„Wenn man schnell vorankommen will, muss man allein gehen. Wenn man weit kommen will, muss man zusammen gehen… Wir müssen weit kommen, und zwar schnell!“ Mit diesem Sprichwort eröffnete der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore am Samstag, dem 7.7.07 in Washington vor dem National Museum of the American Indian das «Live Earth»-Konzert in Washington, einen eher beschaulichen Auftritt der US-amerikanischen Country-Stars Garth Brooks und Trisha Yearwood. Die riesige Konzertreihe, die gleichzeitig an acht unterschiedlichen Plätzen dieser Welt stattfindet, wird jedoch auch von Vielen kritisch gesehen.
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Doch zurück zum Sprichwort: Auch die Readers Edition will weit kommen, deshalb wollen wir den Weg zusammen mit Ihnen, liebe LeserInnen und AutorInnen beschreiten! Einige der wieder zahlreichen interessanten Beiträge sollen an dieser Stelle noch einmal rückblickend gewürdigt werden.
Eine enttäuschte Liebe
Mit dem inneren und äußeren Wesen eines Phänomens – des „letzten Intellektuellen Deutschlands“ – Harald Schmidt, setzt sich TheRealBook in ihrem Artikel „Wurst im Stillstand“ auseinander. „Ein Nachruf auf einen noch aktiven Star des deutschen Entertainment“ – so könnte man auch titeln. TheRealBook lässt wahrlich nicht viel gutes Haar an Harald, dem „offenbar alles wurst (geworden) ist“, eben auch er selbst. „Die vor Langeweile sieche Geistesgesellschaft ist ja schon dankbar für jeden Kloß, der nicht nach Comedy-Prollerei stinkt.“, schreibt TheRealBook vielleicht nicht ganz zu Unrecht. Dass Schmidt einst so ein „Kloß“ gewesen sei, ein „smarter Eintänzer mit Niveau“ betont die Autorin – aus den Zeilen spricht also auch eine alte, wenn auch enttäuschte Liebe. Ihr Fazit jedoch: Schmidt habe begonnen, sich durch seine „Koketterie mit dem Nichts“ selbst abzuschaffen, denn das Nichts gebe nie was her, Schmidt aber sei kontinuierlich ein „Vorgaukeln des Seienden“ gewesen. Ein brillant geschriebener Text einer unserer fleissigsten Autorinnen.
“…da gibt es nun wirklich noch viel zu tun”
Ein äußerst interessantes Interview mit Hans-Christian Ströbele steuerte spreerauschen am 2. Juli bei. Das Gespräch dreht sich um Problematiken wie Atomstrom, Mindestlohn und mögliche Koalitionen in der Zukunft. Bemerkenswert erscheint hier, dass Ströbele eine Zusammengehen mit DER LINKEN nicht ausschließt. Des weiteren erläutert Ströbele seine Gründe, warum er sich damals gegen die HartzIV-Reformen ausgesprochen habe. Des weiteren fordert er die bedingungslose Aufklärung des angeblichen – und für ihn völlig unglaubwürdigen – Datenverlustes geheimer Informationen (u.a. die über den Fall Kurnaz) der Nachrichtendienste über Bundeswehreinsätze von 1999 bis 2003. „Und da gibt es nun wirklich noch viel zu tun.“, so sein Fazit.
Wirbel um Hans-Ulrich Jörges
Für ziemlichen Wirbel, nicht nur in der Blogosphäre, sorgte in dieser Woche die Äußerung von Hans-Ulrich Jörges, stellvertretender Chefredakteurs des „Stern“, während der Präsentation des Buches „Die Alpha-Journalisten“: “Die guten Redaktionen sollten ihre Siele geschlossen halten, damit der ganze Dreck von unten nicht durch ihre Scheißhäuser nach oben kommt.” – so herablassend, so medienwirksam. Wer hat Jörges beleidigt?, fragte sich deshalb Herr Dr. Michael Maier in einem Kommentar und sprang vor allem für die vielen Autoren, nicht zuletzt die der Readers Edition, in die Bresche. Sein Unverständnis für Jörges Ausfall komprimiert sich in dem Argument: „In den USA zum Beispiel käme kein Journalist auf die Idee, eine ganze neue Kultur als Scheisse zu qualifizieren. Im Gegenteil: Blogger werden in traditionelle Medien integriert.“
In einem Interview hakten wir nach. Hier relativierte Jörges seine Aussage und stellte Blogs als „im Prinzip unübertrefflich demokratisches Medium“ dar. Sein abfälliges Bekenntnis hätte sich doch nur auf bestimmte Blogs bezogen, „die förmlich überquellen vor Hass, Ressentiment und Dummheit“. Alles nicht so gemeint, wie gesagt? Den Eindruck der bemühten Schadensbegrenzung Jörges wurde man jedenfalls nicht los.
“Second Life” und Ruhestand
Gedankenleichter ging es in „Für eine Handvoll Lindendollars“, einer essayistischen Erfahrungsbeschreibung des Internetkosmos „Second Life“ von Luc Gross zu. In der amüsanten und mit Übertreibungen gespickten Darlegung seiner Erlebniswelt spiegeln sich die ganze Faszination, aber auch die Verrücktheit des Gedankens einer Parallelwelt wider. Luc Gross berichtet ausschließlich von innen heraus, ohne moralistischen Unterton, zeitlos. Das macht den Text so angenehm lesenswert.
Über die ältere Generation und deren Problem mit dem Begriff „Ruhestand“ („Da fehlt ja nich mehr viel zum Stillstand“!), aber auch ihren Anstrengungen, Lebensqualität zu erhalten, schreibt HappyJournalist in „Bloß nicht ausrangieren lassen“. Erfrischend, die Schilderung eines seit 40 Jahren verheirateten Ehepaars, das sich nicht scheut, unter verständnislosen Blicken der Jüngeren „Bauch-Beine-Po“ im Fitnessstudio zu trainieren. „Schließlich gibt es viele Wege, jung zu bleiben. Hauptsache man lässt sich von der Gesellschaft nicht ausrangieren.“ – so das Fazit.
Stilles Ende eines Dorfes
Zu guter Letzt sei noch ein Text von Frank Hoffmeier erwähnt, der in „Die Apokalypse von Otzenrath, Teil II“ von einer Stadt erzählt, die es nicht mehr gibt. Trotz zahlreicher Kulturschätze – wie etwa der einzigartigen katholischen Pfarrkirche St. Simon und Judas Thaddäus oder dem großen Rittergut Leuffen – wurde das Dorf abgerissen und eingeebnet, es muss dem Arm des Braunkohlebaggers weichen. Nur die Grundschule steht noch zertrümmert und verlassen als Ruine an ihrem Platze. Die Bilderserie dazu von Steffen Hommel demonstriert eindrucksvoll und auch ein wenig gruselig die Stimmung vor Ort. Schicken auch Sie uns Ihre Bilder!
Die obige Auswahl ist nur eine kleine Auswahl aus vielen sehr guten Texten. Leider fehlt uns hier der Platz und die Zeit, um alle ausreichend zu würdigen. Danke für all Ihre Beiträge! Schreiben Sie weiter so fleißig für die Readers Edition. Dann werden wir weit kommen….
Wie immer wünschen wir Ihnen einen guten Start in die kommende Woche, einen spannenden Diskurs auf der Readers Edtion und dass Sie uns weiterhin mit Ihren Texten begeistern.
Ihre Redaktion Readers Edition
Ist irgendwie “komisch”, dass der Bericht: “Sind die ARD-Leitlinien 2007/2008 grundgesetzwidrig” in diesem Wochen-Bericht nicht erwähnt wird, wo dieser Bericht über meine Recherchen mittlerweile den 3. Platz der am meisten gelesenen Berichte erreicht hat.