Ruanda – Von der Landwirtschaft zu Handel und Gewerbe

Ich, Alphonsine (38), bin Witwe und lebe mit vier eigenen Kindern und zwei angenommenen Waisenkindern in meinem neuen Haus, zu dem 8.000 m² Ackerfläche gehören. Nach unserer Rückkehr aus Burundi, wohin wir geflohen waren, bauten die Nachbarn mit finanzieller Unterstützung der Franziskaner das Haus auf einem neu angelegten Terrassenfeld. Im

ruanda.jpgIch, Alphonsine (38), bin Witwe und lebe mit vier eigenen Kindern und zwei angenommenen Waisenkindern in meinem neuen Haus, zu dem 8.000 m² Ackerfläche gehören. Nach unserer Rückkehr aus Burundi, wohin wir geflohen waren, bauten die Nachbarn mit finanzieller Unterstützung der Franziskaner das Haus auf einem neu angelegten Terrassenfeld.
Im Gegensatz zu unserer abgebrannten Hütte habe ich heute mit meiner siebenköpfigen Familie ausreichend Raum zur Verfügung. Das Ziegeldach ist dicht, Fenster und Türen sind verschließbar. Durch die Lehmbauweise ist die Brandgefahr stark gemindert. In der Regenzeit muss ich nämlich das Drei-Steine-Feuer zum Kochen oft im Haus anlegen. Der älteste Sohn hat eine Steuerung der Belüftung des Hauses ausgeklügelt, die Auswirkungen des Qualms und der Niederschlag von Ruß werden so in Grenzen gehalten. Die sporadische Ausräucherung des Raumes macht aber dennoch nicht die dringend erforderlichen Mückennetze über den einzelnen Schlafplätzen entbehrlich.

Eines Tages soll es Lampen geben

Die sieben handlichen Holzkloben sind unsere Sitzmöbel. Einen Tisch kann ich mir noch nicht leisten. Die Essschalen nehmen wir in den Schoß und wir essen mit den Fingern, das kennen wir nicht anders. Wenn wir allerdings eines Tages statt der offenen Talg- oder Öllampen, die die Atemwege reizen und die Augen tränen lassen, eine ausreichende Beleuchtung bekommen, dann gibt es auch einen Tisch. In dem Augenblick können die Kinder nämlich bei Licht noch schreiben und lesen und somit auch für die Schule üben.

Die Kinder helfen in ihrer Freizeit mit

Alle meine Kinder gehen dank der Hilfe durch die Kirche zwar zur Schule oder in die Ausbildung, sie müssen aber in der schulfreien Zeit für Wasser und Brennholz sorgen und mir bei der Feldarbeit helfen. Der lichte Tag läuft in Ruanda immer nur von sieben bis sieben.
Nach mehr als zehn Jahren stehen die ersten Reparaturen am Haus an. Da wir keine Dachrinnen haben, hat das Spritzwasser im Laufe der Zeit den Außenputz beschädigt oder ganz abgelöst.
Das Geld für den Zement (Sack € 10) und die Dachrinnen (1m € 5) hatte ich schon angespart, aber in den letzten zwei Jahren hatten wir wegen Trockenheit schlechte Ernten und ich musste Nahrungsmittel für uns kaufen. Meine Söhne haben an der Schule Regenwasserspeicher gesehen, die sie im Kleinformat uns auch an das Haus bauen wollen. Mein Ältester ist bei den Patres in der Maurerausbildung. Für all dies benötigen wir aber erst einmal Dachrinnen. Wenn wir eine eigene Wasserversorgung haben, entfällt zum größten Teil die elende Wasserschlepperei. In der so eingesparten Zeit können wir Brennholz sammeln und einiges davon verkaufen. Die Regierung hat das Fällen von Bäumen und das Abschneiden von Ästen verboten. Für die Holzsammler bleiben nur noch das Unterholz, Sträucher und krankes Gehölz. Die Wege werden immer weiter. Auf die Dauer müssen wir für den Haushalt eine neue Energiequelle finden.

Überleben mit Holz- und Erntetausch

Die Schulleiterin in Kivumu hat uns von Solarkochern erzählt, mit denen könnten wir unsere warmen Mahlzeiten durch das Sonnenlicht zubereiten, sie sind aber sehr teuer in der Anschaffung. Gas oder Öl und die entsprechenden Geräte dafür sind noch teuerer und befreien uns auch nicht aus der Abhängigkeit. Glücklicherweise haben wir fast immer genügend Sonnenschein selbst in den beiden Regenzeiten. Vielleicht gibt es eines Tages einen Solarkocher, denn ich habe gelernt, dass nichts unmöglich ist. Noch leben wir vom Holz- und Erntetausch. Nach guten Ernten verkaufe ich Holz und Gemüse als fliegende Händlerin in der Stadt. Dazu muss ich allerdings Transportmöglichkeiten finden, manchmal kann ich mit den Patres fahren.

Gefährlicher Handel in der Stadt

Weil ich als Händlerin nicht registriert bin, ist es in der Stadt gefährlich. Oft muss ich vor der Polizei flüchten und verliere auch manchmal meine ganze Ware. Das Geld gebrauche ich für neues Saatgut, Schulmaterial, Bücher, Schuluniformen und für die Zeiten von Missernten. Das Rechnen habe ich von meinen Kindern gelernt. Wir können zweimal im Jahr ernten, wenn das Wetter uns nicht im Stich lässt. Heute tausche oder verkaufe ich alle Ernteerträge, die wir nicht für unsere tägliche Versorgung benötigen. Wegen des unregelmäßigen Wetters gebrauchen wir unbedingt Lagermöglichkeiten. Die Gemeinde und die Patres bemühen sich ein Lagerhaus zu bauen, dann könnten wir auch Trockenheit und Dürren besser überbrücken. Außerdem wird es bald eine Microfinanz-Bank in Kivumu geben.

Das Wichtigste: Ein Telefon

Mit € 13 kann ich dann ein Konto eröffnen und bin kreditfähig. Meine älteste Tochter hat bei den Patres schneidern gelernt und für ihren guten Abschluss eine Nähmaschine bekommen. Als erstes werden wir uns auf Kredit ein Mobilfon kaufen. Ich kann dann mit einem Händler in der Stadt absprechen welche und wieviel Produkte er zu welchem Preis mir abkauft. In Kivumu werde ich dann bei den Nachbarn sammeln, was ich selbst nicht liefern kann. Den Transport wird der Händler organisieren. Er hat dann immer frische Ware und einen vollen Transportwagen, so dass die Kosten für den Einzelnen nicht so hoch sind.

Meine Tochter kann telefonisch Stoffe bestellen und für unsere Nachbarn Kleider nähen. Außerdem wird sie Schuluniformen für die Kinder anfertigen, die dann sehr viel billiger sind als in der Stadt. Mein Sohn wird seine erforderlichen Baumaterialien, er will Lehmziegel produzieren, auch als Sammelbestellung aufgeben. Der Sohn meines Obst- und Gemüsehändlers nutzt die Fahrten mit seinem Lastwagen, den er vom Militär gekauft hat, aus der Stadt nach Kivumu für den Transport des Materials meiner Kinder. Pater Vjeko hat immer gesagt: “Alles lässt sich durch Gespräche miteinander lösen.“ Zur Zeit sind dies noch Träume, wir beten ständig, dass sie wahr werden. Wir wünschen uns ganz intensiv Licht (Dynamo-Handlampen), einen Tisch, einen Solarkocher, Zement, Dachrinnen und ein Mobilfon.

Foto: Screenshot via Kindernothilfe.de

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