Die “Polarstern” ist auf großer Fahrt nach Nordnorwegen und Spitzbergen, wo die europäischen Tiefseeökosysteme untersucht werden. Die Expedition ist in drei Teiletappen untergliedert, sie verläuft im Rahmen eines lang geplanten Projektes zum Polarjahr 2007/08. Nachdem in den letzten Wochen erst Schüler und dann Wissenschaftler die Bordwissenschaftler auf ihrer Reise begleitet haben, reisen nun drei europäische Lehrer in die Arktis. Sie haben die Gelegenheit, die aktuelle Polarstern-Expedition von Longyearbyen (Spitzbergen) bis Tromsö (Nordnorwegen) zu begleiten. Während dieser Reise werden sie einen lebendigen Eindruck von aktueller Tiefseeforschung erhalten, den sie danach mit an ihre Schulen nehmen können.
Montag, 16. Juli 2007
Nachdem wir zwei Missionen des ROV “Quest” auf dem Bildschirm mitverfolgt haben, hatten wir heute zum ersten Mal die Gelegenheit, hinter die Kulissen zu schauen. Das ROV ist eine Art Roboter, der mit eigene Antrieben ausgestattet ist, mit denen er sich aktiv durchs Wasser bewegen kann, und er verfügt über Greifarme, die millimetergenau gesteuert werden können. Allerdings hat die Technik ihren Preis, so dass es nicht viele Forschungsinstitute gibt, die sich ein eigenes ROV leisten können. Quest z. B. stammt von der “Marum-Gruppe”, die mit acht Personen, darunter Piloten, Techniker und Wissenschaftler hier an Bord ist. Einer von ihnen, Volker Ratmeyer, erklärte uns die Technik und zeigte uns den Kontrollraum, der sich in seiner Komplexität kaum von einem Flugzeugcockpit unterscheidet. Wenn das ROV unter Wasser ist, ist dieser Kontrollraum abgedunkelt. Drei große Flachbildschirme zeigen Live-Bilder vom Meeresgrund, Anzeigen aktueller Parameter und Sonar-Bilder. Sobald man den Raum betritt, fühlt man sich, als wäre man an Bord der Enterprise gebeamt worden.
Später an diesem Abend wurden wir vom wissenschaftlichen Leiter der Expedition Michael Klages auf ein Glas Wein in seine eindrucksvolle Kabine eingeladen. Für uns war das eine große Ehre. Einerseits unterhielten wir uns über die vergangene Woche, andererseits besprachen wir mit ihm unsere Aufgaben für den zweiten Teil unseres Aufenhalts. Und – wie wir das schon zuvor erfahren durften – ist die Zeit, die man mit einem Meeresforscher verbringt, niemals vergeudete Zeit.
Dienstag, 17. Juli 2007
Wenn man nur für eine kurze Expedition wie diese auf einem Forschungsschiff ist, wachsen die Leute an Bord sehr schnell zusammen. Es dauerte nur eine Woche um herauszufinden, womit sich die meisten Arbeitsgruppen beschäftigten. Jetzt wird es einfacher für uns, konkrete Fragen zu stellen. Die Zeit vergeht wie im Fluge und leider beginnen manche Arbeitsgruppen schon damit, sich auf die Rückreise vorzubereiten. Daher kam uns der heutige Tag wie ein Wendepunkt auf unserer Reise vor.
Heute erreichten wir unsere nördlichte Position auf 79° 45′ nördlicher Breite. Die Polarstern musste sich ihren Weg durch viele große Eisschollen bahnen, die das ganze Schiff erzittern ließen. Dieser Ort war recht nahe am Packeis Grönlands und daher hoften wir, Eisbären sehen zu können. Ein Wissenschaftler zeigte uns einen Film von einem Bären, der auf einer früheren Expedition an ungefähr derselben Stelle beobachtet worden war. Deswegen waren unsere Erwartungen ziemlich hoch. Unglücklicherweise konnten wir nur einige Fußspuren dieser Tiere auf den Schollen erblicken. Es war wohl leider die letzte Gelegenheit für uns, sie und ihren erstaunlichen Lebensraum zu sehen. Wir mussten Kurs Richtung Süden nehmen, was diesen Tag – wie gesagt – zu einem Wendepunkt werden ließ.
Fast wie Wissenschaftler…
Mittwoch, 18. Juli 2007
Heute Morgen stand die Bergung einer weiteren Fischfalle auf dem Plan. Sie hatte für zwei Tage auf dem Grund gestanden. Wieder kamen einige Aalmütter und Unmengen von Amphipoden nach oben. Um diese Tiefseekreaturen unseren Schülern zeigen zu können, sammelten wir einige von ihnen ein und konservierten sie in Formalin bzw. Alkohol. Allerdings hatten wir schon die Erfahrung gemacht, dass die Tiere ihre schöne rote Farbe verlieren und weiße Amphipoden in roter Flüssigkeit übrig bleiben. Einer der Biologen schlug uns daher vor, sie in 80prozentiger Zuckerlösung aufzubewahren. Genau das taten wir und kamen uns bei der Arbeit im Labor fast wie Wissenschaftler vor (siehe Abb.).
Außerdem wollen wir unseren Schülern den enormen Druck in großer Wassertiefe demonstrieren. Eine der stählernen Vierkantstreben einer Fischfalle wurden durch den Wasserdruck regelrecht zusammengepresst, weil sich ihr Inneres beim Abtauchen zum Druckausgleich nicht mit Wasser füllen konnte. Dies inspirierte uns zu einem kleinen Experiment. Morgen früh wird das ROV “Quest” zwei Plastikflaschen – eine mit Luft und eine mit Weißwein gefüllt – und ein Stück Styropor auf eine Tiefe von 2500 m bringen, während es dort seine wissenschaftlichen Aufgaben erfüllt. Es war nett, dass zur Abwechslung mal die Wissenschaftler uns fragten, was wir taten, und nicht umgekehrt.
Jetzt müssen wir nur noch warten, bis das ROV abtaucht.
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Thale Kristine Smaaldahl (28) unterrichtet Mathematik und Naturwissenschaften an der Weiterführende Schule Tromsdalen in Norwegen, Mieke Eggeremont (31) aus Belgien ist Biologielehrerin am Königlichen Atheneum III in Gent und Michael Bauer (35) unterrichtet Biologie und Physik am Erich Kästner Gymnasium in Eislingen, Deutschland.
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Lesen Sie hier den Wochenbericht 2 der Lehrer: klick
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