Wenn der Call-Center-Agent dreimal klingelt

…über den Umgang mit unerwünschten Werbeanrufen. Das Telefon klingelt. Jemand, der sich als „Deutsche Telekom“ vorstellt, will wissen, was ich für meinen Telefonanschluss bezahle. Im Monat. „Bald gar nichts mehr, wenn es so weiter geht…“ Ich lege auf. Eine halbe Stunde später klingelt das Telefon wieder. Ich, „Glückspilz“, habe gewonnen.

callcenter.jpg…über den Umgang mit unerwünschten Werbeanrufen. Das Telefon klingelt. Jemand, der sich als „Deutsche Telekom“ vorstellt, will wissen, was ich für meinen Telefonanschluss bezahle. Im Monat. „Bald gar nichts mehr, wenn es so weiter geht…“ Ich lege auf. Eine halbe Stunde später klingelt das Telefon wieder. Ich, „Glückspilz“, habe gewonnen. Irgendein Auto der Mittelklassenkategorie, ich müsse nur noch… Ich lege auf, bin mäßig genervt. Wieder klingelt’s. Soll ich? Und wenn’s was Wichtiges ist? Ich gehe ran. Es sei was wichtiges: Es gehe immerhin um meine Altersvorsorge. Ich schreie den armen Call-Center-Agenten an, dass ich, geht es so weiter, so alt gar nicht werde!

Den Rest des Tages bin ich verärgert und ziehe mich, mit Gehörschutzstöpseln, ins Bett zurück. Morgen geht’s weiter. In jeder Beziehung. Nach jüngsten Umfragen sind über 90 Prozent der Bundesbürger genervt von Werbeanrufen. Dabei könnte man doch so viel Spaß haben mit dem Telemarketing. Wie? Ganz einfach. Nehmen Sie’s als Spiel mit verschiedenen Varianten. Da sollte für jede und jeden was dabei sein. Typ Ahnungslos „Kennen Sie die Berliner Zeitung?“ – „Nein!“ – „Kennen Sie die Zeitung XY?“ – „Nein!“ – „Was lesen Sie denn für eine Zeitung?“ – „Was ist das, eine ,Zeitung’?“ – Aufgelegt.

Drehen Sie den Spieß einfach um!

Typ „Betrunken schon um 11:30 Uhr“ Falls Sie Immaginationshilfe benötigen: Schauen Sie sich die „Elefantenrunde“ nach der Bundestagswahl 2005 an und achten auf den Gasvertreter rechts vom Moderatorenpodium. Typ “Beleidiger”, Sie wissen schon… Ist aber nicht wirklich zu empfehlen (vgl. „Elefantenrunde 2005“) Typ “Missionar”: Drehen Sie den Spieß einfach um! Beginnen Sie, ebenso ungefragt wie der Anrufer, Ihre Mission zu verbreiten, frei nach dem Motto: „Schön, dass ich Sie gerade dran habe!“ Ob eigenartige esoterische Vorstellungen, eine Mitgliedschaft im Verein der Trotzdem-Tour-de-France-Gucker, die zwischen den Etappen Aldi-Prospekte ins Aramäische übertragen („Die ersten zwei Monate sind gratis!“) oder Produkte wie „Kytalan-Veredeler“ oder „Prosperin“ – lassen Sie Ihrer Phantasie freien Lauf! Es soll Leute geben, die machen damit fünfstellige Euro-Summen. Im Monat.

Typ “Hinhaltetaktiker”

Typ “Hinhaltetaktiker”: Der Hinhaltetaktiker zeigt sich interessiert, rückt aber mit konkreten Informationen oder gar verbindlichen Zusagen nicht raus. Da die Telefonistinnen auf’s Tempo drücken müssen, um möglichst viele Anrufe durchzuziehen, sind sie daran interessiert, schnell zum Punkt, also zum Vertragsabschluss, zu kommen. Deshalb zeigt sich auch der Hinhaltetaktiker grundsätzlich interessiert an den feilgebotenen Produkten, schweift aber kurz vor dem entscheidenden „Ja.“ ab, stellt abwegige Fragen oder will komplizierte (oder sich zumindest kompliziert klingende) Sachverhalte aufgeschlüsselt haben. Auf Aramäisch. Häufig sind die Damen (einige wenige Herren sind auch darunter) damit überfordert und legen freiwillig auf. Nicht ohne vorher noch eine kurze Beschimpfungsarie auf den (potentiellen!) Kunden abgelassen zu haben.

Typ “Jurist”

Typ “Jurist”: Der Jurist fragt zielsicher, ob man selbst um einen Anruf gebeten habe, weist, nach erfolgter Verneinung, auf die geltende Rechtslage hin (unerwünschte Werbeanrufe sind rechtswidrig) und darauf, dass das Gespräch aufgezeichnet wurde, die Aufzeichnung an die Kanzlei „Petermann&Rosenthal, Chicago“ gehe und die bußgeldbewehrte Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung in den nächsten drei Werktagen beim Anrufer oder dessen Auftraggeber eingehe. Nach Anruf verreist.

Drohen Sie nach jedem Hauptsatz mit ihrem Anwalt

Typ “Radprofi”: Bestreiten Sie, dass der Anrufer von Versicherung V ein Anrufer von Versicherung V ist. Leugnen Sie die Existenz eines Telefons und eines Call-Centers. Fragt man Sie nach Ihrem Namen, kennen Sie diesen nicht genau (Grund: Der letzte Blick auf die Geburtsurkunde liegt zu lange zurück.). Drohen Sie nach jedem Hauptsatz mit ihrem Anwalt, nach jedem Nebensatz brechen Sie in Tränen aus. Das vertriebene Produkt kennen Sie nicht. Alles andere auch nicht. Bestehen Sie aber rechtzeitig vor Gesprächsende drauf, mindest einmal täglich angerufen zu werden. Alles andere sei diskriminierend und ein Verstoß gegen die Genfer Konvention. Richtig: Tränen! Noch ein Tipp zum Schluss: Sagen Sie niemals „Ja.“, auch nicht, wenn man Sie fragt, ob Hannover die Hauptstadt von Niedersachsen ist. Sagen Sie „möglicherweise“, „vielleicht“, „Da muss ich erst meine Frau fragen.“ Denn: Das Gespräch wird aufgezeichnet und ein „Ja.“ oder eine andere eindeutige Erklärung kann später, an die richtige Stelle geschoben, wie eine rechtverbindliche Willenserklärung ausgelegt werden und… Entschuldigung. Das Telefon klingelt.

Photo Quelle/ Copyright: nadessa, cc creative commons Namensnennung-NichtKommerziell-KeineBearbeitung 2.0 (via flickr)

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