Bekommt jemand einen Wutanfall – gibt es auch einen Grund. “Stern”-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges hat sicherlich sogar mehrere. Um “Dreck” aus dem Internet dürfte er sich eigentlich nicht kümmern, denn den größten hat der “Stern” produziert.
Rückblende: Ein Maler setzt sich hin und füllt 62 Bände mit Tagebuchaufzeichnungen. Dabei macht er so krasse handwerkliche Fehler, dass sie jedem halbwegs Gebildeten sofort hätten ins Auge fallen müssen.
9,3 Millionen Mark hingeblättert
Doch der “Stern”-Journalist Gerd Heidemann war 1983 derart verblendet und geldgeil, dass er Konrad Kujau für die in die Mediengeschichte eingegangenen “Hitlertagebücher” 9,3 Millionen Mark hinblätterte. Eilends wurde eine Pressekonferenz einberufen, Expertenmeinungen in den Wind geschlagen und sensationslüstern verkündet, die deutsche Geschichte müsse in weiten Teilen umgeschrieben werden.
Die “Stern”-Auflage lag bei zwei Millionen Exemplaren, die Republik hielt entweder den Atem an oder sich den Bauch vor Lachen. Dieses Lachen verging dem “Stern” schon nach wenigen Tagen. Kaum war die zweite Ausgabe mit weiteren Auszügen aus dem “Hitlertagebuch” erschienen, enttarnten im Mai 1983 Sachkundige den einfallsreichen Maler als Fälscher. Und die Auflage sauste in den Keller, das Hamburger Magazin verlor jede Glaubwürdigkeit.
Vom Gipfel ins Tal
Dabei hatte man doch gerade erst den Gipfel erreicht. 1978 sagte ein drogensüchtiges Mädchen vor Gericht aus, die “Stern”-Reporter Kai Hermann und Horst Rieck wurden hellhörig, sie baten Christiane F. um ein Gespräch und recherchierten zwei Monate über die Drogenszene. Der Bahnhof Zoo wurde zum Mekka von Schaulustigen, die sich das dort herrschende Elend einmal aus der Nähe betrachten wollten. Aus der Fortsetzungsserie im “Stern” wurde ein Buch, schließlich auch noch ein Film. Die beiden “Stern”-Reporter hatten Mediengeschichte geschrieben.
Dann aber Kujau und: Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht. Heute dümpelt die “Stern”-Auflage bei 1.018.146 verkauften Exemplaren (1. Quartal 2007) vor sich hin und sinkt weiter.
Da sinkt natürlich auch die Hemmschwelle für Wutanfälle…
Warum ist das jetzt eine Nachricht? Wen interessiert das? Gibt es einen konkreten Anlass für den Artikel, der dem geneigten Leser entgangen ist???