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Sotschi, Pakistan und Rauchverbot in England. Bürgerjournalismus weltweit

Freitag, den 6. Juli 2007 um 20:50 Uhr von Redaktion Readers Edition
Sotschi - Eine gute Wahl?

Die Entscheidung des IOCs, die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi * Сочи auszutragen, rief ein breites Medienecho hervor. Meinungen reichten von Skepsis über das Auswahlverfahren und die astronomische Summe von 12 Milliarden Dollar bis zu großer Begeisterung. Daher betrachten wir heute einmal Russland.

Die Wahl Sotschi rief in der russischen Blogosphäre grundsätzlich positive Stimmung hervor. Der Beitrag von „La Russophobe“ zu den kommenden „Putin-Spielen“ fiel dagegen ätzend zynisch aus. Sarkastisch lobt sie die hervorragende Wahl des Austragungsortes, indem sie auf das milde Wetter Sotschis hinweist und auf die Nachbarschaft zu Tschetschenien aufmerksam macht. Nach etlichen Vergleichen zur Olympiade in Hitlerdeutschland schließt sie mit einer Verneigung vor der weisen Entscheidung des IOC. Denn schließlich, so „La Russophobe“, wäre zehn Jahre nach der letzten Vergabe der Olympischen Spiele an die UdSSR das System zusammengebrochen. So könne es dann auch diesmal geschehen.

Den Weblog “La Russophobe” gibt es nunmehr seit über einem Jahr. Die Autorin mit dem Pseudonym Kim Zigfeld widerspricht “russophilen Mythen” mit einer an Rassismus grenzenden Herablassung und provoziert damit Reaktionen von “La Russophobe”-Hate Sites bis hin zur offenen Jagd auf die Bloggerin. Die russische Internet-Zeitung eXile hat kürzlich die Jagd auf die Autorin von “La Russophobe” eröffnet: Für die Aufdeckung des Pseudonyms Kim Zigfeld bot die Zeitung ein luxuriöses Dinner in einem der besten Restaurants Moskaus.

Global Voices

Unter dem Titel „Landing at the Iraqi Blogodrome“ bespricht Salam Adil verschiedene Posts aus der Irakischen Blogosphäre; besonders interessant die verschiedenen Positionen zu den Verhaftungen in England. So scheint der Blogger I miss Iraq den britischen Staat zu verdächtigen, die Männer nur deshalb verhaftet zu haben, weil Iraker der britischen Gesellschaft zu Last fielen – seine heftige These endet mit der zynischen Konklusion, dass man wählen müsse, wie man stirbt: Man könne in England bleiben und darauf warten zu verhungern oder von der Polizei verhaftet zu werden, oder man könne in den Irak zurückkehren um dort von den britischen Soldaten oder Geheimdiensten getötet zu werden. Anders die Reaktion von Dreamer, der ebenfalls in Großbritannien lebt: Hier kommt, ebenso wie im Blog „Neurotic Wife“ die Sorge zutage über den schlechten Ruf, mit dem alle Iraker nun behaftet würden. Weitere Irakische Blogs beschäftigen sich mit der Vollendung des Mauerbaus rund um Adhamiya.

Aus dem Gefängnis schreibt heute aus Ägypten der Blogger Karim Amir, der sich Sorgen macht, dass seine Inhaftierung andere vom Bloggen abschrecken könnte. Der Blog Free Kareem ruft dazu auf, Kareem zu schreiben, damit er mit seinen Unterstützern in Kontakt treten kann. Weiterhin wird in Ägypten gegen Blogger mit Telefonterror vorgegangen, wie Arabawy deutlich macht.

Aus Ruanda berichtet Jennifer Brea, die auf ihrer Blogsuche das Thema der westlichen Ausländer in Afrika verfolgt. Etliche Beiträge zu Hilfsorganisationen und Stellungnahmen zu den Vorwürfen, dass sie dort wie Könige lebten und nichts mit der Bevölkerung gemein hätten, finden sich in ihrem Artikel und den Kommentaren, wie immer ins Englische übersetzt.

OhmyNews

Auf OhmyNews gibt heute Umer Faroq einen Bericht zur Lage um die Rote Moschee in Pakistan. Maulana Abdul Aziz sei, so die Autorin, inzwischen vor ein Antiterror-Gericht geführt worden, das ihn der Polizei zur Befragung übergeben habe. Der in der Moschee verbliebene Geistliche Ghazi sei wie ein gebrochener Mann aufgetreten, als er seine Position in der Moschee aufgab. Nachdem 19 Menschen während der Kämpfe getötet worden waren, scheint der Konflikt jetzt ein Ende zu finden, obwohl Donnerstagnacht noch Schusswechsel zu hören gewesen seien.
Über Japan schreibt Hisane Masaki, der einen politischen Tsunami auf Japan zukommen sieht, sollten sich die Skandale rund um den Premierminister Shinzo Abe bis zu den Wahlen am 29. Juli nicht lichten.
Während hierzulande noch um Dresden als Weltkulturerbe diskutiert wird, wurden in Nepal drei Paläste und vier Tempelbezirke von der Liste des bedrohten Welterbes gestrichen. Nabin Baral gibt eine liebevolle Beschreibung der einzelnen Gebäude.

In England ist der Sommer genauso trist wie hierzulande – es ist der nasseste Seit 1914, was für die Englischen Raucher besonders hart ist: Sie müssen sich bei Dauerregen ans Draußen-Rauchen gewöhnen, seitdem das Rauchverbot in allen öffentlichen Gebäuden und in Büros verboten wurde.

AgoraVox

Die englische AgoraVox titelt heute, 18:00 Uhr, mit einer Meldung über Nepal: Das Mädchen, das als Kumari-Göttin verehrt wird, ist nach ihrem Besuch in den USA verhaftet worden, schreibt Andy Carvin.

Ebenfalls neu ist ein Artikel, der das Handeln von Scientology auf den Philippinen preist – die Freiwilligen Helfer hätten 2.600 Menschen in der Folge des Sturms Durian unterstützt.

In der „Opinion Column“ findet sich ein Kommentar von Effect Measure zur Klimapolitik Arnold Schwarzeneggers sowie eine Hetze gegen Ausländer in den USA, die zeigt, was passieren kann, wenn eine Bürgerjournalismusseite weitestgehend auf Redakteure verzichtet. Außerdem ist auf der Meinungsseite ein sehr komischer Kommentar zu Sarkozy zu lesen, den der Autor in Schutz nehmen muss – weil sie ein gemeinsames Hobby teilen: Joggen, das Boris Johnson kühn in einen Zusammenhang stellt mit der Französischen Revolution. Lesenswert!

Alexander Günther & Marie Naumann

Foto mit Genehmigung von La Russophobe

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4 Reaktionen zu “Sotschi, Pakistan und Rauchverbot in England. Bürgerjournalismus weltweit”

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  1. Turbo

    am 7. Juli 2007 um 15:24 Uhr | Link | Kommentar melden

    Druschba towaritschy, Freundschaft liebe Genossen,

    Russophobie haben bisher nur “Emigranten” aus Rußland, die unbedingt in die
    BRD wollen und darum schon seit “Birnes” Zeiten “Kontingent-Flüchtlinge”
    genannt werden und mit einer ebenso dicken Quotierung zugeschanzt wurden,
    geäußert. Daher liegt es nahe, daß die Autorenschaft mit einem so fast deutsch
    klingenden Namen “Zigfeld”, auch besondere Präferenzen zu Deutschland,
    siehe der nicht verkniffen wordene “Nazi”-Deutschland-Hinweis dort, aber
    auch dem eigens für sie gedeckten Tisch (”Schulchan aruch” auf hebräisch)
    heute in der BRD für “solche” Vorzugsbehandelten pflegt. Rassistisch möchte
    ich das zwar noch nicht nennen, und zynisch will ich auch nicht sein, aber bei
    Glaubensgenossen ist ein gewisses Verhalten nun mal an der Tagesordnung.

    Wir Goyim (auf hebräisch: NICHT-Gläubige an den Stammesgott Jahwe/JHW)
    dagegen sagen ein freundschaftliches Willkommen zu unseren lieben russischen
    Nachbarn, egal welchen Volksstammes und welcher Nationenzugehörigkeit -
    und wir freuen uns mit ihnen auf ein friedliches, freundliches und gutnachbar-
    liches “Fest der Freude”, das im olympischen Gedanken europaverbindend,
    dabei die unterschiedlichen Völker achtend!, gemeinsam zu feiern sein wird.
    Wie schon unsere große Leni Riefenstahl es optisch einzig artig! ausdrückte,
    so möge es unsere Nachbarnation - frei von irgendwelchen Kriegspakten,
    die ihnen mal wieder aufgenötigt werden sollen, auch bitte gestalten, wenn
    möglich sogar ein bißchen noch schöner und moderner. Für uns alle.

    Und die Russophoben, in ihrer immer gleichen drögen Negativhaltung, sie
    dürfen natürlich auch dabei sein, - denn WIR, wir haben nichts gegen sie.
    Sie bestrafen sich durch ihre miese Denke selber, in sich. Das allerdings,
    das haben sie in ihrem intelligenten Kleingeist noch nicht bemerkt, denn
    sonst wären sie auf unserer völkerverbindenden Seite. Nochmals Druschba,
    Freundschaft; spassiba, bitte!!!

    Turbo

  2. Michael Reschke

    am 8. Juli 2007 um 00:12 Uhr | Link | Kommentar melden

    Kernfrage: Ab wann ist eine Nachricht eine Nachricht?
    Und: Müsste die Frage angesichts des Internets (d. h. einer nicht mehr vorhandenen “Begrenzung auf eine Zeitungsseite”) nicht neu beantwortet werden?

    Wo verläuft eigentlich die Grenze zwischen Readers Edition (Bürgerjournalismus) und Blog??? Wäre eigentlich ein normaler Blog-Eintrag hier auch möglich, denkbar? Also etwa: Ich war heute im Park und habe drei Enten, eine Seerose gesehen und mich dabei über den überquellenden Mülleimer geärgert?

    Ab wo fängt eine Nachricht an und würde es nicht möglicherweise das “Projekt” Readers Edition dynamisieren und den Aufbau einer Community beschleunigen, wenn hier auch “private” Blogeinträge möglich wären, sowie bei youtube neben professionellen Musikvideos auch der alltägliche Trash geduldet wird.

  3. Marie Naumann

    am 9. Juli 2007 um 13:24 Uhr | Link | Kommentar melden

    Lieber Michael Reschke,

    Sie stellen eine der Fragen, mit der wir uns als Redakteure der Readers Edition täglich konfrontiert sehen – ab wann ist eine Nachricht es wert, veröffentlicht zu werden, wo beginnt der journalistische Anspruch. Natürlich ist das immer eine Gratwanderung… In unserem Benutzerhandbuch heißt es: „Ein Artikel muss auf jeden Fall zwei Kriterien erfüllen: Er muss für andere Leser interessant sein und in eines der Themengebiete (Politik, Wirtschaft, Web & Technik, Vermischtes, Sport) passen. Ihr Thema sollte zudem möglichst aktuell sein - oder zumindest einen aktuellen Anlass haben.“
    Einen „gewöhnlichen“ oder tagebuchähnlichen Blogeintrag, wie Sie ihn vermutlich im Sinn haben, würden wir demnach nicht veröffentlichen – wenn Sie aber den Park, die Enten, den Mülleimer in einen Kontext stellen, der sie für andere interessant macht, könnten sie, so gesehen, eine Nachricht abgeben… (Und dass wir auch literarischem nicht abgeneigt sind, beweisen die Kolumnen von Sibylle Berg und die Glossen von Thomas Kastura!)

    Das heißt wiederum nicht, dass es nicht ausgezeichnete Blogs gibt, die hohen Nachrichtenwert haben, wie z.B. auf Global Voices jedenTag deutlich wird.
    Und doch gibt es einen weiteren Unterschied zwischen einem Blog und einem Bürgerjournalismus-Projekt: Anders als auf den meisten Blogs werden die Beiträge auf der Readers Edition von vier Augen gegengelesen; wir beraten Autoren, was Themenwahl und das Schreiben betrifft, wir helfen gegebenenfalls bei der Suche nach Quellen und Belegen und bemühen uns, die Fakten eines Artikels zu verifizieren.
    Gerne möchten wir Blogs, wie Sie ganz richtig vorschlagen, zur Dynamisierung unserer Seite und einer RE-Community aufnehmen. In den nächsten Monaten werden wir auf ein neues Programm umsteigen – und dann hoffentlich Raum für Blogs, aber auch für Foren und Chats haben.
    Mit herzlichen Grüßen,
    Ihre Readers Edition.

  4. Readers Edition » Live Earth, Ethanol und Muslims United - Bürgerjournalismus weltweit

    am 31. Juli 2007 um 18:32 Uhr | Link | Kommentar melden

    […] Wie schon in der letzten Woche berichtet Umer Faroq aus Pakistan über die Lage rund um die Rote Moschee und gibt einen Überblick über die letzten Geschehnisse – obwohl es am Freitag so schien, als würde sich die Situation entspannen, kommt es wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und den nach wie vor in der Moschee verbarrikadierten Islamisten; die Regierung befürchte Selbstmordanschläge. In der Bevölkerung sei die Stimmung, so die Autorin, gespalten, wenn es darum geht, wie man mit den Studenten umgehen solle. Einig sind sich die Muslime in Großbritannien, schreibt Aataai Gazi Mahbub: Zum ersten Mal haben sich muslimische Gemeinden nach den letzten Anschlagsversuchen gegen den Terrorismus vereinigt. Der Leitspruch der Muslims United, so der Name der Gruppe, stammt aus dem Koran: „Wer eine unschuldige Seele tötet, tötet die ganze Menschheit. Und wer eine Seele rettet, rettet die ganze Menschheit.“ […]

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