Für die Einen ist es jedes Jahr ein festes Datum, um im Kollektiv in den Süden der Republik zu ziehen und ihre Botschaften von Frieden und Freiheit zu verbreiten, für die Anderen ist es schlicht und ergreifend die unübertrefflichste Party für Groß und Klein auf einer idyllischen grünen Wiese.
Im 13. Jahr des Chiemsee Reggae Summer, der diesmal schon eine Woche früher als gewohnt, also vom 17. bis 19. August stattfindet, trifft sich – wie nicht anders erwartet – auch heuer wieder die “Riddim-Championsleague” im beschaulichen Übersee, um gemeinsam zehntausende Besucher zu lehren, was es heißt, die Sonne in die Herzen zu lassen. Nein, mit einem Rootsreggae lastigen Hippie-Event hat dieses Festival nichts zu tun. Ein Schelm also, wer hier den Klischeetopf auspacken will! Denn schließlich hat sich die Veranstaltung in den letzten Jahren kontinuierlich gemausert und sich so mit rund 25.000 Besuchern jährlich zu einem der größten Reggae-Festivals in Europa entwickelt.
Ein Blick in das umfassende Line-Up genügt, um festzustellen, dass sich die Veranstalter von der CRP Konzertagentur GmbH wieder einmal äußerste Mühe gegeben haben, allen Geschmäckern und Ansprüchen gerecht zu werden und die Vielfältigkeit dieses Musik-Genres voll und ganz zur Geltung kommt.
Traditionell heiß begehrt ist bereits das urige Warm Up am Donnerstag Abend. Los geht’s also auch in diesem Jahr mit einem Reggae-Cruise über den Chiemsee. Musikalisch untermalt wird der Bootstrip diesmal von der bekannten Münchner Band Jamaram, die schon vor zwei Jahren die Zeltbühne des Festivals zum Toben brachte.
Wiedervereinigung und alte Meister…
Von den Fans lang herbeigesehnt, wird es nun endlich wahr. Die Combo Freundeskreis um Frontman Max Herre, wird sich nach sieben Jahren Abstinenz, pünktlich zum Festival wieder zusammentun. Auch Stammgast Gentleman sowie Altmeister Jimmy Cliff werden heuer mit von der Partie sein. Gentleman lässt am Samstag gespannt auf seine im August erscheinende CD “Another Intensity” hoffen, letzterer gehört bereits seit 1996 zur Chiemsee-Familie und brachte einst zusammen mit Bob Marley und Desmond Dekker den Offbeat in die Welt. Auf sein Abschlusskonzert am Sonntag Abend auf der Hauptbühne kann sich also gefreut werden.
Nach 2001 und 2003 hat es in diesem Sommer nun der “bayerische” Bob Dylan wieder nach Übersee geschafft – ist Bad Reichenhall wirklich so weit weg? Zusammen mit Bayaman’ Sissdem wird Hans Söllner, der wohl bekannteste bayerische Rastaman, auf der Hauptbühne zum Tanz aufspielen.
Doch halt! Da ist noch mehr!
Genau so lange wie den Chiemsee Reggae Summer gibt es bereits die legendären Babylon Circus. Jeder Auftritt der zehn Franzosen, die traditionellen Folk Osteuropas mit neo-realistischen Songelementen, Reggae, Ska, Jazz, Dub und sogar Punk mischen, wird zu einem wilden Spektakel mit gewaltiger Explosivkraft. Aber bei all dem Spaß und der Leichtigkeit, die Babylon Circus versprühen, geraten ihre ernsten und kritischen Texte jedoch nie in Vergessenheit. Viel Schwung vor der Hauptbühne ist also auch am Samstag Nachmittag garantiert. Bereits zwei Jahre länger existiert die Münchner HipHop-Band Blumentopf – Insidern bereits seit längerem von anderen Festivals bekannt, wurde es nun wirklich einmal Zeit, dass die fünf Jungs kurz ins Auto steigen und die paar Kilometer zum Chiemsee fahren, um die Hauptbühne mit ihre feinen Reimen zu rappen! Dort werden auch Mono & Nikitaman auftreten, die längst zu den herausragenden Dancehall-Künstlern dieses Landes zählen und mit ihrem 2006 erschienen Album “Für Immer” einen Meilenstein nicht nur in der Szene gesetzt haben.
Nach diversen Auftritten auf der Zeltbühne wechselt heuer auch endlich Jahcoustix alias Dominik Haas, der im Herbst letzten Jahres seinen zweiten Longplayer “Grounded” vorgestellt hat, mit seiner Band Dubios Neighbourhood auf die große Bühne, auf der auch Deichkind aus Hamburg einen elektronisch angehauchten Kreuzzug wider den tierischen Ernst und die Konsumgesellschaft starten werden.
Lohnenswerte Insidertipps…
Eine, die mit Sicherheit für gehöriges Alpenglühen in bayrisch Jamaika verantwortlich sein wird, ist die zierliche, aber stimmgewaltige Künstlerin Nneka aus Nigeria, die einigen vielleicht schon durch ihren grandiosen Auftritt auf dem Würzburger Africa Festival 2006 in Erinnerung geblieben ist. Ebenso könnte es diesen auch mit Sebastian Sturm, Martin Jondo, Mellow Mark, Nattyflo oder Boundzound ergehen, die sich alle weit über die Szene-Grenzen hinaus schon einen Namen gemacht haben.
Es kann sich also schon fast entspannt zurückgelehnt werden, denn der “Stern des Südens” unter den deutschen Reggaefestivals wird höchst wahrscheinlich auch 2007 nichts von seiner Strahlkraft einbüßen müssen.
Wer schon jetzt Lust auf einen kleinen Vorgeschmack hat, dem seien diese Impressionen ans Herz gelegt…
[youtube MgjVgVNJLAQ]
Übrigens, das gesamte Line-Up findet sich hier. Infos zur Anreise und Übernachtung gibt es dort.
Bitte das Foto verlinken – Keinen Quellnachweis. Wer ist Urheber des Fotos? Fotografen nennen… Achtung