Lehrer mit der “Polarstern” unterwegs – ein Bordtagebuch 1

Die “Polarstern” ist auf großer Fahrt nach Nordnorwegen und Spitzbergen, wo die europäischen Tiefseeökosysteme untersucht werden. Die Expedition ist in drei Teiletappen untergliedert, sie verläuft im Rahmen eines lang geplanten Projektes zum Polarjahr 2007/08. Nachdem in den letzten Wochen erst Schüler und dann Wissenschaftler die Bordwissenschaftler auf ihrer Reise begleitet

etrwefr.jpgDie “Polarstern” ist auf großer Fahrt nach Nordnorwegen und Spitzbergen, wo die europäischen Tiefseeökosysteme untersucht werden. Die Expedition ist in drei Teiletappen untergliedert, sie verläuft im Rahmen eines lang geplanten Projektes zum Polarjahr 2007/08. Nachdem in den letzten Wochen erst Schüler und dann Wissenschaftler die Bordwissenschaftler auf ihrer Reise begleitet haben, reisen nun drei europäische Lehrer in die Arktis. Sie haben die Gelegenheit, die aktuelle Polarstern-Expedition von Longyearbyen (Spitzbergen) bis Tromsö (Nordnorwegen) zu begleiten. Während dieser Reise werden sie einen lebendigen Eindruck von aktueller Tiefseeforschung erhalten, den sie danach mit an ihre Schulen nehmen können.

Montag 09. Juli 2007

Thale Kristine Smaaldahl (28) unterrichtet Mathematik und Naturwissenschaften an der Weiterführende Schule Tromsdalen in Norwegen, Mieke Eggeremont (31) aus Belgien ist Biologielehrerin am Königlichen Atheneum III in Gent und Michael Bauer (35) unterrichtet Biologie und Physik am Erich Kästner Gymnasium in Eislingen, Deutschland. Diese drei sind Ihre Reporter auf dem dritten Fahrtabschnitt der Polarstern-Expedition in die Arktis.

Direkt nach der Landung in Longyearbyen fuhren wir mit dem Bus in den Hafen. Die Polarstern lag in dem atemberaubenden Fjord vor Anker. Wir wurden mit Schlauchbooten zum Schiff gebracht , wo wir über eine senkrechte Strickleiter an Bord kletterten. Hier nahm ein großes Abenteuer für uns seinen Anfang. Während die Polarstern aus der Bucht fuhr, hatten wir die Gelegenheit, uns mit dem Inneren des Schiffes vertraut zu machen und die traumhafte Landschaft mit schneebedeckten Gebirgsketten und Gletschern zu genießen. Nach einem vorzüglichen Abendessen trafen wir uns mit den anderen Neuankömmlingen an Bord für eine allgemeine Einweisung und eine Sicherheitsbelehrung. Dazu gehörte auch ein Probealarm mit Schwimmwesten.

Nachdem wir diese “sexy Outfits” zurückgebracht hatten, schauten wir uns auf der Brücke um. Dort trafen wir zwei belgische Wissenschaftler, die Vögel und marine Säugetiere im offenen Meer beobachteten. Später am Abend zeigten sie uns sogar zahlreiche Wale im Licht der strahlenden Mitternachtssonne.

Dienstag 10. Juli 2007

tzewr.jpgUnser zweiter Tag an Bord begann mit einer Überraschung: Eis! Während der Nacht waren wir zur Mitte der Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland gefahren. Die treibenden Eisschollen, die den spiegelglatten Ozean bis zum Horizont bedeckten, zeigten uns mehr als deutlich, warum dieses Gebiet seit einigen Jahren ein Lieblinglings-Beobachtungsgebiet der Wissenschaftler ist. Der so genannte “Hausgarten” befindet sich nämlich am Rand der Sommerausdehnung des Eises. Die Wissenschaftler erhoffen sich ein besseres Verständnis der Reaktion des Ökosystems Tiefsee auf das klimabedingte Zurückweichen des Eises. Zu diesem Zweck platzierten sie so genannte “Lander”. Es handelt sich dabei um Geräte, die am Meeresgrund Messdaten sammeln und Proben nehmen. Für uns offenbarte das Treibeis außerdem, dass wir uns wirklich in der Arktis befanden.

Tagsüber trafen wir die meisten Wissenschaftler und versuchten so viel Informationen wie möglich zu sammeln. Auf diese Weise bekamen wir einen guten Überblick über alle geplanten Forschungsaktivitäten an Bord, vom Zählen von Vögeln bis hin zur Analyse des Sauerstoffverbrauchs im Meeresboden.

Mittwoch 11. Juli, 2007

Das Schlafen ist an Bord eines Schiffes nicht so einfach wie zu Hause. Es wird nie dunkel und es gibt so viel zu sehen, dass man nie ins Bett gehen kann, ohne etwas zu verpassen. Aber wahrscheinlich werden wir in der nahen Zukunft so erschöpft sein, dass wir überall einschlafen können.

Eines dieser interessanten Dinge, war heute unser erstes Zusammentreffen mit dem Remote Operated Vehicle (ROV). Dabei handelt es sich um ein kleines unbemanntes U-Boot, das auf den Namen „Quest“ hört. Es wird zum Meeresgrund hinab gelassen und ist dabei mit der Polarstern nur über ein dickes Kabel verbunden, das der Energieversorgung und der Übertragung von Steuerbefehlen und Videobildern dient. Nach einem zweistündigen Abstieg zum Meeresboden in einer Tiefe von 2500m assistierte Quest einem der Teams, das Schwierigkeiten mit seiner Ausrüstung hatte, indem es einen Stein entfernte, der das Gerät blockierte. Wir konnten jede Bewegung des ROV auf einer Großbildleinwand live verfolgen und waren ganz verblüfft von der Qualität der übertragenen Bilder: Wir sahen einige schöne rote Garnelen, die über einen Schwamm kletterten, die Platzierung von wissenschaftlichen Geräten, etc.

Währenddessen konnte man draußen die Anspannung der Wissenschaftler spüren, die die ganze Nacht hindurch gearbeitet hatten, um ihre Ausrüstung rechtzeitig klar zu machen. Ein Lander nach dem anderen wurde zu Wasser gelassen, andere wurden zurück an Bord gehievt. Das Wetter was perfekt: Keine Wellen, kein Wind und ein blauer, sonniger Himmel. Es war ein weiterer wunderschöner Tag.

Thale Kristine Smaaldahl (28) unterrichtet Mathematik und Naturwissenschaften an der Weiterführende Schule  Tromsdalen in Norwegen, Mieke Eggeremont (31) aus Belgien ist Biologielehrerin am Königlichen Atheneum III in Gent und Michael Bauer (35) unterrichtet Biologie und Physik am Erich Kästner Gymnasium in Eislingen, Deutschland.

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