Wer hat Jörges beleidigt?

Hat irgendein Blogger schlecht über Hans Ulrich Jörges vom “Stern” geschrieben? Oder ist dessen Fäkal-Attacke gegen jede Art von “user generated content” schon der erste Teil der Marketing -Kampagne für seine geplante Internet-TV-Show? Oder aber geht’s ihm vielleicht im Moment einfach nur schlecht? Mit rationalen oder gar journalistischen Argumenten ist

jorgi.jpgHat irgendein Blogger schlecht über Hans Ulrich Jörges vom “Stern” geschrieben? Oder ist dessen Fäkal-Attacke gegen jede Art von “user generated content” schon der erste Teil der Marketing -Kampagne für seine geplante Internet-TV-Show? Oder aber geht’s ihm vielleicht im Moment einfach nur schlecht?

Mit rationalen oder gar journalistischen Argumenten ist sein Ausbruch bei seiner Buchpräsentation (“Scheisse”, “loser generated content”) jedenfalls nicht zu erklären.

Bürgerjournalismus ist ein sehr neues Phänomen. Da kann auch schon mal ein altgedienter Journalist kräftig danebenhauen. Aber schön wäre es schon, wenn er sich vorher mal kurz mit dem Thema beschäftigen würde.

User generated content ist ein oberflächliches Wort. Wenn man mal etliche der Skurrilitäten wegläßt, die sich auf YouTube, MySpace oder Second Life neben vielem Interessanten finden, wird man jede Menge entdecken.

Wikipedia zum Beispiel. Gerade an diesem Wochenende findet man im Magazin der New York Times ein sehr aufschlussreiches Porträt einiger Moderatoren. Der Text endet mit höchster Anerkennung für die Online Enzyklopädie.

Oder einige wichtige Bürgerjournalismus-Projekte, die es weltweit gibt. Die interessantesten präsentieren wir ja seit einigen Tagen auf Readers Edition. In Asien, Lateinamerika und Afrika erfüllen viele dieser Projekte zentrale demokratische Funktionen.

Die Nachrichtenagentur Reuters zum Beispiel kooperiert deswegen mit Global Voices, um möglichste viele interessante Stimmen aus den Entwicklungsländern zu Wort kommen zu lassen.
Aber auch viele Blogs sind mittlerweile längst zu anerkannten Medien geworden. In den USA zum Beispiel käme kein Journalist auf die Idee, eine ganze neue Kultur als Scheisse zu qualifizieren. Im Gegenteil: Blogger werden in traditionelle Medien integriert.

Ich möchte an dieser Stelle auch die Autoren der Readers Edition vor Jörges’ Ausfällen in Schutz nehmen: Hier werden täglich viele interessante Texte geschrieben. Eine Untersuchung der Universität Bern hat neulich bestätigt, dass das Profil der Readers Edition dem des traditionellen Journalismus in vielerlei Hinsicht entspricht.

Steve Safran, einer der Bürgerjournalismus-Vorreiter in den USA, hat zum Thema “Lärm im Internet” gesagt: Am ehesten wird man gehört, wenn man etwas zu sagen hat. Jörges Rülpser werden verhallen. Und irgendwann kommt er wieder zur Vernunft = Recherche und wird dann feststellen, dass sogar er noch etwas lernen kann.

Kommentare

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  1. “user generated content” warum nicht in deutsch? = Bürgerjournalismus.

    guter Artikel, aber diese Anglizismen, speziell solche die man auf deutsch auch noch besser und verständlicher ausdrücken kann, gehen einem auf den Geist!