Sie stürmen auf Schalke und in der Nationalelf (Asamoah), sie machen bei Werder und in der Nationalelf mit einem Schritt die Abwehr dicht (Mertesacker), man nimmt ihnen nur wenig übel, wenn sie gute Arbeit abliefern (96-Trainer Dieter Hecking nach dem Wechsel von Aachen an die Leine) und sie werden Tag und Nacht umworben (Enke) – und mit einem Schmunzeln registrieren sie zurzeit, dass die Scheinwerfer wieder einmal auf München gerichtet sind.
Denn Hannover 96, von den Fans “Die Roten” genannt, hat bereits geschafft, woran Hoeneß und Hitzfeld noch emsig arbeiten müssen: “Die Roten” spielen am 31. Juli gegen die “Königlichen”. Karten für das “Friendly Match” gibt es seit dem 2. Juli, auf die Internet-Seiten von Hannover 96 kommt man nur noch über eine Werbeeinblendung für dieses Spiel gegen den spanischen Meister.
Für jede Überraschung gut
Doch die Fans werden am 30. Juli nicht nur Real-gespannt in die AWD-Arena pilgern. Sie sind auch gespannt auf die neue Elf, die zu den Überraschungsteams der nächsten Saison gehören könnte. Sollen sie sich doch über den Weltmeister und den Vize-Weltmeister an der Isar die Finger wund schreiben.
Damit es klappt mit dem Überraschungscoup, muss allerdings Schluss damit sein, dass “Die Roten” auswärts so stark sind wie Bayern München und zu Hause so schwach wie Borussia Mönchengladbach. Wird sich ändern, verspricht jetzt schon Benjamin Lauth, der nach einem Zwischenspiel beim VfB Stuttgart in Hannover einen Drei-Jahres-Vertrag unterschrieben hat: “Wir wollen mit einem Sieg starten. Logisch möchte ich dabei sein.”
Rückennummer 21 – oder “dumm gelaufen”?
Denn es geht gegen den Hamburger SV, der den 25-Jährigen ausgemustert hat. Vielleicht werden sich die Hanseaten nach den 90 Minuten die Rückennummer 21 unter “Dumm gelaufen” notieren.
Benjamin Lauth kennt seine Sturmkonkurrenten wie Thomas Brdaric und Vahid Hasehemian, auch die weitere Neuverpflichtung Mike Hanke kennt er. Da macht es nichts, dass er “von der Stadt noch nicht viel gesehen hat”. Mit Mike Hanke hat Lauth in der U21-Auswahl gekickt. Noch höher angesiedelt war seine Begegnung mit Hanno Balitsch. Sie fand 2004 in der deutschen Nationalelf statt.
Auch das 96-Understatement ist ihm bereits bekannt – und so diktiert er dem Redakteur der “Hannoverschen Allgemeinen Zeitung” in den Notizblock, dass die Mannschaft ein paar Ränge höher klettern möchte als in der vergangenen Saison, als man punktgleich mit dem Tabellenneunten Dortmund und dem Tabellenzehnten Hertha BSC auf dem 11. Platz landete.
“Ein paar Plätze höher” ist eine bescheiden klingende Ansage, würde aber den UEFA-Cup bedeuten. Diesen UEFA-Cup-Traum haben die Fans schon seit zwei Jahren – mit Trainer Dieter Hecking könnte es klappen, denn – so Lauth: “Der kann Begeisterung wecken.”
Begeistert sein ist in Hannover nur selten gleich zu setzen mit “aus dem Häuschen sein”. Nicht zu Hause waren die Fans allerdings, als “Die Roten” 1992 Pokalsieger wurden – doch dann kamen auf europäischer Ebene gleich zum Auftakt die verflixten Spiele gegen Werder Bremen. Als Hannover 96 an der Weser den Ausgleich geschafft hatte, gab es einen Skandal. Michael Schönberg-Christensen wurde außerhalb des Strafraums der Ball an den Arm geschossen – Platzverweis.
Werder schwindelig gespielt
Mit einem 3 : 1-Sieg im Europapokal-Rücken kam Werder an die Leine und wurde wieder schwindelig gespielt. Die Reporter-Stimme überschlug sich, als der Führungstreffer in der Luft lag, was macht der Daschner, noch freier stehen kann er doch nicht , warum er schießt er nicht, er schießt, Tooooorrr. Doch es reichte für Hannover 96 nur zu einem 2 : 1-Sieg und Fußball war wieder einmal die ungerechteste Sache auf der Welt – zumindest für die Anhänger der Roten. Sie feierten “Die Roten” stehend noch minutenlang – während Werder-Trainer Otto Rehhagel schon lange wutentbrannt den Ort des merkwürdigen Geschehens verlassen hatte, denn für ihn galt für Spiele, was für ihn bei Verletzungen galt: “Was soll die Jammerei? Eine Verletzung ist für mich nur ein glatter Bruch.”
Manchmal geht auch das Licht aus
Die Fans von Hannover 96 haben eben schon viel erlebt: In Cottbus wurde der Mannschaft das Licht abgedreht, wie Jahre zuvor der Geschäftsstelle wegen nicht bezahlter Stromrechnungen, doch auch in der Regionalliga blieben die Anhänger treu, die Heimspiele wurden so gut besucht, als seien “Die Roten” gar nicht in der Dritten Liga angekommen, die Zugehörigkeit zur Zweiten Liga schien kein Ende zu nehmen – und nun ist mit Dieter Hecking Ruhe eingekehrt, vielleicht die Ruhe vor dem Sturm mit vielen Toren von Benjamin Lauth und Mike Hanke.
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96 is Leidenschaft die Leiden schafft. Aber is richtig, da könnte was gehen diese Saison, die Auffangstrategie für gescheiterte Torjäger hat bisher immerhin schon bei Bobic und Brdaric (zumindest bei seinem ersten Engagement) funktioniert. Beim Hubschrauber und bei Thomas Christiansen ist’s allerdings schief gegangen. Aber Hanke und Lauth sind noch jünger und haben meines Erachtens auch mehr Potenzial.
Wenn man Asamoah erwähnt, sollte man nicht die anderen Ex-Hannoveraner in der im Kreise der Nationalelf Sebastian Kehl und Fabian Ernst vergessen. Wenn man sich überlegt, wer noch so alles in der legendären Regionalligamannschaft gespielt hat (Otto Addo z.B.) …wie geil.
Die Aufzählung der größten Waterloos ist allerdings wahr. Europacup im 100km entfernten Bremen war natürlich eine Farce sondergleichen. Jedes Zweitligaspiel war weiter weg. Und der Flutlichtausfall beim entscheidenden Aufstiegsspiel in Cottbus ist für mich noch immer ein rotes Tuch. Kurz vor Ende steht’s 1:1 (Hinspiel 0:0), Hannover weiter, Cottbus nur noch mit 10 Mann. Dann eine halbe Stunde Finsternis. Dann zwei Buden von Cottbus… ganz zu Schweigen von dem Spiessrutenlauf, den Asamoah und Addo da erlebt haben. Das war der Hass. Seitdem kann ich Cottbus nicht mehr auf’s Fell gucken. Gut, dass sie seitdem artig ihre Punkte abgeben…