch für jedermann aufzuspüren, weil Landesämter und Behörden sensible Daten ganz offen ins Internet stellen.

Mittlerweile gibt es interne Dokumente der Sicherheitsbehörden, die von einem Terror-GAU ausgehen und diesen sogar zu simulieren versuchen. Die Ergebnisse sind mehr als beunruhigend. Nahezu die gesamte Infrastruktur der Republik ließe sich innerhalb von wenigen Tagen lahm legen, weil effektive Sicherheitsmaßnahmen, entgegen allen öffentlichen Beteuerungen, nach wie vor fehlen. Käme es zu einem Angriff mit biologischen Waffen, wären ganze Landstriche de facto unbewohnbar und eine Panik enormen Ausmaßes würde zwangsläufig folgen. Im Falle eines Anschlags auf deutsche Atomkraftwerke würden fünf Reaktoren „unbeherrschbar“ sein, wie eine Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt nachweist. Schließlich sind auch die Telekommunikationssysteme durch Cyberattacken gefährdet – das Kolabieren der Finanzmärkte wäre nur eine der möglichen Folgen.

akute Bedrohung des „Gesamtsystems Bundesrepublik“

Tatsächlich geht ein Sicherheitspapier von einer akuten Bedrohung des „Gesamtsystems Bundesrepublik“ aus. Während Angriffe auf einzelne Ziele, wie etwa den Frankfurter Flughafen, schon eine Vielzahl an Opfern fordern würden, brächte eine koordinierte Aktion die Gesamtgesellschaft Bundesrepublik ins Wanken. Besonderes Kopfzerbrechen bereiten Anti-Terrorexperten vor allem die Folgeereignisse im Falle eines synchronisierten Angriffs, weil keines der folgenden, potenziellen Ziele geschützt ist:

- Telekommunikation - Finanzen - Energie - Gesundheitswesen - Regierung/Verwaltung - Transport/Verkehr - Medien

Für diese Bereiche sind Terrorangriffe laut Dokument „wahrscheinlich“ und „möglich“. Die Schäden in jeder einzelnen dieser Kategorien enorm: Tausende Menschen würden sterben, die Finanzmärkte kämen ins Trudeln, die Infrastruktur würde zusammenbrechen. Ungewohnt kritisch und im Vergleich zu den beschwichtigenden, doch weltfremden Äußerungen amtierender Politiker kommt das Sicherheitspapier zu einem beängstigenden Schluss: auch politisch motivierte Terrorakte können strategische Dimensionen annehmen.

Die Realität freilich ist ernüchternd. Die strategischen Punkte der Republik sind nicht nur weitgehend unbewacht. Sie sind vor allem auch für jedermann aufzuspüren, weil Landesämter und Behörden sensible Daten ganz offen ins Internet stellen. So lässt sich beispielsweise anhand von detaillierten Karten erkennen, welche Gaspipelines in Bayern verlaufen. Solche Karten erlauben nicht nur die akribische Planung von Terrorangriffen, sie ermöglichen auch die Kalkulation der unmittelbaren Folgen: Welche Stadt innerhalb welcher Zeit von der Gasversorgung abgeschnitten sein wird, wie schnell Hilfs- und Rettungsfahrzeuge vor Ort sein können und wie viel Einsatzkräfte vonnöten wären.

Ähnliche Verhältnisse gelten für das deutsche Stromnetz. Und wer als Extremist Staudämme in die Luft jagen wollte, um bei minimalem Einsatz verheerende Resultate zu erzielen, wäre mit dreidimensionalen, digitalen Karten, die für weniger als zweihundert Euro zu haben sind, bestens versorgt – GPS-Navigationsdaten inklusive.

“Die Bedrohung lediglich den großen internationalen Terrororganisationen wie Al Kaida zuzutrauen, wäre ein Irrtum.”

Die vitalen Punkte im Nah- und Fernverkehr, in und um Chemiefabriken und Atomkraftwerke, Häfen, Einkaufszentren, Gaspipelines und Wasseraufbereitungsanlagen sind tagtäglich einer Gefahr ausgesetzt, die beispiellos ist.

Über die Formen der terroristischen Bedrohung herrscht weitgehend Einigkeit: Zum Repertoire des Todes gehören Anschläge mit konventionellen Waffen, mit konventionellen Sprengstoffen und früher oder später mit atomaren oder biologischen Mitteln. Diese Bedrohung lediglich den großen internationalen Terrororganisationen wie Al Kaida zuzutrauen, wäre ein Irrtum. Jede radikale Organisation, die eine Destabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung zum Ziel hat, kann ebenso agieren.

Dass die Bedrohung der Republik durch Terrorismus weitaus größer ist, als nach außen hin verlautbart, belegen anerkannte Studien des IABG. Die 1961 auf Initiative des Bundes als zentrale Analyse- und Testeinrichtung für die Luftfahrtindustrie und das Verteidigungsministerium gegründete Einrichtung zählt heute zu den weltweit renommiertesten technisch-wissenschaftlichen Dienstleistungsunternehmen. Die mittlerweile privat geführte Firma erstellt Analysen und Risikobewertungen für Unternehmen und staatliche Einrichtungen – und gilt in politischen Fachkreisen als absolut zuverlässig in ihren Aussagen.

Ein von der Abteilung IK51 publiziertes Papier des IABG dürften daher die Entscheidungsträger des Bundes und der Länder mit Sorge zur Kenntnis genommen haben. Denn entgegen der in vielen Medien wiedergegebenen Meinung stellen islamistische Terrorgruppen lediglich eine Facette der allgegenwärtigen Bedrohung dar. „Substaatliche Strukturen“ und die organisierte Kriminalität nennt das Papier in einem Atemzug mit Al Kaida – und weist damit in beeindruckend nüchterner Weise auf die eigentliche Gefahr für den Staat hin: Schon einzelne Extremisten können – unabhängig von ihrer Ideologie – enormen Schaden anrichten.

„Eine neue Dimension stellt der symbiotische Terrorismus dar, der terroristische Verbrechen und organisierte Kriminalität verbindet und sich durch generalstabsmäßige Planung und modernste Mittel auszeichnet“, schreibt der IABG-Experte Walter Schmitz, und: „Der neue internationale Terrorismus bewegt sich logistisch und operativ auf der Höhe der Globalisierung.“

Anders ausgedrückt: Extreme Ansichten führen zu einem neuen Terrorismus des 21. Jahrhunderts. Der aber wird, entgegen der landläufigen Meinung nicht von islamistischen Gruppen allein bestimmt werden. Der Feind des Staates, hat es den Anschein, ist auch heimischer Natur – und doch international zu Hause.

Dieser Text ist ein Auszug aus dem Sachbuch “Brennpunkt Deutschland. Warum unser Land vor einer Zeit der Revolten steht” von Marita Vollborn und Vlad Georgescu. Das Buch ist im Lübbe Verlag erschienen (Abdruck mit freundlicher Genehmigung/ copyright: Gustav Lübbe Verlag)

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Ich sehe das hier als pure Panikmache. Warum sollten die Politiker das Theme totschweigen? schließlich sind sie doch auch die Profitierenden – denn durch Terrorwarnungen imitieren sie eine Art “Sorge um Ihr Land”. Das findet das Volk wunderschön und diePolitiker werden wiederewählt, und irgendwann muss jeder eine große Fahne mit seinem Fingerabdruck tragen – und bezahlen. Ich freu mich schon drauf.