In dem heute auf der Readers Edition veröffentlichten Interview spricht die brasilianische Journalistin Ana Carmen Foschini über die lebhafte Blogszene ihres Landes. Auch zu der Flugzeugkatastrophe am letzten Dienstag, bei der ein Airbus 320 über die Landebahn des innerstädtischen Flughafens Congonhas in Sao Paulo hinausschoss und in eine Tankstelle raste, wird geschrieben. Dieses Unglück und ein weiteres, das bereits vor zehn Monaten geschah, machten weltweit auf den desolaten Zustand des alten Flughafens sowie der Luftfahrt in Brasilien insgesamt aufmerksam. José Murilio Junior betrachtet daraufhin für Global Voices die brasilianische Blogosphäre.
Erschreckend der Insider-Bericht eines Piloten, der das Gefühl der absoluten Hilflosigkeit beschreibt, mit dem er selbst in Congonhas landet – sicherlich keine gute Werbung für die TAM, die brasilianische Fluggesellschaft:
„Ich wünschte, jemand, der für diese monatelange Krise verantwortlich ist, könnte einmal an meiner Stelle sitzen. Ich wünschte, sie könnten den Effekt sehen, den das Anti-Rutsch-Material der Landebahn hat, wenn das Flugzeug zur Seite wegrutscht. Ich wünschte, sie könnten sehen, wie das Ende der Landebahn sich schnell nähert, und wir sitzen da, ohne irgendwas tun zu können. Ich wünschte, sie könnten spüren, wie mein Kopilot und ich zittern, wenn wir die Bahn auf der letzten Abfahrt verlassen.“
Über die Lobby, die nichts zum Ausbau und Erneuerung des maroden Luftfahrtsystems Brasiliens unternommen hätte, schreibt Antonio Carlos, während auf der Seite Luis Nassif Online ein Beitrag zu lesen ist, in dem der Autor deutlich macht, wie absurd die Berichterstattung durch die traditionellen Medien sei, die lediglich versuchten mit der größten Anzahl an Toten aufzuwarten, anstatt sich mit den Fragen zu beschäftigen, wie solche Katastrophen in Zukunft vermieden werden könnten.
Ein sehr interessantes und demokratisches Projekt stellt Amira Al Hussaini heute vor: In Jordanien ist ein Projekt gestartet, das Gesetzesentwürfe online stellt, um es den Bürgern zu ermöglichen, sie zu kommentieren, bevor sie verabschiedet werden.
Aus Ägypten berichtet Ana Ikhwan über einen weiteren Zensurversuch – gestoppt werden sollte diesmal ein Anti-Folter-Blog tortureinegypt.net (arabisch). Nuha Attef, Journalistin und Betreiberin der Seite, war vom Staatssicherheitsdienst bedroht worden, sollte sie ihre Berichte über Folter fortsetzen. Tatsächlich postet sie nicht mehr.
Ebenfalls auf Global Voices findet sich ein Bericht von Hamid Tehrani über die Steinigung eines Mannes im Iran nach 11 Jahren Haft. Auf Deutsch lesen Sie ihn hier.
Auch auf OhmyNews findet sich unter den Topstorys ein Bericht über Brasiliens Flugverkehr. In einer Rückschau, die betrachtet, was seit dem Absturz einer 737-800 im Amazonasgebiet passiert war, macht Alan Mota auf lange Versäumnisse in der Flugsicherheit aufmerksam. Erst jetzt würden Pläne entwickelt, den Verkehr umzuleiten; so sollten z.B. verstärkt weniger genutzte Flughäfen (z.B. in Rio) angeflogen werden und internationale Flüge seltener in Sao Paulo starten. Vor allem aber läge jetzt der ANAC (Agentur für Zivilluftfahrt Brasiliens), ein Zehn-Punkte-Plan vor, der unter anderem den Bau neuer Landebahnen vorsieht. Ob dieser Plan eingehalten wird, so der Autor, sei allerdings abzuwarten. Über die dringend notwendige Verbesserung des brasilianischen Lotsensystems sei noch nicht einmal gesprochen worden.
Über die Situation um die koreanischen Geiseln in Afghanistan schreibt Daud Khan – verworren und verwirrend seien vor allem die unterschiedlichen Stimmen, die dazu Stellung bezögen – so würden sich sowohl Taliban als auch Statements der afghanischen Regierung selbst widersprechen.
Den Ausgang der Wahlen in der Türkei hat Michael Werbowski beschrieben: Mit einer islamischen Partei am Ruder starte das Land ins 21. Jahrhundert. Die Readers Edition hat diesen Artikel für Sie übersetzt.
Im letzten Bürgerjournalismus-Überblick wurde bereits auf die politische Brisanz des Ölvorkommens in der kurdischen Stadt Kirkuk hingewiesen. Jason Lefkowitz schreibt darüber noch einmal aus einem ganz anderen Licht: Ihm geht es um den Abzug der Truppen aus dem Irak. Keiner der Pläne der USA, ihre Truppen aus dem Land zurückzuziehen, könne ihn überzeugen, doch die Option einer „Soft Partition“, einer „Sanften Teilung“, die in der letzten Zeit von Senator Joe Biden favorisiert würde, sei mindestens ebenso heikel. Dieser Plan sieht eine Teilung des Irak nach ethnischen Gruppen vor: Die Schiiten bekämen den Süden, die Sunniten das Zentrum und den Westen, die Kurden den Norden. Dorthin zöge sich auch die USA zurück – da die Kurden die einzigen Iraker seien, die die Amerikaner tatsächlich begrüßten. Lefkowitz zieht einen recht interessanten Vergleich zur Teilung Indiens im Jahr 1947, als das britische Kolonialreich in einen muslimischen und einen hinduistischen Teil getrennt wurde – was zu jahrelangen Unruhen im Staat führte, deren Nachklänge bis heute zu spüren seien.
Doch der Autor weist vor allem auf ein weiteres Problem hin – die Kurden selbst. Wenn von der Teilung des Irak gesprochen würde, so geschähe das meist in Hinblick auf ein zumindest selbstverwaltetes Kurdistan – ein Szenario, das die Türkei wiederum als bedrohlich empfinden könnte, da der Gedanke, dass auch die türkischen Kurden Teil eines eigenen kurdischen Landes werden wollten, nahe liegt. So nahe, wie der Autor schreibt, dass durchaus die Gefahr bestünde, dass die Türkei in den irakischen Teil Kurdistans eindringen könnte, sollten die Kurden unabhängig werden. Die Vorstellung würde dann wirklich kompliziert – die Türkei ist Teil der NATO. Auf wessen Seite stünden dann die USA?
Ein weiteres Problem der Teilung läge in der Stadt Kirkuk: Sie liegt direkt auf der Grenze zwischen einem möglichen sunnitischen und dem kurdischen Teil Iraks, war früher einmal größtenteils kurdisch und schwimmt in Öl – 40 Prozent der irakischen Reserven liegen hier.
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