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Festnahmen in Saudi Arabien, Öl in Kurdistan, Avril Lavigne und Fahrräder in Paris - Bürgerjournalismus weltweit

- In Saudi Arabien demonstrierten zum ersten Mal Frauen. Screenshot via alfarhan.org
„Fünfzehn Frauen und sieben Kinder haben vor einem Hauptquartier der Staatssicherheit demonstriert. Sie verlangten eine öffentliche und gerechte Verhandlung für ihre Ehemänner, ein Ende der Folter und ihren Transfer in ein lokales Gefängnis.“
Amira Al Husseini macht auf Global Voices auf dieses Blog von SaudiJeans aufmerksam, in dem es weiter heißt: „Diese Nachricht ist deshalb wichtig, weil es das erste Mal ist, dass Frauen in Saudi Arabien eine Protest-Demonstration veranstalten. Ich bezweifle, dass Mainstream-Medien über den Fall berichten werden, weshalb es umso wichtiger ist, die Nachricht in Blogs und Foren zu verbreiten.“
In Saudi Arabien ist öffentlicher Protest untersagt – entsprechend wurden vier der Frauen sowie der Bürgerrechtler Rima Al-Juraish kurz nach der Demonstration festgenommen. Sie würden, so ein Statement der Regierung, wegen angeblichen Waffenbesitzes befragt. In den Saudischen Blogs, die auf Global Voices zusammengetragen wurden, finden sich vor allem Aufrufe zur Unterstützung der Demonstrantinnen. So schreibt Fouad Al Farhan, dass diese Saudischen Frauen etwas getan hätten, worauf das Land stolz sein sollte. Er fordert von allen Männern, ihre Feigheit zu überwinden und mit ihrem wahren Namen eine Petition für die ihnen zustehenden Rechte zu unterschreiben – die einzige Form des legalen Protestes in dem arabischen Königreich.
In der Region um Kurdistan sorgen sich Blogger wegen der Bemühungen großer Ölgesellschaften und der USA, ein regulatives Ölgesetz im Irak einzuführen. Dieses Gesetz, so schreibt Deborah Ann Dilley, solle die Befürchtungen der Sunni befrieden und das Öl gleichmäßig unter der Bevölkerung verteilen. Für die Öl-reiche kurdische Stadt Kirkuk ist es nahezu unmöglich, dieses Gesetz zu unterschreiben – jegliche Form der Unabhängigkeit vom Irak würde damit zunichte gemacht. Sollten die Wahlen im Dezember allerdings ergeben, dass Kirkuk sich tatsächlich für Kurdistan entscheidet, wären die kurdischen Gebiete durch den finanziellen Gewinn in einer ausgezeichneten Lage, ein unabhängiges Kurdistan zu erklären.
Darüber, wie stark große Ölgesellschaften sich in die politische Situation und die Haltung der USA einmischen, schreibt unter anderem Hevallo in seinem Blog: Er sieht eine schleichende Bewegung von einer freundschaftlichen Position gegenüber den Kurden hin zu einer, die die Türken favorisiert, insbesondere durch den Einfluss der Firma Exxon.
Derweil wird auf kurdischen Blogs, wie z.B. auf Independent Kurdistan Journalism oder Rasti deutlich gemacht, dass Kurden innerhalb der Türkei immer stärker unterdrückt würden.
Nachdem in den letzten Tagen auf AgoraVox nicht viel los war, findet sich dort heute ein ausgezeichneter Artikel von Paul Rogers, der zuerst auf openDemocracy erschien. Der Autor befasst sich mit der Schlüsselrolle, die Pakistan im Kampf gegen den Terrorismus spielt. Insbesondere drei jüngere Entwicklungen unterstrichen die These, dass das Land in dieser Hinsicht immer wichtiger würde: Die Wiederbelebung der al-Qaida, auf die der National Intelligence Estimate der USA aufmerksam machte, ein Bericht des Britischen House of Commons, der zu größerem Nato-Engagement in Afghanistan aufrief, und in Pakistan selbst die Erstürmung der roten Moschee, die Hunderte von Toten und gewaltige Unruhen zur Folge hatte, darunter vor allem Anschläge durch radikal-islamische Gruppen. Rogers weist auf die Gefahr hin, dass durch Druck von außen, wie von den USA geplant zu sein scheint, sich die Situation in Pakistan, wo verstärkt gegen die Regierung Musharrafs demonstriert würde, verschlimmern könnte. Ob es zu einem Eingriff der USA in das Krisengebiet käme oder nicht, dass die Kampagne gegen El-Kaida zu nichts führte, sei deutlich, und ein Angriff der El-Kaida innerhalb der USA nicht auszuschließen, wie einem Bericht der National Intelligence zu entnehmen wäre. Statt die Politik nocheinmal zu überdenken, würde es, so vermutet der Autor, zu einem automatisierten Angriffen in Pakistan mit Drohnen kommen, die die USA von Afghanistan aus abschicken könnten – gesteuert würden diese MQ9Reaper von Nevada aus.
Über die Kosten eines Krieges, bzw. über die Klagen der amerikanischen Abgeordneten, dass sie nie genug Mittel hätten, ihre Soldaten zu schützen, schreibt Liberally Conservative einen zynischen Artikel.
Zu einem weniger ernsten Thema eine Notiz von Jon Newton: Via Myspace dankt die kanadische Sängerin Avril Lavigne ihren Fans für die Unterstützung, während sie sich gegen das Gerücht wehrt, sie habe das Lied „I Wanna Be Your Boyfriend“ von den Rubinoos (1979) plagiert. Dank Internet kann man das Gerücht überprüfen: Hier hören Sie die Rubinoos
– und hier April Lavigne. Urteilen Sie selbst!
Regine Debatty berichtet von einem Vortrag von Alessandro Ludovico während der Dokumenta12 in Kassel, in dem es um Papier und Onlineveröffentlichungen im weitesten Sinne ging. Ludovico habe technische Erneuerungen vorgestellt, wie z.B. E-Papier, das eine riesige Bibliothek platzsparend unterbringen könnte, sich aber – noch – anfühlte wie ein großes Palmheld. Zudem sei es auch um die Entwicklungen in der Welt der Onlineprodukte selbst gegangen: Immer mehr Magazine und Zeitungen böten ihre Produkte auch zum Download an – der Grund dafür sei, dass man, um die Hefte herunterladen zu können, wertvolle Informationen zu sich selbst preisgäbe. Eine Plage für Printmedien sei zudem das Abfilmen von Magazininhalten per Handy-Kamea. Für Verleger günstig dagegen sei Book-on-Demand – hier werden nur die tatsächlich verkauften Bücher auch gedruckt. Den gesamten Vortrag können Sie hier auf Englisch nachlesen.
Erica Barnett stellt ein Projekt aus Paris vor, das Teil des Plans ist, den Autoverkehr in der Stadt bis 2020 um 40 Prozent zu senken: 22.000 Fahrräder wurden für die Bewohner angeschafft, die an verschiedenen Orten der Stadt ausleihbar sind. Neu ist die Idee nicht, aber dafür wirklich sehr, sehr günstig. Ein Tag Fahrradfahren kostet 1,- Euro, die Woche 5,- Euro; im Jahresabo kann man für 29,- Euro um den Eiffelturm radeln.











TheRealBook
Es ist nicht leicht, soviele Link-Informationen schmackhaft zu präsentieren. Es ist Ihnen jedenfalls ausgezeichnet gelungen.
Vor allem Ihr Hinweis auf die - sonst von den Medien völlig vernachlässigte - Autonome Region Kurdistan im Nordirak ist deshalb von Bedeutung, weil sich dort ein Staat formiert, wecher auch ein Zentrum diverser extrem spekulativer machtpolitischer Interessen geworden ist. Das Gerangel um den inzwischen kurdisch regierten Nordiraq könnte eine Neuorganisation im Nahen Osten bewirken. Sowohl politische Machtvertreter des Westens als auch internationale Investoren buhlen heftig um diese Region, die bereits wie ein selbständiger Staat behandelt wird.
Gall Jürgen
Avril`s Song hat mit dem von 1979 wirklich nichts zu tun. Haben die von 1979 ihren Sound aber von den Rolling Stones geklaut ? Vergleichen Sie mal den Refrain zu ” Get Off Of My Cloud ” von den Stones zu den Typen, die meinen, von Avril Lavigne Geld abzocken zu können…..Ich bin zwar schon 53, aber von den Knilchen habe ich noch nie was gehört. Hat mir aber nicht geschadet.