Klima-Kritik: Antwort auf die Replik von E.G. Beck

Gemäss seinen Ausführungen betrachtet Ernst-Georg Beck seine Grafiken als nicht-wissenschaftliche Lehrskizzen, die nicht aus Messdaten erstellt worden sind und nur Prinzipien aufzeigen sollen. Beck setzt jedoch seine Grafiken nach Gutdünken aus verschiedenen Quellen und mit beliebig veränderten Daten zusammen und verfälscht dabei eben auch prinzipielle Grundlagen. Dies gilt auch für

fwfww.jpgGemäss seinen Ausführungen betrachtet Ernst-Georg Beck seine Grafiken als nicht-wissenschaftliche Lehrskizzen, die nicht aus Messdaten erstellt worden sind und nur Prinzipien aufzeigen sollen. Beck setzt jedoch seine Grafiken nach Gutdünken aus verschiedenen Quellen und mit beliebig veränderten Daten zusammen und verfälscht dabei eben auch prinzipielle Grundlagen. Dies gilt auch für die Grafik aus dem IPCC-Bericht 1990, wo Beck aus einer Temperaturschwankung von ca. 1.3 Grad (zwischen Mittelalterlicher Warmzeit” und Kleiner Eiszeit) eine solche von 4.5 Grad macht. Das hat nichts mit einer “prinzipiellen Darstellung” zu tun, sondern ist schlicht falsch.

Die Änderung begründet er mit Angaben aus angeblich hunderten von Studien. Die in Becks Antwort aufgeführten Studien zeigen jedoch genau das Gegenteil und bestätigen meine Kritik: Referenz 4 zeigt zum Beispiel sogar nur eine Temperaturschwankung von ca. 0.7 Grad (und endet 1950). Die zu den einzelnen Erdteilen angegebene Literatur betrifft ausschliesslich ausgewählte lokale Messungen und bietet keinen globalen oder hemisphärischen Überblick.

Die Temperaturen verändern sich bekanntlich nicht überall auf der Erde gleichmässig. Der Temperaturverlauf eines einzelnen Ortes oder von ein paar ausgewählten Lokalitäten sagt deshalb kaum etwas über den Verlauf des globalen oder nordhemisphärischen Mittels aus.

“sehr unwahrscheinlich ist, dass es im Mittel der Nordhemisphäre im Mittelalter wärmer war als heute”

Es ist bekannt und unbestritten, dass es im Mittelalter in der Periode von 800 – 1400 A.D. an gewissen Orten zu gewissen Zeitperioden möglicherweise wärmer war als heute. Allerdings fanden diese Warmperioden an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Zeiten statt. An anderen Orten war es gleichzeitig relativ kalt. Die Übersichtsstudien zeigen, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass es im Mittel der Nordhemisphäre im Mittelalter wärmer war als heute:

Bradley R., 2000: 1000 Years of Climate Change. Science, 288, 1353-1354.

Briffa K.R., T.J. Osborn, F.H. Schweingruber, I.C. Harris, P.D. Jones, S.G. Shiyatov, E.A. Vaganov, 2001: Low-frequency temperature variations from a northern tree ring density network. J. Geophys. Res., 106, 2929–2941.

Crowley, T. and Lowery, 2000: Northern Hemisphere Temperature Reconstruction”. Ambio, 29, 51-54.

Crowley, T. ,2000: Causes of Climate Change Over the Past 1000 Years. Science, 289, 270-277.

D’Arrigo R., R. Wilson, G. Jacoby, 2006: On the long-term context for late twentieth century warming. J. Geophys. Res., 111, D03103, doi:10.1029/2005JD006352.

Esper J., E.R. Cook, F.H. Schweingruber, 2002: Low-Frequency Signals in Long Tree-Ring Chronologies for Reconstructing Past Temperature Variability. Science, 295, 2250-2253.

Hughes M.K. and H.F. Diaz, 1994: Was there a ‘Medieval Warm Period’ and if so, when and where? Clim. Change, 26, 109–142.

Jones P.D. and M.E. Mann, 2004: Climate Over Past Millennia. Reviews of Geophysics, 42, doi 10.1029/2003RG000143.

Jones P.D., K.R. Briffa, T.P. Barnett, and S.F.B. Tett, 1998: High-resolution Palaeoclimatic Records for the last Millennium: Interpretation, Integration and Comparison with General Circulation Model Control-run Temperatures. The Holocene, 8, 455-471.

Mann M.E., R.S. Bradley, M.K. Hughes, 1999: Northern Hemisphere Temperatures During the Past Millennium: Inferences, Uncertainties, and Limitations. Geophys. Res. Lett., 26, 759-762.

Mann M.E. and P.D. Jones, 2003: Global Surface Temperatures over the Past Two Millennia”. Geophysical Research Letters, 30, 1820.

Moberg A., D.M. Sonechkin, K. Holmgren, N.M. Datsenko, W. Karlén, 2005: Highly variable Northern Hemisphere temperatures reconstructed from low- and high-resolution proxy data. Nature, 443, 613-617.

Oerlemans J.H., 2005: Extracting a Climate Signal from 169 Glacier Records. Science, 308, 675-677.

Osborn T.J., K.R. Briffa, 2004: The Real Color of Climate Change? Science, 306, 621-622.

Osborn T.J., K.R. Briffa, 2006: The Spatial Extent of 20th-century Warmth in the Context of the Past 1200 Years. Science, 311, 841-844.

Smith C.L., A. Baker, I.J. Fairchild, S. Frisia, A. Borsato. 2006: Reconstructing hemispheric-scale climates from multiple stalagmite records. Int. J. Climatology, 26, 1417 – 1424.

Daten verändert

Die von Beck angeführten Zitate zeigen zudem einmal mehr, dass er die Angaben in wissenschaftlichen Studien willkürlich verändert. Hier nur ein Beispiel:

Zitat von Beck (Ref. 13, Martinez-Cortizas et al.) : “The Medieval Warm Period occurred between AD 1000 and 1200 and the mean annual temperature during this time was as much as 3.4°C warmer than that of the 1968-98 period.”

Diese Zahlen werden nirgends in der angegebenen Studie (eine lokale Temperaturrekonstruktion in Spanien) genannt und sind wahrscheinlich der Figur 4 entnommen (Wenn man sich auf www.sciencemag.org anmeldet, kann man die Grafik einsehen). Diese Figur zeigt tatsächlich über einige Zeit positive Abweichungen um bis zu plus 3.4. Aber erstens handelt es sich dabei um einen relativen Temperatur-Index und nicht um Grad Celsius, und zweitens sind diese Abweichungen in der Zeit zwischen AD 850 bis 950 zu verzeichnen. Im Zeitraum AD 1000 bis 1200 liegen die Temperaturen nie über dem Index plus 1.

Im weiteren zeigen Becks zitierte Arbeiten (mindestens wenn die Angaben in der Literatur und nicht die von Beck veränderten Zahlen betrachtet werden), dass die Mittelalterliche Warmzeit an den verschiedenen Messorten einen unterschiedlichen und nur zum Teil oder gar nicht überlappenden Zeitraum umfasst. Die Messstation in der Antarktis (Ref. 10 von Beck, Khim et al.) zeigt beispielsweise von AD 1000 bis 1100 eine ausgeprägte Kälteperiode. Dies bestätigt, dass sich die Temperaturen in der Mittelalterlichen Warmzeit an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten sehr unterschiedlich verhalten haben.

Wenn man wie Beck Daten aus wissenschaftlichen Studien nach Gutdünken verändert oder mit falschen Einheiten versieht, ist das Resultat ohne jegliche Aussagekraft. Wenn man an verschiedenen Orten jeweils – unabhängig vom Zeitraum – die Maximalwerte herauspickt, die Werte (oder Einheiten) ändert und die kalten Perioden weglässt, ergibt sich daraus auch eine falsche Lehrskizze.

Ähnliches gilt auch, wenn man das mit angeblich 390 CO2-Studien macht. Die Zeitschrift Energy & Environment, die Beck’s CO2-Kurve veröffentlicht hat, ist bekannt dafür (öffentlich bestätigt durch die Herausgeberin der Zeitschrift), Skeptiker-Artikel ohne ernstzunehmende Begutachtung zu veröffentlichen. Von “zweifach gutachterlich geprüft” kann also keine Rede sein.

ursvkl.jpgDie Mauna Loa-Kurve (und viele andere heutige Messungen auch) zeigt unabhängig vom kurzen Überlappungsbereich, dass die Schwankungen innerhalb eines Jahres und von Jahr zu Jahr nur wenige ppm betragen. Herr Beck bleibt jedoch eine physikalische Erklärung schuldig, weshalb in der Zeit vor 1950 Schwankungen von über 100 ppm innerhalb eines Jahres aufgetreten sein sollen. Eine solche Änderung würde eine Zufuhr von mehr Kohlendioxid in die Atmosphäre bedingen, als während eines ganzen Jahres von Biosphäre, Böden, Ozeanen und Menschen zusammengenommen ausgestossen (ausgeatmet) und zum grössten Teil auch wieder aufgenommen werden. Das ist praktisch ausgeschlossen. Im Weiteren würde eine Darstellung aller CO2-Daten aus Becks 390 Studien als Punkteschwarm (und nicht nur eine willkürliche Hüllkurve aus nach Gutdünken herausgepickten 41 Messdaten) zeigen, dass die angeblich “hochpräzisen” Messungen im gleichen Zeitraum riesige Unterschiede verzeichnen. Eine solche Darstellung wird uns von Beck vorenthalten.

Urs Neu, ProClim-, SCNAT

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  1. “Im Weiteren würde eine Darstellung aller CO2-Daten aus Becks 390 Studien als Punkteschwarm (und nicht nur eine willkürliche Hüllkurve aus nach Gutdünken herausgepickten 41 Messdaten) zeigen, dass die angeblich “hochpräzisen” Messungen im gleichen Zeitraum riesige Unterschiede verzeichnen”

    Na das ist ja mal interessant. 390 Studien kommen also allesamt zu sehr stark von einander abweichenden Meßergebnissen für den gleichen Zeitraum. Na da schau doch mal einer an. Wer hätte das wohl gedacht, wo uns doch in 7 Jahren 10 Monaten und 21 Tagen der Untergang droht und dann nicht einmal einheitliche Meßergebnisse. Ist doch ulkig, oder?

    Manchmal kann schon ein einzelner Satz doch äußerst entlarvend sein.