Live Earth, Ethanol und Muslims United – Bürgerjournalismus weltweit

Live Earth war das Thema des Wochenendes. N24 berichtete, Pro7 brachte die gleichen Bilder ein wenig zeitversetzt, msn verzeichnete angeblich neun Millionen Streams und der RBB Sender Radio eins musste aus strömendem Regen Shakira live senden. Einen kritischen Überblick über die klassische Berichterstattung hat Dave Johnson für die Huffington Post

shakira.jpgLive Earth war das Thema des Wochenendes. N24 berichtete, Pro7 brachte die gleichen Bilder ein wenig zeitversetzt, msn verzeichnete angeblich neun Millionen Streams und der RBB Sender Radio eins musste aus strömendem Regen Shakira live senden.

Einen kritischen Überblick über die klassische Berichterstattung hat Dave Johnson für die Huffington Post verfasst. Auf dieser amerikanischen Bürgerjournalismusseite finden sich heute die meisten Berichte zum Großereignis – so z.B. von Charles Alexander, der als engagierter Klimaschützer zunächst davon überzeugt war, dass der 7.7.07 einer der wichtigsten Tage seines Lebens werden würde. Doch bereits bei der Anfahrt zum Giants Stadium seien ihm Zweifel gekommen: Zu widersprüchlich sei es, ein Konzert zur Rettung der Welt direkt neben einem gewaltigen Konsumtempel zu veranstalten, dem beim Bau mehrere Feuchtgebiete zum Opfer fielen… Dennoch hofft er, dass die Musiker jemanden erreichten – und dass die Demokraten Al Gore wieder als Präsidentschaftskandidaten nominieren.

Glenn Hurowitz ist kritischer und fragt sich, ob wohl die Appelle der Organisatoren an ihr Publikum, ein ökologischeres Leben zu führen, alles gewesen seien. Sie vermisst ein klares Statement der Veranstalter zu Umweltmaßnahmen, die über das Konzert hinausgehen. An die Arctic Monkeys, die sich im Vorfeld gegen das Konzert ausgesprochen hatten, wendet sich Stephen Elliott, der der britischen Band vorwirft, sich als Vorbilder aus der Verantwortung zu ziehen.
Auf dem brasilianischen Konzert in Rio war José dos Rosas, der auf dem CJ-Portal BrasilWiki feststellt, dass in Brasilien erst einmal so elementare Dinge wie Infrastruktur, Bildung und soziale Einrichtungen von Nöten seien, bevor man anfangen könne, ein Bewusstsein für Umweltschutz zu entwickeln.

Global Voices

Aus Brasilien berichtet heute auch Global Voices, ebenfalls zum Thema Umwelt: Ethanol, das als Kraftstoff für Autos eingesetzt werden kann, ist auf brasilianischen Blogs zum großen Thema geworden, berichtet Jose Murilo Junior und gibt einen hervorragenden Überblick zu den Hintergründen der Debatte. Der Zuckerrohr-Treibstoff, der in Brasilien schon seit langem genutzt wird, wird von der EU wegen seiner umweltschädigenden Produktion nicht eingekauft – zu recht, wie der Blogger Blog da Luz findet und zudem auf die horrenden Bedingungen weist, zu denen die Feldarbeiter leben.
Auf das „verblüffende Zusammentreffen“ der europäischen Reaktion gegen Ethanol und den Krieg Fidel Castros gegen Bio-Treibstoffe weist Miranda Sá hin.
Der neue „Featured Article“ auf Global Voices stammt von Rezwan, der einen Blick auf Blogs in Bangladesh wirft, wo trotz des anhaltenden Ausnahmezustands Diskussionen aufkommen, wie man die Politik von der Korruption befreien und wieder eine wirkliche Demokratie etablieren könnte.
Weitere Blogschauen befassen sich hier mit der Wahl des Taj Mahal als eines der neuen Weltwunder, den 2008 bevorstehenden Wahlen in Russland und der Fotoserie über ein chinesisches Paar, das eine selbstgebaute Rakete nach Peking transportieren wollte.

OhmyNews

Wie schon in der letzten Woche berichtet Umer Faroq aus Pakistan über die Lage rund um die Rote Moschee und gibt einen Überblick über die letzten Geschehnisse – obwohl es am Freitag so schien, als würde sich die Situation entspannen, kommt es wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der Regierung und den nach wie vor in der Moschee verbarrikadierten Islamisten; die Regierung befürchte Selbstmordanschläge. In der Bevölkerung sei die Stimmung, so die Autorin, gespalten, wenn es darum geht, wie man mit den Studenten umgehen solle.
Einig sind sich die Muslime in Großbritannien, schreibt Aataai Gazi Mahbub: Zum ersten Mal haben sich muslimische Gemeinden nach den letzten Anschlagsversuchen gegen den Terrorismus vereinigt. Der Leitspruch der Muslims United, so der Name der Gruppe, stammt aus dem Koran: „Wer eine unschuldige Seele tötet, tötet die ganze Menschheit. Und wer eine Seele rettet, rettet die ganze Menschheit.“

Über die neuen sieben Weltwunder und die Abstimmung via Internet schreibt Njei Moses Timah, über den Verlust der Macht des nepalesischen Königs, dessen kulturelle Aufgaben ihm entzogen wurden, Umesh Shresta.

AgoraVox

Auf AgoraVox spricht sich Kesher Talk explizit gegen einen heutigen Artikel der New York Times aus, in welchem recht deutlich behauptet werde, dass ein Rückzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak trotz des dann zu erwartenden Genozids im Lande besser sei, als dort zu bleiben. Der Autor schildert eindringlich die Lage des Irak und erinnert daran, was für ein langer Prozess die Bildung einer Gemeinschaft ist.
Zugleich behauptet ein anderer Autor, Liberally Conservative, dass der Iran Grund für die Krisen im nahen Osten sei – das Land bilde gezielt islamische Gruppen aus, zitiert der Autor den amerikanischen General und militärischen Sprecher in Bagdad, Kevin Bergner.

Foto: Screenshot via Spiegel.de

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